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Kiku
05/09/2012

Darf ich bitten?

Es wird getanzt was das Zeug hält. Mädchen mit Jungs und umgekehrt. In der AHS Kenyongasse (Wien) ist Integration das große Thema. Jeder soll mit jedem tanzen

Willi Gabalier (bekannt aus Dancing Stars) sowie Tina Kern-Theissl haben das Pilotprojekt „Dance Vision" gestartet. In der Kenyongasse gibt es SchülerInnen mit 43 verschiedenen Staatsbürgerschaften und 34 Muttersprachen. „Tanzen schafft durch die Berührungen eine gewisse Verbundenheit. Es ist ja im Grunde genommen wie eine Umarmung. Was auch dazu gehört: Man muss beim Tanzen seinem Partner vertrauen können und Rücksicht auf ihn nehmen. Teamwork ist gefragt. Und genau das schafft Integration und damit eine Gemeinschaft", erzählt Tina Kern-Theissl. Mögliche Vorurteile sollen durch positive Einwirkungen, wie eben das Tanzen, verschwinden. Willi Gabalier hat mit den Kids jeweils zwei Mal die Woche einen Tango geübt. „Zuerst haben wir ohne Partner die Schritte gelernt, dann mit Partner, immer montags und mittwochs. Wir haben etwa vier Wochen geübt. Es war echt lustig", schwärmt Emilia Reseterits (11).

Vorbild Kanada

In Amerika, beispielsweise in Kanada, ist Dance Vision bereits in Kraft getreten. Nun soll sich das Projekt österreichweit erstrecken. Die Kurse sollen sechs Wochen dauern und zwei mal die Woche statt dem Turnunterricht stattfinden. Sechs- bis Vierzehnjährige SchülerInnen werden daran teilnehmen. Wiener Walzer, Tango und Swing stehen dabei ganz oben im Programm. Der Gesellschaftstanz ist hierbei wesentlich, da die Kids eine Gemeinschaft bilden sollen. Bei Eltern und Lehrern entstehen dabei keine finanziellen Kosten. „Die Kinder haben so super getanzt. Ja, es war eine große Herausforderung. Aber es haben alle mitgemacht und getanzt, auch wenn sie am Anfang nicht so begeistert waren", berichtet Willi Gabalier. Er will den Kids Toleranz und Wertschätzung lehren. Willi Gabalier hat die Kinder nach ihrem Auftritt mit einer Tanz- und Gesangsperformance „Sing & Swing" von ihm selbst belohnt.

Sinnvoll, aber keine Zeit

Staatssekretär Sebastian Kurz sieht bei diesem Tanz-Projekt anscheinend andere Vorteile: „Das Projekt ist sicher sinnvoll. Der Zugang zur österreichischen Sprache wird hier nahegelegt und der Spracherwerb wird gefördert. Das spielt ja schließlich später für den Arbeitsmarkt eine bedeutende Rolle." Aus zeitlichen Gründen wird er das Projekt nicht weiter unterstützen.

Nicht alle begeistert

Nicht alle Kinder sind vom Tanzen begeistert. „Mir hat`s eigentlich nur am Anfang gut gefallen. Es war sicher eine neue Erfahrung. Aber mir wäre der Turnunterricht viel lieber gewesen. Ich tanz nicht gern mit Mädchen. Ich find`s gut, wenn mir die Mädchen aus dem Weg gehen. Meine Meinung dazu wird sich durchs Tanzen auch nicht ändern ", sagt Jacob Pichorner (11). Einige beherrschen bereits das Tanzen aus anderen Kursen. „Ich tanze Hip Hip & Street Dance. Aber der Gesellschaftstanz gefällt mir auch ganz gut. Es war auch nicht so schwierig. Wir sind durchs Tanzen eine viel bessere Klassengemeinschaft geworden. Manche Burschen sind jetzt nicht mehr ganz so gemein wie vorher", meinen Kristina und Ivona. Audra Salburg (11) aus Litauen sieht das ein bisschen anders: „Es hat sich vielleicht ein bisschen was geändert. Aber ich red mit den Burschen jetzt trotzdem nicht mehr als vorher. Auch die Außenseiter bleiben. Ich fand das auch nicht so toll mit denen zu tanzen, obwohl mir das Tanzen allgemein schon ganz gut gefällt."
Liisa Mikkola

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