Leben 29.01.2012

Operation Verhütung

Die Kastration erleichtert Tier und Mensch das Leben. Sie beugt auch Krankheiten vor.

Eine Nacht zum Ausnüchtern, zwanzig Minuten Narkose, ein Routineeingriff, Schmerzmittel, bei Bedarf Antibiotika, eine Halskrause, falls der Schützling zum Schlecken neigt – und ein Ruhetag. Neun Tage später sind Katze oder Kater wieder wohlauf. Die Aufregungen sind überstanden. Für ein längeres Leben – ohne unerwünschten Nachwuchs.

„Eine Kastration ist der gleiche Aufwand wie eine Sterilisation. Doch die Entfernung der Keimdrüsen hat mehr Vorteile als das Durchtrennen der Ei- bzw. Samenleiter“, erklärt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. „Es ist nicht Sinn der Sache, dass die Tiere zwar unfruchtbar sind, aber weiterhin Hormone produzieren“, bestätigt Folko Balfanz, Zoodoc in der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn.

Der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team legt Argumente vor, die für eine Kastration von Katze und Kater sprechen. Schnurrende Vierbeiner werden mit vier bis sechs Monaten geschlechtsreif, der Körper ist dann bereit für die Paarung:

Rollige Katzen reiben sich an Gegenständen, wälzen sich am Boden und halten ihr Hinterteil herausfordernd in die Höhe. Bis zu fünf Tage schreien, miauen und wimmern sie, bevorzugt in der Nacht. Der Sexualzyklus tritt mehrmals im Jahr auf. „Die Kastration erspart das den Tieren“, sagt Balfanz. Der Eingriff hat kaum Nebenwirkungen oder Risiken. Katzen dagegen den Hormonbelastungen auszusetzen, birgt gesundheitliche Gefahren. „Wird die Katze nicht gedeckt, kann das zu einer pathologischen Veränderung des Brustgewebes oder der Gebärmutter führen“, erklärt der Tierarzt.

Fortpflanzungswillige Kater neigen zu Aggression, sie wollen beweisen, dass sie sich mit der Konkurrenz messen können. Zudem stecken sie ihr Revier mit intensiven Duftmarken ab. „Kastrierte Kater sind anschmiegsamer. Das übel riechende Markieren wird unterdrückt“, sagt der Experte. Das Halten von Wohnungskatern ist damit einfacher.

Freigänger beiderlei Geschlechts streunen auf der Suche nach Sex oft tagelang umher und setzen sich dabei dem Straßenverkehr mehr aus als sonst. Die kurze Paarung selbst ist eine schmerzhafte Angelegenheit: Der Kater verkrallt sich in den Schultern der Katze und beißt sie in den Nacken. Sein Penis mit Widerhaken löst beim Zurückziehen einen Krampf und damit den Eisprung aus. Die Katze beißt und kratzt zurück. „Das Entfernen der Keimdrüsen schränkt die großen Revierwanderungen ein“, erklärt Balfanz. Vor allem aber kommt es dadurch zu weniger Rangordnungsbissen, auch die Paarungsbisse fallen weg. Das reduziert das Risiko von tödlichen Übertragungskrankheiten wie Leukose und Katzenaids.

„Die Kastration von Katze und Kater ist hierzulande Routine“, sagt der Tierarzt. Sinnvoll ist sie, wenn der Vierbeiner etwa sechs Monate ist – jedenfalls vor dem ersten Freigang. Die Katze könnte sonst bereits trächtig sein, der Kater bereits Nachkommen gezeugt haben. „Oft erkennt man die erste Geschlechtsreife nicht gleich“, sagt

Balfanz. Ist die Katze schon rollig, heißt es abzuwarten, bis das in dieser Zeit besonders stark durchblutete Gewebe wieder operiert werden kann. Kater können an sich jederzeit kastriert werden.

Eingriffe: Der kleine Unterschied

Kastration Bei dem chirurgischen Eingriff werden die Geschlechtsorgane entfernt – bei der Katze sind das die Eierstöcke, beim Kater die Hoden. Der Vierbeiner ist damit unfruchtbar, unfähig zur Fortpflanzung. Die Operation gilt als weitgehend ungefährlich. Beim Kater ist sie noch unkomplizierter, da die Bauchdecke nicht geöffnet werden muss. Ist die Narbe verheilt, und das Fell nachgewachsen, kann der Laie kaum feststellen, ob das Tier kastriert ist oder nicht.

Sterilisation Bei der Katze werden die Eileiter operativ abgetrennt, beim Kater werden die Samenleiter durchtrennt. In beiden Fällen verhindert der medizinische Eingriff das Zeugen von Nachkommen, der Aufwand entspricht dem einer Kastration. Die Hormone allerdings werden weiter produziert.

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( Kurier ) Erstellt am 29.01.2012