Leben | Kiku 17.03.2018

Auf den Spuren einer hingerichteten Mörderin

Sujetfoto zu "Das Mordsweib vom Hunglbrunn", Stationentheater von Theater Fink © Bild: Fotocredit: Zech & Wienbibliothek, Druckschriftensammlung,Signatur C-39975_1809,2

Stationentheater von Theater Fink erzählt über Leben und Sterben der Theresia Kandl – und die Unterdrückung von Frauen (nicht nur) vor 200 Jahren.

Hoher Markt vor den Häusern 4 und 5 sammeln sich Menschen. Aus dem Durchgang kommen zwei weißgekleidete Theaterleute, die eine klappt eine Mappe auf und verkündet, dass hier wo einst (ab 1438) die „Schranne“, das Gerichtsgebäude samt Haftzellen stand, Mitte März 1809 eine gewisse Theresia Kandl zum Tode verurteilt worden war – historisch verbürgt.

Szenenfoto aus "Das Mordsweib vom Hunglbrunn", Stationentheater von Theater Fink © Bild: Heinz Wagner

Sie hatte ihren Ehemann, der sie geschlagen und malträtiert hatte, ermordet. Die Delinquentin – in Form einer lebensgroßen Puppe, „ein wunderschönes Pupperl“ – wird samt der Schauspielerin, die den Polizeikommissär spielt und dem Gerichtsmenschen in einen nun anhaltenden Fiaker verfrachtet und auf geht’s zu weiteren sechs Stationen, an denen das Leben – und Sterben - der Frau Kandl, geborene Teppich, erzählt und manches davon szenisch gespielt wird.

Kriminal- als Sozialgeschichten

Szenenfoto aus "Das Mordsweib vom Hunglbrunn", Stationentheater von Theater Fink © Bild: Heinz Wagner

„Das Mordsweib vom Hunglbrunn“ ist die dritte Produktion des Theaters Fink – immer eine Kombination aus Schau- und Puppenspiel – in der historische Kriminalgeschichten nachgespielt werden. Kriminalfälle, weil sie fast als einzige auch sozialgeschichtliche Einblicke ins Leben „gewöhnlicher“ Menschen und nicht nur von hochherrschaftlichen Persönlichkeiten bieten. Theater Fink recherchiert für die Stücke ausführlich in Bibliotheken und (Bezirks-)Museen, um manche solcher Fälle zu inszenieren. Das eine oder andere muss, mangels vollständiger Unterlagen, fiktiv gespielt werden.

Das aktuelle Stück über Theresia Kandl, die mit 23 Jahren als erste Frau am Galgen bei der Spinnerin am Kreuz gehängt wurde, wird freitags abwechselnd im 1. bzw. im 5. Bezirk gespielt – in der Innenstadt stand – wie schon erwähnt - das Gerichtsgebäude, in dem sie einsaß und verurteilt wurde, im 5. Bezirk war die Greißlerei „Zum Salzküffel“ des Matthias Kandl (heute Wiedner Hauptstraße 93, damals Hunglbrunn 9). Ihn musst die junge Theresia Teppich auf Geheiß ihres Vaters heiraten. Zuvor hatte die Tochter des Ortsrichters- und-vorstehers von Atzgersdorf aus einer heimlichen Liaison mit dem armen Fleischhauersohn Michael Pellmann ein Kind geboren und im Findelhaus abgegeben.

Frauenrollen

Szenenfoto aus "Das Mordsweib vom Hunglbrunn", Stationentheater von Theater Fink © Bild: Heinz Wagner

Zwischendurch zitieren die Theaterleute aus so manchen „Erziehungs“-Ratgebern der damaligen Zeit, was Mädchen alles mussten und nicht durften. Die unglückliche Ehe mit dem Greißler konnte nicht geschieden werden – so etwas sah die katholische Kirche nicht vor, lediglich „bis der Tod euch scheidet“. Und so nahm die junge Frau „das Hackl zur Hülf“.
An weiteren Stationen wird erzählt und gespielt, dass die schöne Greißlerin ursprünglich gar nicht verdächtigt wurde, sondern, da sie den Leichnam irgendwo auf der Straße ablegte, von einem Raubmord ausgegangen war. Im dritten Verhör jedoch legte sie ein umfassendes Geständnis ab.

Spektakel

Szenenfoto aus "Das Mordsweib vom Hunglbrunn", Stationentheater von Theater Fink © Bild: Heinz Wagner

Hinrichtungen, und dem Fall noch die Sensation der Vollstreckung eines Todesurteils an einer Frau, waren Spektakel. 40.000 Menschen pilgerten aus Wien und den Vorstädten zum Galgen, wo es spezielles Bier und ebenso Würstel gab, um sich zu ergötzen oder zu gruseln. Nachdem die per Todesstrafe ins Jenseits Exekutierte keinen priesterlichen Beistand erhalten hatte, war noch lange die Rede davon, dass ihre Geiste herumspukte – insbesondere Männern, die ihre Frauen misshandelten soll im Traum der Geist der Theresia Kandl mit einem großen Hackl erschienen sein.

