Bilder von der Mirno More 2011

Segeln unter den Flaggen des Friedens

Seit Sonntag segeln wieder rund 100 Boote und Schiffe unter dem internationalen Zeichen des Friedens. Von mehreren Häfen an der kroatischen Adria aus, nehmen sie Kurs auf Biograd, wo – am 21. September, dem Welttag des Friedens – ein großes Fest stattfindet, bei dem Kinder und Jugendliche vieler Schiffe singen, musizieren, Szenen zeigen und alle miteinander tanzen – egal aus welcher der mehr als 20 Nationen die mehr als 500 Kids kommen. Wer die Fahne nicht gleich zur Hand hatte, behalf sich mit einem im Wind flatternden T-Shirt der Friedensflotte ;) Zwischen einigen Booten der Mirno More ließen manche Kids auch Angelschnüre ins Wasser. Grega, Larisssa und Matic aus dem slowenischen Ljubljana beispielsweise. Und schwupps, hast du’s nicht gesehen, hatte Grega auch schon einen Fisch gefangen. „Der kann das, der ist ein Sportfischer“, meinten seine beiden Freund_innen. Am Sonntagnachmittag fand in einer Ecke des Hafengeländes schon eine Trommel - Rhythmus- und Percussion-Session statt. Hermann, der Obertrommler, animierte viele Kids zum mitmachen... ...  Alles was sie lernen mussten und lustvoll nachsagten war: Das ist ein Schlegel und kein Hammer, das ist eine Trommel und kein Nagel. So war der Umgang mit diesen Instrumenten schnell gelernt. Und der Rhthmus zu dem die ersten Schläge erfolgten: „Du–du-tepp, du-du-tepp“. Vor den Trommler_innen war vom Activity-Team – langjährige Tradition – ein lustiger Geschicklichkeitsparcours aufgebaut. In diesem Jahr galt es diverse Holzpflöcke zu zweit zu überwinden – und dabei möglichst viele Wasserbälle (gestiftet vom KURIER) mit zunehmen – und ins Ziel zu bringen.
Julia Raatz  und Meral Aljii gehörten mit zu den ersten, die mit etlichen – auch unters Leiberl gesteckten aufgeblasenen Kugeln die Runde schafften. Rosi und Daniel hatten auch ihren Spaß bei dieser Art des Ball-Transports... ...  Bald danach machten sich Viktor Gojkovic, David Backo und Muhamed Aljii sogar zu dritt – mit Schweißbändern zu einer Kette verbunden, auf den Rundkurs ... ... Doch das war noch nicht der Rekord. Victoria, Theresa, Annika, Nina und Hannah, fünf Schülerinnen... ...  des Wienerwaldgymnasiums Tullernbach, stellten sich im Quintett besonders geschickt an. Und ansatzlos zeigte neben dem Parcours Byers Chauncey-Jamal, genannt J.C. mehrmals einen Rückwärts-Salto ... ... „Das kann ich jetzt so seit ungefähr einem Monat. Da hab ich’s bei uns zu Hause (in Nürnberg) auf der Wiese probiert.“... ... Binnen kurzer Zeit war er so sicher dabei, dass der 15-Jährige nun auch auf betoniertem Boden seine Luftsprünge mit Drehung hinstellt. Aber er habe, gesteht der Akrobat, so einige Vor-Erfahrung – als Parkurs-Läufer. Von einem Deutschkurs in Pristina, der Hauptstadt von Kosovo, kommen Gentian Gallopeni (12), Edina Krasniqi (14), Arnisa Azemi (13), Veronika Parjaqa (14) und Halil Bytyqi (15), wobei Edina, Arnisa und Gentian einige Vorteile mitbringen, weil sie mit ihren Familien in der frühen Kindheit zwischen ein und drei Jahren in Deutschland Zuflucht vor den kriegerischen Auseinandersetzungen gefunden hatten. Am meisten würden sie jedoch gar nicht im Kurs, sondern im Fernsehen lernen, „weil wir viele deutschsprachige Sender schauen“. An Bord eines Segelschiffes „waren wir alle das erste Mal“. Und trotz – teils heftiger Schräglage beim stärker werdenden Wind am Sonntag – „war’s wunderschön“, strahlt Edina Krasniqi. Angst? „Nein, hatte ich keine!