Kiku
18.01.2009

Comic-Muse küsste den Meister

Schon 2009 schrieb der Kinder- und Jugend-KURIER über den damals jüngsten Go-Meister Österreichs. heute ist Viktor Lin "nur" Vizemeister, entthront von einem noch Jüngeren. Doch hier die damalige Geschichte aus dem Jänner 2009

Vor wenigen Tagen wurden per Turnier die Besten des Strategiespiels gekürt. Der Sieger ist erst 16 Jahre alt. Sehr ruhig, fast schüchtern wirkt er, spricht eher leise, lächelt aber recht oft. Dabei ist der 16-Jährige seit wenigen Tagen Österreichs Meister im Go-Spiel. Nicht Jugendmeister, nein bester Spieler des Landes in der allgemeinen Klasse. Und das noch dazu überlegen. Viktor Lin gewann alle fünf Partien des Finalturniers.
Eine davon zwar nur ziemlich knapp – um einen halben Punkt. Aber immerhin. Überhaupt sind die Jungen dabei, sozusagen die Macht zu übernehmen. Und „schuld“ ist ein Manga.

„Das war bei uns allen so“, meint später auch der 17-jährige Niki Grünbichler. Er spielte nicht im Finale, betätigt sich am Ort der Austrian Championship zeitweise als „Schreiber“.
Die Partien wurden live ins Internet übertragen, wo sie noch immer Zug für Zug nachverfolgt werden können. „Dabei hab ich sehr viel gelernt“, gesteht der junge Mitschreiber, der dabei jeden Spielzug und damit auch die Strategie minutiös verfolgen konnte/musste.

Korea

Viel gelernt habe der neue Meister in Korea, meint auch der entthronte Meister Lothar Spiegel. Im derzeit stärksten Go-Land verbrachte der Österreicher mit chinesischen Wurzeln in den Ferien sechs Wochen in einem speziellen Go-Trainings-Camp. Wie lang, oder besser wie kurz er dem Go frönt, „weiß ich eigentlich nicht“, meint Lin zum Jugend-KURIER. „Ich hab irgendwann einmal die Regeln von meinem Vater gelernt, aber es hat mich nicht besonders interessiert.“ Und dann kamen die Manga-

Lin, Gymnasiast in Wien, ist kein verbissener, ständiger Über. „Ich les’ in der U-Bahn Lektionen“, gesteht Lin. Anderen Künsten widmet er aber sicher mehr Zeit. „Seit ich drei bin, spiel’ ich Klavier und Geige. Im Moment mag ich Geige mehr.“ Mit dem Instrument verbindet er am ehesten seine berufliche Zukunft.

Maskottchen

Nervosität scheint Lin nicht zu kennen, wenngleich er sich mit etlichen Maskottchen umgibt – von einem weißen Teddy über einen grünen Plüschwürfel bis zu einem Fächer mit dem Leitspruch des berühmten japanischen Go-Meisters Takemiya Masaki (9p). Neun steht für den neunten dan (Rangstufe), p für Profi. Masaki steht für uchuryu, den sogenannten cosmic style. Das charakterisiert, „dass er oft ungewöhnliche Züge setzt, zum Beispiel in der Mitte anfängt und nicht wie fast alle anderen an den Rändern und Ecken.“ Für Takemiya ist oft die Intuition wichtiger als das Berechnen und Tüfteln.
Bevor Viktor Lin im März in Banja Luka (Bosnien-Herzegovina) Österreich bei der Jugend-EM vertritt, wird Meister Takemiya am 26. Februar in Wien im Japanischen Kulturzentrum einen Vortrag halten.

www.goverband.at

Server, auf dem Spiele mitverfolgt oder nachbetrachtet werden können

Comic als "Schule"

Der neue österreichische Meister (2009) im Go entdeckte seine Liebe zu diesem Strategiespiel über eine Manga-Serie. Viktor Lin wurde als Jugendlicher Sieger der allgemeinen Klasse. Er verkörpert kreative Vielfalt (2009 ist übrigens das Europäische Jahr der Kreativität und Innovation). Der Österreicher mit chinesischen Wurzeln ist hierzulande der Beste im japanischen Spiel, das aus China kam. Einen Könnens-Schub erwarb er sich im Ferien-Go-Camp in Korea. Und er spielt mehr als drei Viertel seines Lebens Klavier und Geige.

Andere Kids ließen sich durch ihre Liebe zu den japanischen Comics sogar dazu anregen, diese fernöstliche Sprache zu erlernen. Und da sage noch einer, Comics würden nicht bilden!

Schwarz-Weiß: Gebiete gewinnen

Zwei Leute setzen abwechselnd schwarze (Beginner) und weiße runde Steine auf die Kreuzungspunkte eines quadratischen Spielfeldes – 19 x19 Felder (Anfänger: 9 x 9 oder 13 x 13).
Ziel ist es, Gebiete mit den eigenen Steinen abzugrenzen (und gegnerische Steine zu fangen). Alle Steine sind – im Gegensatz zum Schach – gleichwertig und es geht nicht darum, den Gegner zu vernichten. Selbst ein halber Punkt mehr ist genug. Schwächere Spieler bekommen auch Vorgaben – dürfen anfangs entsprechend dem Unterschied der Spielstärke einige Steine aufs Brett setzen. Die Regeln sind in wenigen Minuten erklärt und dennoch bietet dieses Strategiespiel schier unendlich viele Varianten.

Die Geschichte

Vor mehr als 4000 Jahren wurde das Spiel als Wei-Qi in China erfunden. Vor rund eineinhalbtausend Jahren kam es nach Japan und wurde von dort ausgehend als Go weltweit bekannt. Größter Beleibtheit erfreut es sich allerdings als Baduk in Korea.
Weltweit wird Go von rund 50 Millionen Menschen gespielt, in Ostasien gibt es etliche Profispieler, die mindestens so bekannt und bezahlt sind wie hierzulande vielleicht Spitzensportler im Fußball oder Skifahren. In Österreich spielen weniger als 1000 Menschen regelmäßig in Klubs.