... von Stationen im ersten Bezirk

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©Heinz Wagner

Szenenfoto aus "Das Mordsweib vom Hunglbrunn", Stationentheater von Theater Fink...

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Am Ort des Gerichtsgeäudes, Am Hohen Markt in der Innenstadt...

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... wird aus dem Todesurteil gelesen...

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... und sozusagen (fast) am Ende ...

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... begonnen...

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... hier stand die sogennante Schranne, das Gerichtsgebäude...

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... und von heir aus ging's mit dem "Malefizwagen"...

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... raus zur Spinnerin am Kreuz

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Station 2: Am Schulhof...

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... wird von der Kindheit...

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... und Jugend ...

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... der Theresia Teppich...

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... in Atzgersdorf erzählt und gespielt...

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... als sie den Fleischers-Sohn kennenlernt, ...

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... geschwängert wird ...

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... ein Kind auf die Welt bringt...

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... und dieses im Findelhaus abgeibt, ...

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... vom Vater geschlagen wird ...

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Station 3 (Am Hof): Zwangsheirat ...

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... mit dem Greißler Kandl....

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Station 4 (hier gespielt in der Naglergasse): Ehe in der Greißlerei ...

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... Schläge vom Ehemann ...

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... Sinnen auf Rache ...

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... Mord mit zehn ...

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... Hacken-Hieben...

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... Leiche in die Butte...

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... ab im Dunkel der Nacht...

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... rigendwo in einer finsteren Gasse "entsorgt"...

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Station 5, hier am Michaelerplatz: ...

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... Erzählung vom Leichenfund...

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Auf zur nächsten Station in den Hof/Durchgang Michaelerplatz - Habsburgergasse...

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... hier geht's um die Mordermittlungen...

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... an Matthias Kandl, bei denen ...

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... die Witwe anfangs gar nicht unter Verdacht stand...

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... erst im dritten Verhör ...

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... legte sie ein Geständnis ab ...

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... das warum wird in den Gerichtsakten ...

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... nicht wirklich angesprochen.

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Siebente und letzte Station, wieder draußen auf dem Michaeler Platz...

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... nun wird von Hinrichtung und Spektakel mit Zehntausenden Schaulustigen erzählt ...

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... und davon, dass ...

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... der Geist der Getöteten...

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... angeblich noch lange ...

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... schlagwütigen Ehemännern ...

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... in Albträumen ....

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... samt Hacke ...

©Heinz Wagner

... erschienen sein soll.

Szenenfoto aus "Das Mordsweib vom Hunglbrunn", Stationentheater von Theater Fink © Bild: Heinz Wagner

Von Großkopfade und Sacklpicka III
Das Mordsweib vom Hunglbrunn
Teil 1: Abschiedslied
Teil 2: Auferstehung
Ein Streifzug durch die Wiener Kriminalgeschichte
mit Schauspiel, Puppenspiel & musikalischem Treibstoff.
Über die mörderische Tragik, eine Frau zu sein.

Idee: Gabriele Müller-Klomfar & Susita Fink
Buch & Regie: Susita Fink
Künstlerische Leitung Forschung: Susita Fink & Karin Sedlak
Dramaturgie: Karin Sedlak

Es spielen:
Susa Kratsch / Andrea Girsch
Walter Kukla / David Ketter
und Fiakerin Martina Michelfeit-Stockinger und ihre Pferde (auf der Route Innere Stadt)
Erzählerinnen: Susita Fink & Karin Sedlak

Live-Musik:
Walther Soyka & Martina Rittmannsberger

Kostüm & Puppen: Nico Oest
Logistik: Sabine Perle
Eine Produktion von theaterfink / Wien

Wann & wo?
Teil 1: Abschiedslied der zum Tode verurteilten Theresia K** oder Als Resi ’s Hackl zur Hülf‘ holte!
Jeden Freitag 23. März bis 5. Oktober 2018, abwechselnd im 1. bzw. 5. Bezirk

Treffpunkt: 1010 Wien – Hoher Markt 4
Sieben Stationen / Ende: Michaelerplatz
Termine: 16., 30. März; 13., 27. April; 11., 25. Mai; 8., 22. Juni; 6., 20. Juli; 3., 17., 31. August; 14., 28. Sept. 2018

Treffpunkt: 1050 Wien – Wiedner Hauptstraße 91
Sieben Stationen / Ende: Wiedner Hauptstraße
Termine: 23. März; 6., 20. April; 4., 18. Mai; 1., 15., 29. Juni; 13., 27. Juli; 10., 24. August; 7., 21. Sept.; 5. Okt. 2018


Teil 2: Auferstehung der hingerichteten Theresia K** oder Das Mordsweib vom Hunglbrunn
30. August bis 22. September 2018

Es spielen: Eva Billisich & Walter Kukla und andere
Live-Musik: Heidelinde Gratzl

Kartenreservierungen
Telefon: 0680/126 53 86
www.theaterfink.at/tickets/

Anmeldung unbedingt notwendig

( kurier.at , kiku-heinz ) Erstellt am 17.03.2018