“ Gentian hingegen gesteht, dass er schon ein bisschen gezittert habe, „ein bisschen Schiss hatte ich schon!“ In einer Reihe von Häfen, beispielsweise Vodice und Biograd, wartet ab spätestens 8 Uhr früh frisches Weißbrot auf die Friedensseglerinnen und –segler... ... kostenlos für sie. 300 Stück waren’s Montag Früh. Organisator dieser Aktion ist seit Jahren „Brosi“, mit bürgerlichem Namen Karl Brosenbauer und Inhaber der gleichnamigen Bauprojektmanagment-Firma. Kids oder Betreuer_innen kommen von den einzelnen Schiffen, um sich die Wecken zu holen. Gespendet vom „Brosi“. Dem Online-Kinder-KURIER erzählt er, „das ist vor vielen Jahren einmal aus einer eher feuchtfröhlichen Abendrunde entstanden. Irgendwer hat g’sagt, „ma a frisch’s Brot in der Fruah warat scho a Gschicht!“ Gesagt, getan, irgendwer holte es aus einer Bäckerei. Brosi beschloss, künftig, wo’s möglich ist, für alle Brot vorzubestellen. „Am Anfang, da waren bei der Friedensflotte noch viel weniger Schiffe, haben wir’s an die Boote ausgetragen“, was bei rund 100 Booten natürlich nicht mehr möglich ist.
Und damit wird die Brotausgabe auch gleich zum Kommunikationstreffpunkt ... Apropos Brot – das weiche Weißbrot macht ziemlich viele Brösel und so kam Julia Raatz an Bord der Brava auf die Idee, mit Brot, Messer und Schneidbrett über die Pasarella (das Brett, über das du an Bord gelangst) auf den Landesteg, um dort zu schneiden und die Brösel gleich den Fischen zukommen zu lassen,... ... die wiederum einige zu fangen versuchten. Simon von einem der Boote aus Slowenien erwies sich dabei als Meister. Innerhalb weniger Minuten schwammen in seinem Kübel schon fast ein halbes Dutzend kleiner Meeresbewohner…. Und weil wir schon bei Brösel und Essen sind – es fällt natürlich auch viel Mist an und heuer wird erstmals Mülltrennung auf der gesamten Flotte in Angriff genommen.
Mit Anlaufschwierigkeiten... ... Auf einem Boot fluchte ein (Erwachsener), die Trennung an Bord sei für A…, weil im Hafen gäbe es nur viele große Restmüll-Container. Bis er aufmerksam gemacht wurde, es hätte gereicht, den Kopf um einen Viertelkreis zu drehen... ... Gleich daneben stehen große Kübel für Papier, PET-Flaschen, Glas und schließlich Metall.  