Musik liegt in der Luft ...

Bim Bam Festival 2017
Foto: Saris & den Engelsman Woei! / Hui! (1 bis 4 Jahre; 40 Minuten) aus den Niederlanden

Zum sechsten Mal findet in Salzburg (und Umgebung) das Theaterfestival für Klein(st)Kinder „BimBam“ statt. Mit neuer Leiterin und eigenem Motto.

Eine Sängerin, die  selbst wenn sie eine Brücke über einer Badewanne macht, noch klar, rein, hell und kräftig singt und so „Geschenke“ bringt ist eines der Stücke des Theaterfestivals für sehr, sehr jungen Publikum (ab 1 Jahr). „BimbBam“ heißt es, wird vom Toihaus Theater  organisiert und bringt von 4. März bis 1. April elf Gruppen aus fünf Ländern nach Salzburg und in angrenzende Regionen (OÖ und Bayern). Das Festival für Klein(st)Kinder findet zum sechsten Mal statt (alle zwei Jahre) und hat heuer nicht nur eine neue Leiterin, sondern mit ihr auch einen Schwerpunkt: „Musik liegt in der Luft...“. Möglichst Live-Musik war das Ziel von Katharina Schrott. Das Zusammenspiel von Tanz, Theater, Malerei und Musik in so manchen Stücken, laden zum Fliegen von Gedanken und Fantasie ein. Wichtig ist der neuen Leiterin genauso wie ihren Vorgängerinnen, professionelle, künstlerisch qualitativ hochwertige Produktionen für das jüngste Publikum, konkret für 1- bis 6-Jährige einzuladen.

Früh auf ganz junges Publikum gesetzt

Bim Bam Festival 2017 Foto: Ani Antonova Der Kinder-KURIER führte mit der neuen Leiterin, Katharina Schrott, vorab ein Telefoninterview. Die langjährige Theaterfrau – bislang allerdings AUF der Bühne (des Salzburger Toihaus Theaters) – ist schon in den vergangenen Jahren schrittweise in dieses Festival hinein gewachsen. „Aber die Gesamtleitung zu übernehmen, ist dann doch noch einmal ganz was anderes, fast wie ein Sprung ins kalte Wasser“, gesteht Schrott eine gewisse Verunsicherung, die sich gleich auch wieder relativiert, denn „das Bim Bam Festival ist wichtiger Teil des Toihauses und ich bin auch schon sehr lange hier.“

Die Gründerin und Leiterin dieses Theaterhauses in der Stadt Salzburg, Myrto Dimitriadou, hat schon sehr früh auch auf Produktionen für sehr junge Kinder gesetzt. „Unter dem Tisch“ war die allererste Produktion für die jüngsten Theaterbesucher_innen, es folgte „Und wer bist du?“ sowie „Hin und her“. Ausgehend von dieser Arbeit erfolgte auch die Suche nach internationalen Kontakte, Theatergruppen und -häusern die auch in diesem nicht gerade dicht beackertem Segment tätig waren und daraus entwickelte sich schließlich das Festival, das einzige seiner Art in Österreich – gegründet und bis zuletzt geleitet von Helga Gruber, die vor allem im Bereich Kulturvermittlung im Toihaus tätig war. Womit sich so „nebenbei“ aber seit 2007 „BimBam“ auch zu einem internationalen Treffpunkt entwickelte.

Möglichst Live-Musik

Bim Bam Festival 2017 Foto: David Beecroft Katharina Schrott wuchs zunehmend in die Programmierung des Festivals hinein, übernahm im Vorjahr die Leitung und begann einen neuen Akzent einzubringen, erstmals steht das Festival unter einem Motto: „Musik liegt in der Luft...“ Auf dieser Basis gab es eine internationale Ausschreibung mit Bewerbungen bis hin nach Israel und Brasilien. Aufgrund des begrenzten Budgets reisen nun Gruppen nicht von allzu weit her an. Zu sehen – und hören! - sind Produktionen aus Österreich, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland... Viele davon hat die Festivalleiterin vor Ort oder bei anderen Festivals live erlebt, bevor sie sie eingeladen hat. „Ganz wichtig war mir bei der Ausschreibung und dann der Auswahl, dass es sich nach Möglichkeit um Live-Musik handelt. Das ist nun – mit Ausnahme von zwei Stücken – bei allen anderen der Fall. Bei „Fliegen & Fallen“ aus Berlin gibt es sogar erstmals Live-Musik – durch die Toihaus-Musikerin Yoko Yaghiari. Im Original spielt Theater o.N. das Tanzstück ohne Live-Begleitung.“

