Leben 09.11.2015

Katzengras ist natürliche Verdauungshilfe

Katzengras sollte in Bio-Qualität angeboten werden. © Bild: Getty Images/Hemera/Mario Savoia/thinkstock

Wohnungskatzen, Langhaarrassen und Tiere im Fellwechsel brauchen das Grünzeug, um verschluckte Haare los zu werden.

Katzen sind überaus reinlich, Putzen zählt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Dabei schlecken sie mit ihrer rauen Zunge über das Fell – und verschlucken jede Menge Haare. Im Magen bilden sich auf diese Weise Knäuel, die ihren Weg nach draußen finden müssen, andernfalls droht den Sauberkeitsfanatikern gesundheitlicher Schaden.

„Vor allem für Wohnungskatzen, Langhaarrassen und Tiere im Fellwechsel ist es wichtig, dass sie Katzengras angeboten bekommen“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach weiß, was die Filzknoten anrichten können, und welche Alternativen es zu der pflanzlichen Verdauungshilfe gibt.

Instikt

Katzen müssen die Haare, die sie verschlucken, aus dem Magen-Darm-Trakt heraus bringen. Wenige Haare gehen mit dem Futter mit, große Ballen müssen erbrochen werden“, erklärt Reitl. Instinktiv fressen die Haustiere zu diesem Zweck breite Halme. Das Grünzeug reizt den Verdauungsapparat, und der Knödel aus Haaren und Halmen kommt – wie das Gewölle beim Greifvogel – wieder hoch. Bilden sich im Magen allzu große Knäuel, funktioniert der Abtransport nicht, verstopft der Haarknödel den Magenausgang. Im schlimmsten Fall verursacht er einen Darmverschluss. Dann kann das Leben der Katze nur durch eine Operation gerettet werden.

„Die Besitzer sind gefordert. Sie müssen ihren Vierbeiner beobachten“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Und schauen, was er frisst und was er herauswürgt. Muss sich die Katze häufig übergeben, erbricht sie mehr Grünzeug als Haare, steht das Katzengras für einige Zeit außer Reichweite des Haustiers. Frisst die Katze kein Gras, muss der Tierarzt nachhelfen. Er verordnet Pasten, die ins Futter gemischt werden. Sie ölen die Haare im Magen ein, die Knoten lösen sich und finden den üblichen Weg ins Kisterl. Die medizinische Abführmethode bleibt freilich letzte Lösung.

Bezugsquellen

Katzengras gibt es in der Tierhandlung und im Blumenladen“, sagt KURIER-Tiercoach. Sorten aus dem Zoofachgeschäft sind weder gespritzt noch gedüngt. Bei Pflanzen vom Blumenhändler muss die Bio-Qualität nachgefragt werden. Gräser aus dem eigenen Garten sind willkommene Nahrungsergänzung für Freigänger. Besitzer lassen beim Rasenmähen ein paar Büschel breite Halme stehen und verzichten auf Schneckenkorn.

Katzengras in der Wohnung kann einen erfreulichen Nebeneffekt haben: Andere Zimmerpflanzen werden für das Haustier uninteressant und gedeihen ohne Bissschäden.

( kurier.at ) Erstellt am 09.11.2015