Kiku
05.12.2011

Das Wunderkind der Software-Welt

Ein zwölfjähriger Niederländer mit eigener Firma gilt als größte Nachwuchs-Hoffnung in der Programmierszene.

Puck Meerburg hat sich das Programmieren selbst beigebracht und mittlerweile drei iPhone-Apps in Apples "App Store" veröffentlicht. Mit seinem Vater Erik Meerburg tingelt er derzeit von Internet-Konferenz zu Internet-Konferenz. Vom Profi-Programmierer unterscheidet sich der Niederländer aus Delft bei Den Haag eigentlich nur in einem Punkt: Er ist erst zwölf Jahre alt und wird derzeit als der erste Kinderstar der europäischen Internet-Szene gehandelt.
Bereits im Alter von sieben hat Puck begonnen, zu programmieren - damals bastelte er am iMac seiner Eltern ein simples Computer-Spiel für die Schule. Diese Woche hat er bereits seine dritte App unter seiner Firma "Puckipedia" veröffentlicht.

Begabt "Programmieren lernen ist wie eine Sprache lernen", sagt Puck in fließendem Englisch im Rahmen der Entwickler-Konferenz SIME in Stockholm zum KURIER. Neben dem Programmieren hat sich der Zwölfjährige auch Englisch am väterlichen Computer beigebracht, wie seine Eltern überrascht feststellten.
Mit seinen Software-Kreationen will Puck in erster Linie anderen Kindern beim Lernen helfen. So hat er seine kürzlich veröffentlichte Mathematik-Lern-App auch für geistig beeinträchtigte Kinder adaptiert. Auch die Initiative "One Laptop Per Child" (OLPC), die günstige Notebooks in Entwicklungsländern verteilen wird, will er unterstützen.
"Wenn du siehst, dass dein Kind Fußball gerne mag, gibst du ihm einen Ball. Wenn du siehst, dass es Computer interessieren, gibst du ihm einen Computer", sagt Pucks Vater Erik Meerburg. "Vor einem Jahr hat er sich für das iPhone zu interessieren begonnen und deswegen haben wir ihm einen zweitägigen Entwicklerkurs an der Uni ermöglicht."

Kinderspiel "Viele Entwickler beschweren sich über den schwierigen Apple-Code", sagt Erik Meerburg. "Programmieren ist für Puck wie ein Puzzle, für das er eine Lösung finden muss - offensichtlich ein Kinderspiel." Für seinen Sohn sei das Wichtigste, die fertige Software online zu stellen, ob sie benutzt wird, sei zweitrangig.
Neben Apple-Software will Puck künftig auch für Windows 8 programmieren, dessen Touchscreen-Funktionalität ihn begeistert. In Kombination mit Microsofts Touchscreen-Tisch "Surface" würden sich neue Möglichkeiten auftun. "Meine TafelTrainer-App könnten acht Leute gleichzeitig gegeneinander spielen." Pucks Eltern wollen die öffentlichen Auftritte nicht überhand nehmen lassen. Für November wurde mit der Schule eine Sonderregelung vereinbart, die es Puck erlaubt, Konferenzen zu besuchen - danach geht es zurück in den regulären Unterricht. "Er ist ein hervorragender Schüler", so sein Vater. "Wir müssen aber darauf schauen, dass er seine Hausaufgaben erledigt, weil er eigentlich ganz andere Interessen hat."
Pucks Geschichte hat die niederländische Filmemacherin Tessa Boerman so begeistert, dass sie jetzt einen Dokumentarfilm über ihn drehen will. Zwei Jahre wird sie ihn mit der Kamera begleiten. "Puck ist das perfekte Beispiel dafür, wie Technologie und Software zu einem Spielplatz werden", sagt Boerman.

Neue Generation Sie sieht Puck als Stellvertreter einer Generation, die sich bereits intensiv mit neuen Technologien auseinander setzen muss. Boerman: "Programmieren muss Teil des Schulunterrichts werden, damit der Nachwuchs versteht, wie die Welt funktioniert, in der er lebt."
Für technische Details bleibt Puck derzeit jedoch nur der Austausch mit Erwachsenen. "Es gibt nicht viele andere in seiner schulischen Umgebung, die auch programmieren können, da ist er schon ein wenig der Außenseiter", sagt Meerburg. Allerdings würden sich die Zeiten ändern: "Die Computer-Freaks von früher werden immer mehr zu den coolen Typen."

Puckipedia: Firma mit zwölf Jahren
Unter dem Firmennamen Puckipedia hat der Zwölfjährige bereits drei Apps in den Apple App Store gebracht. Die jüngste Kreation "TafelTrainer" (siehe Bild) hilft jungen iPhone-Nutzern dabei, das kleine 1x1 zu meistern, indem es Rechenaufgaben in einer vorgegebenen Zeit stellt. Neben Lern-Apps will Puck zukünftig auch komplexe Spiele entwerfen. Einen ersten Schritt in diese Richtung bedeutet seine dritte iPad-App "The Quizzer". Sie erlaubt es, auf einfache Weise Rätsel zu entwerfen, die andere Nutzer knacken müssen. Als Vorbild dient Puck der unabhängige schwedische Spiele-Entwickler Markus "Notch" Persson, der das populäre Game "Minecraft" entworfen hat.