Tamara, Valentina, Carolina, Jonas, Quirin, Jugendliche von einer heilpädagogischen Tagesstätte im bayrischen Erding (bei München) von der „Prominea“, hatten’s geschnallt, und trugen den Mist getrennt in Sackerl oder die großen Kunststoff-Wasserflaschen in der Hand zum Mistplatz. Weshalb die meisten Crews beschlossen, an diesem Tag nicht aufs Meer hinauszufahren, kein „friedliches Meer“ also an diesem Tag – was Crews für Spiele, singen und musizieren an Bord ebenso nutzten wie in den regenfreien Stunden für Spiele und andere Aktivitäten. So hatte eine slowenische Crew eine große Spielmatte für eine Art „Mensch ärgere dich nicht“ mitgebracht, auf dem Boden ausgerollt. Bevor mit einem großen Schaumstoffwürfel gewürfelt wurde, verwandelten die Kids noch kleine, leere Trinkflaschen in die Spielfiguren, in dem sie diese mit verschiedenfärbigen Klebebändern markierten. Nebenan wurde mit bunten Plastikscheiben Ziel geworfen. Und gleich dahinter tauchte C.J., der Salto-Artist vom Sonntag auf, um von Mark, einem Burschen aus dem slowenischen Ljubljana, flotte, teils akrobatische Tanzschritte zu erlernen, die an den Shuffle der heimischen „Krocha“ erinnern. Am Montag blies in der Früh ein heftiger Sturm vom Süden (Jugo wird er hier genannt, weil dieses Wort für diese Himmelsrichtung in Kroatisch steht). Knapp nach Mittag ließ der Sturm nach – es war fast windstill. Allerdings hatte sich der Himmel ziemlich verdunkelt. Ein paar heftige Donnergrollen und erste Regenspritzer. Und Minuten später schüttete es wie aus den sprichwörtlichen Schaffeln. Manche, wie die Crew der Brava, ließen sich davon auch nicht abhalten - und liefen aus... Für Dienstag war spätestens für den frühen Nachmittag eine heftige Bora, ein krasser Fallwind, mit zu 60 Knoten (ziemlich viel) angesagt. Darum verließen jene Segelboote, die auf der Insel Zut angelegt hatten, möglichst früh den Hafen, um vor dem Sturm im Zielhafen Biograd zu sein. Der Online-Kinder-KURIER begleitete die Fahrt an Bord der Inschallah, einem Boot, das zum Teilprojekt Friedensflotte Salzburg gehört. Die vier Kids am Schiff sehen wenig bis nichts. Kein Problem. Alles ist möglich. Das beweist Mirno More seit Anbeginn an. Ob verschiedene Nationalitäten, Religionen, soziale Schichten oder eben auch unterschiedlichste Handicaps, was manche, vielleicht viele nicht für möglich halten würden, bei gutem Willen ist es machbar. Sebastian und Sarah Traugott sind beide vollblind – und bewegen sich auf dem doch eher kleinen, verwinkelten Segelboot geschickter und ohne irgendwo anzustoßen als viele Sehende. Selbst als beim heftigen Regen die waagrechte Schiebetür zwischen dem Deck und dem Teil unter Deck geschlossen werden musste, reicht der kurze Hinweis, und der 15-Jährige stieg sicher hinaus. Bald danach übernahm er das Steuer. Und – nur mit wenigen Angaben der erwachsenen Co-Skipperin dieses Schiffes – „ein bisschen mehr Steuerbord, die Untiefe Backbord liegen lassen… 2 Segelboote kommen auf 1 Uhr entgegen…“ reichten, und Sebastian Traugott lenkte das Schiff gefühlvoll zwischen einer kleinen Insel und einer Untiefe (nur 10 Meter) hindurch. Zwischendurch korrigierte er immer wieder selbstständig, „der Wind drückt uns ständig rüber“. Nach fast zwei Stunden Fahrt übernahm erst an der engen Hafeneinfahrt Co-Skipperin wieder das Ruder. Und die gesamte Belegschaft des Schiffes klatschte rhythmisch und rief Se-bas-tian, mit dem ergänzenden Vorschlag ihn nun SEE-bas-tian zu nennen.