Analoges Erlebnis für Generationen

Bim Bam Festival 2017 Foto: Ela Grieshaber Da es ja – wie generell im Kulturbereich für Kinder - die Erwachsenen sind, die entscheiden, ob dies oder jenes besucht wird, muss bei der Programmierung immer auch, so Schrott, „darauf geachtet werden, alle anzusprechen. Außerdem ist diese Rückkoppelung der jungen und nicht ganz so jungen Besucher_innen total spannend und eine schöne Möglichkeit für Familien, etwas gemeinsam erleben zu können. Und bei Theater handelt es sich um ein analoges, ein direktes Erleben. Mit vielen verschiedenen Sinnen.“

Das Festival hat sowohl beim Publikum als auch bei den Künstler_innen in der internationalen Szene einen guten Ruf. Die Gründe dafür nennte Schritt: Gute Qualität zu günstigen Eintrittspreisen – dem Toihaus ist immer wichtig, keine elitäre Einrichtung zu sein/werden – zum einen sowie gute, vernetzende Atmosphäre für die Künstler_innen andererseits.

Begleitprogramm

Viel Wert legt das Festival und seine Leiterin auf ein umfangreiches Begleit- und Rahmenprogramm – für Kinder selbst, aber auch für Erwachsene mit künstlerischem Hintergrund. Für junge und jüngste Besucher_innen eröffnen die Impuls-Workshops zum Festivalmotto spielerisch-kreatives Herantasten an die Stücke. So erkunden Kinder etwa wie fällt was, eine Feder, zerknülltes Papier, ein Stein..., was ist fallen und was der Unterschied zu fliegen... („Fliegen und Fallen“).
In einem weiteren Workshop – im Spielzeugmuseum – steht die Kombination von Sandmalerei und Musik auf dem Programm.

Die Master Class für Profis (Musik, Tanz, Performance) gab es schon bisher beim Festival, heuer war sie aber erstmals ausgeschrieben. Die Teilnahme an dieser Master Class bekommen jedenfalls auch zwei junge Künstler_innen, die in den Genuss des ausgeschriebenen Stipendiums kommen. Neben der Master Class können sie alle Vorstellungen kostenlos besuchen und direkten Kontakt zu den auftretenden Künstler_innen haben. Ganz neu beim nunmehr 6. Festival sind Hospitanzen für Studierendes des Mozarteums, die damit in die verschiedenen Berufsfelder des Theaters reinschnuppern dürfen.

Manches beim Festival wird finanziell erst durch die europäische Zusammenarbeit – www.smallsize.org – ermöglicht. 17 Partner aus 15 europäischen Ländern sind an diesem internationalen Kooperationsprogramm beteiligt, das Toihaus von Anfang an und wird international sowohl wegen seiner Kontinuität als auch der künstlerischen Impulse geschätzt.

Die Stücke...

