Das sind die neun besten Junior-Firmen Österreichs

Von biologischen Bucheinbänden bis zu Murmeltierwurst

Die Erde stöhnt. Die Luft werde ihr abgeschnitten. Eingehüllt in ein Plastiksackerl wird sie auf der Leinwand im Hintergrund immer größer. Raphaela Oßberger – selber eingehüllt in einen schwarzen Plastikmüllsack, drapiert mit noch jeder Menge einschlägigen Mists, leiht der Erde ihre Stimme. Eindrucksvoll machen sie und ihre Kolleg_innen auf der Bühne des Julis-Raab-Saals in der Wirtschaftskammer nicht nur auf dieses Umweltproblem aufmerksam. Sie bewerben damit auch recht auffällig die von ihrer Junior-Firma entwickelte Alternative: Buch- und andere Hüllen aus wie sie es nennen „Bio-Plastik“, einem rein biologischen Material. Den Mix aus Glycerin, Gelatin, Lebensmittelfarbe, Kartoffelstärke und Wasser haben die Schülerinnen und Schüler des (Real-)Gymnasiums im steirischen Stainach selber entwickelt. „Rund drei Monate haben wir experimentiert“, erzählen vor der Bühnenpräsentation die Genannte sowie Aron Ebner, Christina Edegger, Gerald Baumann und Roland Lemmerer dem Online-Kinder-KURIER. Von ihren „Bio-Book-Cover“s haben sie einige hundert Stück in verschiedenen Größen hergestellt – „auch die Gussformen für das Gemisch, das wir auf 70 Grad aufkochen, haben wir selber produziert“ – und verkauft. Ihre Idee, ihr Business und nicht zuletzt die spannende und überzeugende Präsentation brachte dieser Junior-Firma den Sieg im Österreich-Finale ein. Der Auftritt endete damit, dass Oßberger als Stimme der Erde, vom Plastikmüll befreit wird und in einem Kleid aus dem biologischen und total kompostierbaren Material dasteht. Als beste der rund 160 heimischen temporären Firmen vertritt die steirische Junior-Company somit rot-weiß-rot beim Young-Enterprise-Europe-Contest – heuer in Oslo. „Es war einmal ein Land jenseits von Gut und Böse…. Beginnt die Geschichte, die fortgesetzt wird mit einem Bösewicht – und dem Widerstand gegen die finstere Macht durch kleine, süße, witzige, sich wohlig anfühlende Wesen, Zwookies genannt. Denn alles Böse kann nur durch Freude aufgehalten werden…“ Das ist die Story hinter den lustigen Schlüsselanhängern aus der Junior-Firma des BORG Bad Aussee.
Doch während die einen schülerischen Unternehmer_innen ihre Story vortragen, kontern andere Zwookie-Geschäftsleitungsmitglieder, beim Wirtschaften käme es doch mehr auf Fakten, Daten, Zahlen an.... ... Erstere pochen in dem theatralen Streitgespräch bei der Präsentation jedoch darauf, dass erfolgreiche Unternehmen immer wieder nicht nur durch eine Produkt oder eine Dienstleistung Geschäfte machen, sondern auch durch eine Geschichte, eine Vision, die sie dabei mit verkaufen.
Das schien auch die Jury zu überzeugen. Platz zwei beim Österreich-Finale war der Lohn für die Zwookies, die zeigte, dass eine kreative Story und Geschäftszahlen ganz gut zusammen-puzzlen (können). Eine andere Geschichte, ja einen alten „Schatz“, hoben Schülerinnen der Handelsakademie im Salzburger Hallein. Aber sie pimpten es ziemlich up. Das für die Gegen traditionelle Salz mixten die Jungunternehmer_innen von „fresh & spicy“ mit teils recht ungewöhnlichne Gewürzen, Früchten: Chili, Pistazien, Himbeeren, Safran, Schoko… Doch die Jugendlichen experimentierten und fanden nicht nur diese außergewöhnlichen Salzmischungen, sie suchten dafür auch Rezepte – „Kochassistenten“, wie sie diese nennen. „Die haben die Form von Lesezeichen und wir haben sie in zwölf verschiedenen Sprachen“, berichten Ivan Soki´c, Lara Sirman, Melanie Toigo, Elisabeth Kontriner und Nina Aigner dem Online-Kinder-KURIER. Alle verwendeten Sprachen werden von wem in der Klasse als zweite Muttersprache oder von allen als schulische Fremdsprache beherrscht – von Serbisch bis Französisch, von Englisch bis Arabisch, von Griechisch über Türkisch bis  Persisch und Russisch. Neben diesen drei Preisen vergab die Jury noch zwei Special Awards, einen für International Business. Und der ging an Jugendliche der HTL Zweltweg (Stiermark). Sie entwickelten ein Programm, mit dem der Physikstoff der 1. und 2. Klasse am Computer erlernt, geübt und überprüft werden kann.

