© Rainer Berson

Boys Awakening
02/20/2015

Sehr gefühlsstarke Burschen

"Boys awakening" im Dschungel Wien: So stark können Gefühle in der Pubertät zum Ausdruck kommen.

von Heinz Wagner

Sie sind zwischen 12 und 33. Acht Buben, Burschen, junge Männer. Der jüngste, Lino Eckenstein, ist neu dabei. Für die anderen ist es die dritte „Boys“-Produktion. Gefühle, Verhaltensweisen, Rollenbilder, Klischees, ihr Umgang und bestenfalls ihre Überwindung sind Themen der drei Tanztheaterstücke. Nie und nimmer aber Abhandlungen, sondern voll aus dem Leben gegriffen, die Bühne rockende, berührende, teilweise das was oft als Elementarereignisse bezeichnet wird. Mitreißend. Tiefste Emotionen in Spiel, vor allem Tanz, Musik, Rhythmus übersetzt, zum Ausdruck gebracht. Den Rhythmus schlagen sie live selbst auf der Bühne mit Drum-Sticks auf Autoreifen, den Boden, ein in eine umgebaute „Ente“ (alter 2CV) eingebautes Schlagzeug…

Erwachen...

Nach „Boys don’t cry“ und „The boys are back in town“ wachen sie nun auf. Pubertät, erste Liebe – mitten drin, Rückblick bzw. Ausblick (je nach Alter und Erfahrung), Mädchen sind diesmal die konkreteren Themen. Motive und Bilder von Frank Wedekinds berühmtem Frühlings Erwachen waren eine Inspirationsquelle für Regisseurin Corinne Eckenstein. Aber nur eine. Vieles kam – wie in den vorangehenden und überhaupt in praktisch allen Eckenstein-Stücken – von den Mitwirkenden.

Mitwirkende können viel einbringen

Der Jüngste, der am Premierenabend über den tobenden Applaus für das gesamte Ensemble hinaus das Publikum zu zusätzlichen Begeisterungsstürmen hinriss, verriet dem Kinder-KURIER nach der rund eineinhalbstündigen (knapp nach der Mitte ein wenig zu langen) Aufführung: „Das mit dem Kleid und den Stöckelschuhen in denen ich tanze, das kommt von mir. Ich wollte das schon lange. Vor ungefähr zwei Jahren hab ich das schon zu Hause gemacht.“ Und sensationeller weise springt, rennt und turnt er in den High Heels und dem langen Abendkleid wie andere in Turnschuhen und Sportgewand. Und selbstbewusst ist der 12-Jährige!

Selbstbewusst

Was, wenn ihn Buben aus seiner Klasse ob dieses Outfits vielleicht auslachen würden? „Das macht mir nichts, weil’s mich nicht interessiert.“ Sagt’s – und es wirkt voll überzeugt. Total echt. Tanzen behagt ihm mehr als Schauspiel. „Das will ich auch später einmal machen.“ Klar, so gibt Lino Eckenstein zu, „war ich manchmal nach den Proben – vier bis fünf Tage in der Woche, sechs Stunden täglich, sieben Wochen lang – am Abend ziemlich müde“, so dass er manchmal dachte „ich kann nicht mehr. Aber am nächsten Tag in der Früh hab ich mich schon wieder darauf gefreut, weiter zu machen!“

Echt ist für ihn auch sein Schrei in der vorletzten Szene als zwei andere Jungs, sich an eine Streitszene erinnernd, tänzerisch raufen: „Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaufhööööööööööören! Ich will nicht erwachsen werden!“ Nach dem Stück zum KiKu: „Das stimmt, ich will wirklich nicht erwachsen werden!“

BOYS AWAKENING
Tanztheater nach Motiven von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen; 80 Minuten; ab 13 J.
TheaterFoxfireE & Dschungel Wien

Konzept, Regie: Corinne Eckenstein
Choreografie: Corinne Eckenstein und Ensemble
Darsteller: Lino Eckenstein, Adil Embaby, Hisham Morscher, Ben Pascal, Flavio de Pina Soares de Carvalho, Richard Schmetterer, Futurelove Sibanda, Joaquin Ylo
Tanzcoach: Richard Schmetterer
Bühne, Licht: Andreas Pamperl
Kostüm: Ulli Nö
Kostümassistenz: Sarah Damovsky
Musik: Ben Pascal und Richard Schmetterer mit The Boys
Foto, Video: Rainer Berson
Regieassistenz: Johanna Müller
Produktion: Alexandra Hutter

Wann & wo?
Bis 20. Februar
4. bis 11. März
4. - 6. Mai

Dschungel Wien
1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-0
www.dschungelwien.at

Szenenfotos

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