Leben
29.11.2016

Kanada: Ginella Massa moderiert mit Kopftuch

© Bild: Screenshot/Facebook/Ginella Massa

Ginella Massa moderiert als erste Nachrichtensprecherin Kanadas mit Kopftuch.

Für Ginella Massa ist es eine Selbstverständlichkeit mit Hidschab die Nachrichten zu sprechen. Für viele Menschen ist es jedoch immer noch befremdlich, Musliminnen mit Kopftuch im Fernsehen zu sehen. Das will die junge Frau ändern.

Premiere am 17. November

Vor mittlerweile etwas mehr als einer Woche moderierte die in Toronto lebende 29-Jährige zum ersten Mal eine Nachrichtensendung für den TV-Sender City in Toronto. Massa ist damit die erste Kanadierin, die mit Hidschab die Nachrichten präsentierte. Das berichtet unter anderem die Huffington Post Canada.

Massa sprang am 17. November ein, um die 23-Uhr-Nachrichten des Formats CityNews zu moderieren. Danach twitterte sie: "Geschafft! Heute Nacht war nicht nur für mich wichtig. Ich denke nicht, dass eine Frau mit Hidschab jemals die Nachrichten in Kanada moderiert hat. Danke @CityNews" Das Posting wurde binnen weniger Tage hundertfach geteilt und zählt derzeit beinahe 3.000 Likes.

Ein großer Schritt

Im Interview mit dem Hollywood Reporter sagte Massa, dass die Moderation der Nachrichten für sie selbst einen "weiteren Karriereschritt" bedeutet, auf nationaler Ebene sei es jedoch ein symbolischer Schritt in Richtung Diversität und Toleranz.

Massa, die im Jänner 2015 auch als erste TV-Reporterin Kanadas für den Sender CTV News Schlagzeilen machte, erzählte im Gespräch mit der Nachrichtenseite MiddleEastEye, dass sie von vielen "Muslimen, die sich zur Gesellschaft zugehörig fühlen, wenn sie jemanden wie mich ihre Abendnachrichten vorlesen sehen" Unterstützung via Social Media erhalten habe. Auch viele nicht-muslimische Menschen hätten sich mit und für sie gefreut. "Sie sagen, es sei Zeit, dass unsere Nachrichtensendungen unsere Gesellschaft repräsentieren."

Trotz der großen Euphorie über ihren TV-Auftritt sei sie sich jedoch bewusst, dass es ein langer Weg bis zu diesem Meilenstein gewesen sei. "Es fühlt sich großartig an die erste Hidschab-Reporterin Kanadas zu sein, aber ich hoffe inständig, dass ich nicht die letzte sein werde", sagte sie gegenüber Yahoo Style.

Die Reaktionen auf ihren Auftritt seien "überwiegend" positiv gewesen. Dennoch fanden sich auch hasserfüllte Worte unter den Kommentaren in den sozialen Medien, so Massa in einer Radiosendung auf dem kanadischen Sender Newstalk 1010.

Weitere Auftritte folgen

Die gefeierte Premiere sollte übrigens kein Einzelevent bleiben. Am Montag gab sie via Facebook bekannt, dass sie erneut für einen Kollegen einspringen und die Spätnachrichten moderieren werde. "Ich hoffe ihr seid alle bei den CityNews um 23:00 Uhr dabei", schrieb sie. Auch zu Weihnachten wird sie Berichten zufolge die Nachrichten sprechen.

Muslime in Kanada

Einer im Jahr 2011 durchführten Haushaltsbefragung zufolge sind rund 3,2 Prozent der kanadischen Bevölkerung Muslime. Damit ist der Islam nach dem Christentum die zweitgrößte Religion des Landes. Rund um die Städte Toronto (über sieben Prozent) und Montreal (über sechs Prozent) ist der Anteil der muslimischen Bevölkerung an der Gesamtpopulation am größten. Unter Premierminister Justin Trudeau verfolgt das Land eine sehr liberale Einwanderungspolitik. Der mittlerweile designierte US-Präsident Donald Trump will im Nachbarland USA künftig hingegen ein strenges Immigrationsregiment führen. Vor der US-Wahl hatten viele US-Amerikaner daher angekündigt, nach Kanada auszuwandern, sollte Trump gewählt werden. Nachdem Trumps Sieg verkündet wurde, war die Website der kanadischen Einwanderungsbehörde daher stundenlang überlastet.

Die kanadischen Journalistin zeigt sich über Trumps Pläne ebenfalls beunruhigt: "Ich mache mir Sorgen um meine Freunde und Familie in den Vereinigten Staaten“, sagte sie dem Hollywood Reporter. Umso wichtiger sei es, ein Zeichen zu setzen: "Im heutigen Klima ist es wichtiger denn je, positive Beispiele von muslimischen Frauen zu sehen", Massa gegenüber der Nachrichtenagentur AP.