... des BimBam-Festivals 2017

Mama singt Geschenke (2-6 Jahre; 45 Minuten); Szene bunte Wähne (Österreich) & Marie-Christiane Nishimwe (Ruanda/Luxemburg):  Mamas Stimme macht Musik. Wenn sie nach Hause kommt, sind ihre Koffer vollgepackt mit wunderschönen Liedern und ungeahnten Klängen. Doch erstmal in die Badewanne! Dem Duschkopf entlockt sie eine Melodie...
  Piccola ballata per PEU / Kleine Ballade für PEU (3-8 Jahre, 35 Minuten); Teatro all‘Improvviso (Italien): Ein Maler, eine Musikerin, eine durchsichtige Scheibe: Ein weißer Punkt erwacht zum Leben, wächst und wird immer größer und größer, lebendiger und bunter. Bis das kleine Lebewesen – Piccolo Essere Umano (PEU) – beschließt, sich seinen Weg ans Licht zu bahnen... Du, ein Sandkorn und ich (1,5 bis 5 Jahre, 35 Minuten); Toihaus Theater: Die Welt der Menschen ist riesengroß. Doch sieht man genau hin, entdeckt man, dass diese aus tausend Kleinigkeiten besteht. Und diese ergeben wiederum ein großes Ganzes – ein kunstvolles Gewebe aus tausend kleinen Gegenständen und Elementen und verbindet diese mit Tanz und Musik. L’avoir / Ich hab’s (1 bis 5 Jahre; 35 Minuten); Compagnie Acta (Frankreich): Haben oder nicht haben…. Was? Eine Seife! In Verbindung mit Wasser lässt das Seifenstück Berge von Schaum entstehen, flutscht von Waschschlüssel zu Waschschüssel bringt ein Stück Stoff zum Schillern und schlägt Wellen auf einer Leinwand. L’avoir ist ein Stimmungsstück... Ssst! (2 bis 6 Jahre, 30 Minuten); florschütz & döhnert (Deutschland): Mit fast Nichts, einem Haufen Humor, vielen Tricks, einer E-Gitarre und Motiven aus Liedern von Franz Schubert taucht das Publikum in die Welt der eigenen Fantasie ein. In den virtuosen Händen wird das Winzige grandios, das Unbedeutende einzigartig und die Bühne ein Kosmos… C… wie Chamäleon (1,5 bis 6 Jahre; 35 Minuten); Toihaus Theater Salzburg: Ein Lexikon irgendwo aufschlagen und neugierig in andere Welten eintauchen die Tänzerin huscht durch die abenteuerlichen Seiten eines riesigen Aufklappbuches. Mal findet sie sich in der Wüste wieder, mal im Schnee... fliegen & fallen (2 bis 6 Jahre; 30 Minuten): Theater o.N. (Deutschland) in Kooperation mit dem Toihaus Theater: Zwei Tänzer bewegen sich zu sehnsuchtsvoll-poetischen Klängen eines Klaviers in einem Raum voll Luft und Licht, wo das Leichte schwer und das Schwere leicht wird. kartOOOn (1,5 bis 5 Jahre, 30 Minuten); Toihaus Theater in Kooperation mit Under Construction: 3 Performer_innen lassen gemeinsam mit einem Haufen Schachteln Welten entstehen, die von einem Augenblick zum anderen Vieles werden können... Woei! / Hui! (1 bis 4 Jahre; 40 Minuten); Muziekvoorselling (Niederlande): Eine Windhauch und ein Atemzug. Ausgehend vom eigenen Atem begeben sich die drei Musiker_innen in eine Welt rund um Wind, Atem und Luft... CutOuts / ScherenSchnitt (2 bis 6 Jahre, 40 Minuten); Compagnia Teatrale Piccoli Principi (Italien): In CutOuts fühlt sich das Publikum wie bei einem Atelierbesuch eines Malers. Eine Musik erklingt, die Schere wird zum Pinsel und das Ausgeschnittene zum Leben erweckt... Enchantés / Erfreut! (3 bis 6 Jahre, 35 Minuten); Le fil rouge théâtre (Frankreich): Ein Tänzer, ein Musiker, ein Raum. Die Balance zwischen Bewegung, Musik und Farbe kreiert eine eigene Sprache der Anfänge.

Infos

BIM BAM Festival 2017
4. März bis 1. April 2017

Theater für 1 bis 6 Jahre
* 50 Vorstellungen in Stadt und Land Salzburg, Oberösterreich und Bayern; Veranstaltungsorte im Toihaus Theater, republic Salzburg, Lungauer Kulturvereinigung, Kunsthaus Nexus, K.U.L.T. Hof, Kongress-& Theaterhaus Bad Ischl, k1/Kultur- und Veranstaltungszentrum Traunreut, Kulturhaus Emailwerk Seekirchen/Wallersee, Schloss Goldegg
* 11 Theatergruppen aus 5 Nationen
* Workshops, Stipendien und eine Masterclass
www.toihaus.at/bimbam/

(kiku) Erstellt am
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