© Rolf Bock

Der Bockerer
10/27/2016

Mit Humor gegen das Nazi-Regime

Neubearbeitung des Stücks „Der Bockerer“ tourt nun durch Österreich. Premiere war am Nationalfeiertag.

von Heinz Wagner

Just am Nationalfeiertag, als HaZe Zeilen des Nazi-Dichters Ottokar Kernstock via Facebook postete, reißt’s dich dann schon, wenn du den Theaterraum betreten möchtest und ein Uniformierter mit Hakenkreuzbinde am Eingang steht. Klar, du weißt, hier wird „Der Bockerer“ gespielt.

Einfach Mensch geblieben

Das in der unmittelbaren Nachkriegszeit uraufgeführte Stück, das später durch eine Verfilmung mit Karl „Mundl“ Merkatz in der Hauptrolle noch berühmter wurde, erzählt die Geschichte des Fleischhauermeisters Bockerer. Sein Sohn macht Karriere bei Hitlers SA, Ehefrau und Mutter „Binerl“ verehrt den Führer, der am selben Tag, im selben Jahr wie Karl Bockerer geboren wurde. Der Fleischermeister ist kein bewusster Gegner des diktatorischen Nazi-Regimes, bleibt aber seinem allgemein-menschlichen nach Gemütlichkeit strebenden Wesen treu und kommt somit in Gegensatz zur Hitlerei. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ihm die „Nürnberger Rassengesetze“ seinen beliebten Tarock-Partner, den Rechtsanwalt Rosenblatt wegnehmen, der vor der Verfolgung fliehen muss.

Situationskomik

Wie schon im Original und auch in der Verfilmung lebt auch diese – vielleicht ein bissl zu lang geratene – Version vom Humor, der Situationskomik, die Vertreter des faschistischen Regimes der Lächerlichkeit Preis geben – ohne deren Herrschaft zu verharmlosen. Für Letzteres sorgen nicht zuletzt auch eingeblendete dokumentarischer Filmsequenzen u.a. von Bergen toter Menschen, Opfer der Nazis. Da darf natürlich die bekannte Szene nicht fehlen, wo Bockerer vor dem Geschäft ein Hakenkreuzfahne hissen soll, darauf hinweist, dass die, die er gekauft hat, zu lang ist, das Nazi-Symbol daher auf dem Boden zu liegen kommt und weil er angewiesen wird, sie halt aufzurollen, nur eine rein rote Fahne übrig bleibt.

Berührend

Berührend die Abschieds-Szene zwischen Vater und Sohn Bockerer als dieser in den Russland-Feldzug aufbricht. Bis dahin hatten sie nichts mehr miteinander geredet. Nun wird auch dem Sohn ein wenig mulmig zumute, nachdem ihm der SS-Standartenführer erzählt hatte, was seine Aufgabe als „Liquidator“ der Zivilbevölkerung werden würde. Diese Schilderung ist ebenso fast nicht auszuhalten wie die Szene als sich die beiden bürgerlichen Damen lustig machen über den Straßen waschenden jüdischen Mitbürger, der von den uniformierten Nazis obendrein noch zum Apportieren des Ausreibfetzens genötigt wird.
Der Vater erkennt in der Abschiedsszene doch die Angst in den Augen des Sohnes, der auch wenig später tot sein würde.

Reife Ensembleleistung

Obwohl aus der reifen Ensembleleistung – bis hin in die „Nebenrollen“ – vielleicht niemand hervorzuheben wäre, muss dennoch Rudi Larsen erwähnt werden. Immerhin muss er sich wohl von den meisten – zumindest Erwachsenen - im Publikum mit dem Film-Bockerer Karl Merkatz messen lassen. Und er braucht den Vergleich nicht zu scheuen. Er legt ihn auch nicht als Kopie an, weniger grantig, ein wenig liebevoller, wenngleich doch auch ein bisschen herb.