„Ich hab schon im Vorjahr auch bei gesetzten Segeln gesteuert. Einerseits ist es leicht, weil du mehr Rückmeldungen kriegst, ich hör, wie das Segel flattert, andererseits auch schwieriger, weil das Boot dann langsamer reagiert als heute, wo wir mit Motor fahren mussten.“
Schon im Vorjahr hatte er eine Profi-Fotografin verblüfft: „Das war aber jetzt nur ein Probeschuss!“, meinte er, als sie ihn und seine Schwester aufnahm, „weil die Belichtungszeit war zu kurz, das hab ich gehört!“ Sarah und er mach(t)en immer wieder auch Radiosendungen, Sebastian arbeitet, wie er erzählt, im Moment an einer Hörspiel-Comic-Serie, die er sich ausgedacht hat. Mat Malefiz heißt sein blinder Held, der seine Sehkraft nach einem Unfall mit einem LKW mit ätzender Säure verloren hatte. „Dafür sind seine übrigen Sinne stark geschärft – riechen und hören kann er wie sonst niemand. Und dann gibt’s einen Gegenspieler, Dr. Fekter, der seine Fähigkeiten kopieren und damit Geschäft machen will.“ „Ich sprech übrigens den Robo-Dog, den Hund“, erzählt Sarah, die während ihr Bruder oben das Schiff steuert gemeinsam mit Michael Blühweis und Vanessa Paunovic (14) mit Betreuerin Monika das Kartenspiel „Millionenshow“ spielt und zwischendurch an Bord Skipper Ingo immer wieder mit seiner Vorliebe für süße Schokoriegel aufzieht. Ihren extrem starken Händedruck führt sie auf ihre sportliche Betätigung zurück. „Seit vorigem Jahr mach ich Leichtathletik – laufen und springen und hab sogar schon eine Goldmedaille gemacht, bin österreichische Meisterin geworden.“ Andere, die beweisen, dass Handicaps kein Hindernisgrund für die Teilnahme an der Friedensflotte an Bord eines Segelbootes sind, kommen vor allem aus Bayern. Aus diversen Behinderteneinrichtungen ist „der Bayern-Franz“, eine obendrein Stimmungskanone und langjähriger Projektleiter einschlägiger Einrichtungen immer wieder am Tüfteln, was es vielleicht an Hilfskonstruktionen braucht, um die Teilnahme möglich zu machen. „Es geht um individuelle Lösungen“. So planten und bauten sie für heuer eine spezielle Metallrampe, damit David, ein junger Mann mit spastischen Lähmungen, leichter von und an Bord kommen kann. „Drei Jahre hat’s gedauert, ich hab mir auch das Knie operieren lassen, damit ich endlich mitfahren kann.“ Nach der Ankunft in Biograd konnte der Kiku gleich im Schiff gegenüber am selben Steg zwei Katkas,.. ... Geraldine, Viktoria, Stefanie und Anna, Mädels aus Bratislava (siehe weiter oben), treffen, die gerade dabei waren etliche der Seeleute-Knoten zu erlernen... ... „Wir wollen ja den Junior-Skipper-Pass machen, da müssen wir die wichtigsten Knoten können.“... ...Den zum Befestigen "der Fender", jener Kunststoffteile, die an den Seiten runterhängen, ... Um im Hafen nicht an die Nachbarschiffe zu krachen, übten sie nicht nur in der Luft, sondern gleich an der Reling. Viele bunte Schuhe - zählt da, woher wer kommt? Knoten waren auch eine der Stationen des Nachmittagsprogramms, ... ... wo auch Tattoos gemalt wurden, eine Trommel- und Tanzperformance für das Friedensfest Mittwoch Abend erarbeitet wurde. Und auf dem Boden saßen, knieten und lagen viele Crews, ... ...um auf weißen Stoff eigene  Flaggen zu malen – vom Peace-Zeichen bis zu Begriffen, was alles für sie Frieden bedeutet,.. ... oder Meer, Sonne und die Namen aller beteiligten Kids… vielfältig fielen die eigenhändigen Gruppenfahnen aus... ... ... ... ... ... Idema i Ja - ich gehe auch - Mali Losinj. "Wir sind zum ersten Mal dabei", berichten Jasenka, Monika, Tina und Arlinda dem KiKu und malen das Logo des Vereins, der insbesondere Kindern und Jugendlichen bei sozialen Problemen, beim lernen und der Freizeitgestaltung unterstützt. "Und hoffentlich nicht das letzte Mal", ergänzt die Erstgeannte. ... ... ... Daniela Krammel hat nicht nur zwei kleine süße Peace-Zeichen als Ohrringe, sondern ließ sich am Arm bemalen. Trommel-Action... ... ... mit Tanz Tanz gab's dann auch bei der Heißersehnten Disco am Steg Dienstag Abend. Da wurde echt abgetanzt...

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(kurier) Erstellt am
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