„Gerade Physik war schuld an einer hohen Drop-Out-Rate“, schildern Florian Bauer, Matthias Oberreiter, David Gruber, Helmut Weinberger und Kurt Trattner. „Wir haben uns überlegt, wie wir helfen können, dass weniger Schüler in Physik scheitern und dann dachten wir, viele würden sicher lieber mit einem Computerprogramm als mit dem buch Physik lernen.“ Und PhySticks, wie das Programm, das es auf CD bzw. USB-Stick im Scheckkartenformat gibt, heißt, hat schon positive Wirkung gezeigt, „in diesem Jahr haben mehr Physik geschafft“. Eine weitere Auszeichnung gab’s für die Junior-Firma mit der höchsten sozialen Kompetenz. Und die ging an „Recycling Records“ aus der HLW 10 in Wien-Favoriten. Aus alten CDs fertigten die Jugendlichen Schmuck an, aus anderen dekorative Kerzenhalter und aus Schalplatten, die in den Mist gewandert wären, Obst- oder andere Schüsseln. „Die Methodehaben wir im Internet entdeckt, bisher ist sie nur in den USA angewandt worden“, erzählen Valerie Krennwallner, Claudia Seidl und Julia Großmann, hinter dekorativ am Messestand aufgebauten Ästen und einer Schaufensterpuppenhand, die sie mit ihren Schmuckstücken behängten.

Und sie „verraten“ das merkwürdig klingende „Rezept“: „Als erstes haben wir die Cd in die Mikrowelle gelegt – da wird die Beschichtung aufgebrochen und es ergibt sich – jedes Mal ein anderes – Muster. Und dann schneiden wir die „gebackene“ CD in Stücke, bohren Löcher rein und fertig ist der Anhänger. Für die Schalen und Schüssel, kommen sie ins Backrohr und werden – noch warum und biegsam – geformt.“ Bleiben wir gleich bei Schmuck, eine weitere HLW, jene aus dem oberösterreichischen Perg gründete die Schüler_innen-Firma „Schmuckkästchen“ und verkaufte Ringe und Kettenanhänger aus gewundenem Silberdraht mit bunten großen Glasperlen als Steinen. Ganz individuelle, extravagante Werbeschilder schaffen die „Grave it“-Jugendlichen aus der HTL Waidhofen an der Ybbs (NÖ). Sie gravieren Schriftzüge oder Bilder in Kunststofftafeln, die via LED-Lämpchen auch färbig beleuchtet werden (können). Für „Wilden Genuss“ sorgten Jugendliche der Zillertaler Tourismusschule (Tirol). Ihr Korb aus wurstigen und speckigen Wild-Spezialitäten beinhaltet auch Besonderheiten wie Hirsch-Rohschinken und vor allem die äußerst seltene Murmeltierwurst, die sie „Pfiffiges Mangal“ nannten, wie Lisa Brunner und Katharina Rauch dem KiKu anvertrauten. Ungewöhnliche flüssige Mischungen schufen die Juicy+-Unternehmer_innen von der Mödlinger Handelsakademie. Sie kreiierten zwei Fruchtsaftmix-Zusätze – für Sekt und Mineralwasser: Ananas/Pfirsich und Quitte/Kirsche. Bis sie darauf gekommen waren, „haben wir ziemlich viel ausprobiert und getestet bzw. andere kosten lassen“, schildern Magdalena Fux, Victoria Bellak, Daniel Friedrich, Julia Gruber und Victoria Hlawaty den gar nicht so leichten Entstehungsprozess ihrer Verkaufsprodukte. „Wir hatten es auch mit Tomate oder Kokos versucht, aber das kam nicht so gut an. Auch Ingwer stießt nicht auf so große Gegenliebe. Als wir dann die beliebtesten beiden Mischungen hatten, habe wir auch selber die Früchte gepresst und pasteurisiert.“ Bildung als kräftigste Waffe - zitierten die PhySticks-Jugendlichen Nelson Mandela Das Junior-Symbol als Statue für Verdienste um 15 Jahre dieses praktischen Wirtschafts-Lernens Was im Rahmen des Projekts so "nebenbei" an Kompetenzen erworben wird, zeigen diese Jugendlichen in ihrer Präsenation Eine Busniess, mit dem die Umwelt geschont und die junge firma dennoch Gewinn macht Zahlen, Daten, Fakten über die wirtschaftlich - positive - Entwicklung präsentierten praktisch alle neun Final-Firmen... ... etliche auch in Diagrammen dargestellt. Andere zeigten die Geschäftszahlen als übersichtliche Tabellen... ... oder anders grafisch aufgelöst.

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(kurier) Erstellt am
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