Diese Bauern bringen die Almen zum Blühen

Kaslb'n, Alm-Genossenschaft…
Foto: /Manuela Wilpernig Franz Glabischnig: „Es ist eine neue Art der Landwirtschaft, wo nicht einer gegen jeden arbeitet, sondern alle zusammen.“

18 Bauern-Familien haben sich vereint und zeigen vor, was ihren Beruf so wertvoll macht.

Vor 20 Jahren war hier überall noch Wildwuchs – es gab kaum Blumen, sondern nur Bäume und Sträucher, weil die Almen durch die Massenproduktion nicht mehr bewirtschaftet wurden", erzählt Franz Glabischnig. Er war vor rund 40 Jahren einer der ersten Bauern in Kärnten, die wieder auf die ursprüngliche Landwirtschaft gesetzt haben – heute sagt man Bio-Bauer. "Früher hat sich das lange nicht gerechnet. Die Hütten sind verfallen. Jetzt beleben wir das alles wieder."

Mit "wir" meint er nicht nur seine Familie, sondern eine Genossenschaft von 18 Familien rund um den Millstättersee, die sich zusammengeschlossen haben. "Ziel ist, alles miteinander auszureden. Was einer nicht schafft, schaffen viele", erklärt der Obmann und Käser Michael Kerschbaumer. "Jeder Bauer kann etwas anderes – einer kennt sich mit der Käserei aus, einer hat einen touristischen Schwerpunkt, der nächste kümmert sich um Finanzen." Gemeinsam wird beschlossen, wie viel man für die Milch- und Käseprodukte verlangt.

Kontakt zum Endkunden

Die Genossenschaft will vor allem den Bauernberuf wieder aufwerten und von der anonymen Massenproduktion zurück in den direkten Kontakt zum Endkunden treten. In der eigens errichteten "Kaslab’n" in Radenthein können Besucher dabei zusehen, wie Kuh- und Ziegenmilch zu Käse verarbeitet wird. "Wir nehmen hier den Bildungsauftrag selbst in die Hand. Die Leute bekommen bei uns wieder ein Bewusstsein dafür, wie oft eine Kuh Milch gibt oder wie lange sie lebt." Kaslb'n, Alm-Genossenschaft… Foto: /Manuela Wilpernig

Zudem macht jedes Genossenschaftsmitglied Dienst im Verkauf: "So bekommen wir mehr Kontakt zum Endkunden und freuen uns irrsinnig, wenn wir positives Feedback auf unsere Produkte bekommen. Das ist einfach etwas ganz anderes als wenn man einfach nur die Milch zuliefert", schwärmt der Bio-Bauer Kerschbaumer. Millstätter See, Weg der Liebe, Biwak, … Foto: /Daneshmandi Laila

Den direkten Kontakt gibt es auch auf der Alexanderalm bei Franz Glabischnig. Seine Alexanderhütte ist nicht nur wegen des Weitblicks über den Millstättersee ein beliebtes Ausflugsziel – dass hier Milch, Käse und Fleisch nur aus eigener Produktion serviert werden, versteht sich von selbst. "Im Zeitalter von Superlativen und Megatrends legen die Leute wieder mehr Wert auf gutes Essen. Der jungen Generation ist nicht mehr das Geld wichtig, sondern das Leben", ist Glabischnig überzeugt.

Entschleunigung

Seine authentische Art, im Einklang mit der Natur und der Gesellschaft zu leben, steckt an: "Wir können gar nicht so viele Menschen aufnehmen, wie hier arbeiten wollen. Senner und Melker betreuen die Gäste und machen die Küche." Die Mitarbeiter und die Besucher schätzen in erster Linie eines: "Die Alm entschleunigt sofort. Hier musst du vom Alltagsstress runterkommen. Nur dann kannst du wieder Dinge aufnehmen und auftanken. Die Leute brauchen diese Möglichkeit, um ihre Last abzuwerfen."

Die Aufwertung von Landwirtschaft und Bauernberuf soll auch bei den kommenden Generationen fruchten: "Gewisse Dinge kannst du nur ändern, wenn du sie der Jugend vorlebst und sie einbindest", erzählt Kerschbaumer. "Bei uns leben die Kinder den Alltag auf dem Bauernhof mit, sie wachsen in den Betrieb rein." Kaslb'n, Alm-Genossenschaft… Foto: /Manuela Wilpernig

Den Landwirten ist wichtig, ihren Kindern zu zeigen, wie sinnvoll der Beruf ist. "Natürlich ist die Marktlage schwierig", gesteht er die Schattenseiten ein. "Und jeder will was von den Landwirten – z. B., dass die Mountainbiker durchfahren können, aber das ist rechtlich nicht einfach, wenn was passiert." Bauern müssten auch aufpassen, dass ihre Kinder in der Schule nicht zu sehr nach Stall riechen. "Es sind Kleinigkeiten, die den Beruf manchmal schwierig machen."

Kleine Wunder

Die Genossenschafter sind dennoch überzeugt, dass sie auf dem richtigen Weg sind: "Die Werteverschiebung wird Zeit brauchen. Aber die Jugend spürt, dass wir so arbeiten müssen, dass die nächsten Generationen eine Chance haben. Sonst wird uns der Planet abschütteln", sagt Glabischnig. "Wir sind alle Gäste der Natur."

Die Almwirtschaft tut nicht nur der Landschaft und den Tieren gut – immerhin ist die Sommerfrische auf der Weide selbst für Bio-Bauern nicht selbstverständlich. Die Rodung und die Pflege des Wildwuchses bringt auch kleine Wunder zu Tage: "Plötzlich sind die Blumen wieder gekommen – viele seltene Arten, die zuletzt vor 100 Jahren da waren. Die Natur verzeiht viele Fehler."

Infos: www.kaslabn.at

www.sennerei.at

(kurier) Erstellt am
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