Aufwändige Vorspeisenteller werden hergerichtet

© Heinz Wagner

Projekt Theaterhotel
02/14/2016

Augen-, Ohren- und Gaumenschmaus - für guten Zweck

250 Jugendliche sorg(t)en beim diesjährigen "Theaterhotel" wieder für Kulinarik und Kultur - und unterstützen humanitäre Projekte - in Indien und im Libanon. Fünf Dutzend Fotos.

von Heinz Wagner

Zum neunten Mal bewirten Jugendliche der Höheren Lehranstalt für Tourismus aus der Hietzinger Bergheidengasse Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten, organisieren hochwertiges Kulturprogramm und lassen die Einnahmen des „Theaterhotels“ – im mittleren fünfstelligen Bereich – internationalen Sozial- und Bildungsprojekten zukommen.

Was 2008 mit einer kleinen Veranstaltung begann, spielt(e) sich nunmehr zum sechsten Mal riesig ab – im Austria-Trend-Hotel Savoyen am Wiener Rennweg. Im großen Saal haben rund 500 Gäste Platz. (Vor-)Mittag mit Frühstück und Lunch sowie am Abend mit hervorragendem Dinner.

Augenschmaus

In der hoteleigenen Küche decken gerade David Nikita und Meli Böchheimer Metallbehälter mit Semmelknödelscheiben bzw. Karottenbündel – Beilagen für Kalbsbackerl – mit Folien ab. Die schieben sie in den großen Wagen zum Kühl- und Frischhalten. Gleichzeitig werken im Erdgeschoß hinter dem großen Veranstaltungssaal ein halbes Dutzend Schülerinnen und Schüler an einer Vorspeise, die am Ende fast zu schade scheint, verzehrt zu werden. Auf 550 Teller kommt je eine angebratene aus Tramezzini geschnittene Scheibe, ein paar gelbe Paprika-Gel-Tupfen, darauf gehäutete, ausgehöhlte halbe Paradeiser. In diese „Höhlen“ kommen Mozzarella-Kügelchen, Parmesan-Scheiben, Basilikum-Pesto-Spritzer... eine Augenweide wie sie späteren Schokomousse-Kuppeln.

„Allein an der Vorbereitung der Tomaten haben wir schon gut zwei halbe Tage gearbeitet“, verrät die Vorspeiesen-Chefin de Partie, Nina Scheinhart, dem Kinder-KURIER. Hin und wieder hätte die einer oder der andere der rund ein Dutzend Mitarbeiter_innen schon einmal daran gedacht, die schuleigenen Küchen-Chefs des Projekts ein wenig zu verfluchen angesichts dieser Idee. Doch jetzt, wo dieser Vorspeisenteller Schritt für Schritt Gestalt anzunehmen beginn, „hat sich die Arbeit doch sehr ausgezahlt“.

Maturaprojekt

Theaterhotel“ wird Jahr für Jahr von einem Kernteam der 5. Klasse als Maturaprojekt betreut – das umfasst das Austüfteln der Speisen, das Organisieren der Teams und Verantwortlichen für alle Arbeitsbereiche – von der Küche bis zum Ticketverkauf, vom Servieren bis zur Bühnen-, Ton- und Lichttechnik... Die professionelle Abwicklung führte übrigens dazu, dass das Projekt kürzlich als außerordentliches Mitglied in die österreichische Hoteliervereinigung aufgenommen wurde.

In diesem Jahr arbeite(te)n rund 250 Jugendliche mit. Schon am Montag hatten die ersten konkreten Vorarbeiten in der schuleigenen Küche begonnen, bereits am Freitag durften die Jugendlichen die Hotelküche nutzen. Am Veranstaltungstag selbst, rückten die ersten nicht viel nach 6 Uhr früh ein, die letzten werden wahrscheinlich erst um Mitternacht das Hotel am Rennweg verlassen.

Außerordentlich

Zu den Mitarbeiter_innen zählen in diesem Jahr auch rund eineinhalb außerordentliche Schüler_innen wie Kamar Al Hamdan, Hanadi Atzobai, Murat Ahmad und Sajad Maleki. Seit Dezember besuchen sie und ihre Kolleg_innen, die aus dem Irak, Syrien, Afghanistan und Palästina geflüchtet sind diese Schule, um neben Deutsch auch eine Hotel- und Gastgewerbeausbildung zu absolvieren. Die HLT Bergheidengasse hat übrigens auch einen LKW voller Schulmöbel an das Haus Baumgarten, eine Unterkunft für junge Geflüchtete, gespendet und schon im Herbst begonnen Freiwillige zu organisieren, die Deutschkurse geben.

10.000 Euro von den Einnahmen des diesjährigen Theaterhotels kommen dem Winterhilfsprojekt des Entwicklungshilfeklubs für syrische Flüchtlinge im Libanon zu, der „Rest“ (mehr als 20.000 €) für den Bau des Dorfes Gollamanda im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh – womit 53 Familien ein neues, wettersicheres Zuhause geschaffen wird.

Kulturprogramm

Am Vormittag lockerte NUSAX mit Saxofon – und einem Gastspieler, Orwa El Shouf auf einer Oud, den Besucherinnen und Besuchern Schlaf aus den Ohren. Nadja Malh nahm die Gäste mit auf eine witzige interkulturelle Reise. Sie habe schon als kleines Kind – Tochter eines Syrers und einer Tirolerin – immer viele Stimmen im Kopf gehabt und viel Fantasie. Und so färbte sie ihr Deutsch in einer Szene als Inderin, in einer anderen als „mutti-tasking“-fähige Russin und schließlich als arabischstämmige Leiterin eines Deutsch-Sprachinstituts mit dem Motto: Alle Menschen sind Ausländer_innen – fast überall auf der Welt, alle Rassisten sind Arschlöcher – überall. Karl Markovics sorgte mit mitreißender Lesung von Christian-morgenstern-Gedichten für viele Lacher und Djawar Abdollah Moner, kurdisch-syrischer Pianist, der in Zürich lebt, für einen breiten musikalischen Bogen. Für den Abend stand unter anderem die „Wiener Tschuschenkapelle“ auf dem Programm.

Zwei Schülerinnen, die zuvor intensiv am Projekt mitgearbeitet haben, traten obendrein am Ende des Abends noch mitreißend singend auf: Michelle Matousek und Martina Wadsack. An allen Ecken und Enden zückten daraufhin Gäste ihre SmartPhones und begannen wild drauf los zu filmen.

Theaterhotel-Homepage

Zum Entwicklungshilfe-Klub

Von der Küche bis an den Tisch

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Vielfältiges Kulturprogramm

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Noch ein paar Bilder

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