Und gerade das Zusammentreffen der eingangs beschriebenen Begebenheiten be- und verstärkt Bockerers letzten Ausruf im unmittelbaren Nachkriegs-Österreich: „Aufpassen, wir müssen!“

... zum Stück

Das Bühnenstück „Der Bockerer“ von Ulrich Becher und Peter Preses konnte über den deutschen Sprachraum hinaus große Erfolge feiern. Ursprünglich als „tragische Posse“ bezeichnet, wurde es am 2. Oktober 1948 an der Scala in Wien uraufgeführt. Mit 80 Aufführungen war „Der Bockerer“ eines der erfolgreichsten Stücke der Scala. Doch durch die Gegnerschaft Torbergs, der in der Nachkriegszeit alles boykottierte, was nur mit einem Hauch von Kommunismus behaftet war, erfuhr das Stück nach der abgelaufenen Spielsaison vorerst keine Wiederaufnahme.

Später wurde das Werk verfilmt - in der Filmversion von Franz Antel, der die Titelrolle mit Karl Merkatz besetzte, wurde „Der Bockerer“ auch für die Oscar-Nominierung vorgeschlagen. Sogar in Peking und Shanghai wurde das Stück aufgeführt.

Nun ist es in einer Neubarbeitung von Regisseur Marcus Strahl auf Österreich-Tour.

Was? Wer? Wann? Wo?

Der Bockerer
Schauspiel von Ulrich Becher und Peter Preses
Schaubühne Wien

Karl Bockerer, Fleischhauer: Rudi Larsen
„Binerl“, Frau Bockerer: Irene Budischowsky
Hans Bockerer, Sohn/ 2. "Unauffälliger": Sebastian Blechinger
Hatzinger, Bockerers Freund/3. "Unauffälliger": Johannes Kaiser
Dr. Rosenblatt, Rechtsanwalt und Tarockpartner/Parteigenosse Kulicke aus Berling/Jude im Stadtpark: Martin Gesslbauer
Gurtisch, Rayonsinspektor/Der Hermann, Eisenbahner und Bockerer-Freund: Gregor Viilukas
Ferdinand Gstettner, SS-Standartenführer/1. "Unauffälliger": David Miesmer
Mizzi Haberl, junge Frau, Verlobte von Hans Bockerer: Leila Strahl
Dr. Lamm, Gestapo/Alois Selchgruber: Stephan Paryla-Raky – derzeit erkrankt und gespielt von Johannes Terne
Frau Krampflitschek, Kleinbürgerin/ Frau Hermann/Frau Wastl, Wirtin im Kahlenbergerdorf/Krankenschwester: Anke Zisak

Bearbeitung und Regie: Marcus Strahl
Bühne: Martin Gesslbauer
Kostüm: Babsi Langbein
Technische Leitung: Andreas Ivancsics
Lichtdesign: Stefan Rauchenwald
Make-up-Design: Andreas Moravec
Assistenz: Birgit Elian

Verlagsrechte bei Thomas Sessler Verlag Wien

Wann und wo?

WIEN
Theater Center Forum
Bis 28. Oktober 2016
15. November bis 3. Dezember 2016
19.30 Uhr Di – Sa.
1090, Porzellangasse 50
Telefon: 01/310 46 46
www.theatercenterforum.com

Theater Akzent
4. Dezember 2016, 19.30 Uhr
1040, Theresianumgasse 18
Telefon: 01/501 65-3306
www.akzent.at

NIEDERÖSTERREICH
Wr. Neudorf, Freizeitzentrum
29. Oktober 2016, 19.30 Uhr
Tel.: 02236/62 501

Laxenburg Kaiserbahnhof
4. November 2016, 19.30 Uhr
www.laxenburg.at

Wiener Neustadt Stadttheater
8. November 2016, 19.30 Uhr
Telefon: 02622/373 311
www.wnkultur.at

Baden, Theater am Steg
9. November 2016, 19.30 Uhr
Telefon: 02252/868 00-526

OBERÖSTERREICH
Bruckmühle Pregarten
5. November 2016, 19.30
Telefon: 07236/2570

Wels, Stadttheater
7. November 2016, 19.30 Uhr
Telefon: 07242/235 70 40

Steyr, Stadttheater
10. November 2016, 19.30 Uhr
Telefon: 07252/575-800
Ö-Ticket

Vöcklabruck, Stadtsaal
11. November 2016, 19.30 Uhr
Telefon: 07672/26 644
www.kuf.at

STEIERMARK
Leoben, Stadttheater
3. November 2016, 19.30 Uhr
Telefon: 03842/4062-302
Ö-Ticket