Impfungen bei Katzen

Die Impfmoral der Haustierhalter sinkt. Dabei können zahlreiche Krankheiten damit verhindert werden.
Einige schwere Krankheiten können mit einem Nadelstich verhindert werden.

Von wegen sieben Leben. Katzen haben genau ein Leben – und das sollte so gut wie möglich geschützt werden. Umsichtige Heimtierbesitzer verzichten auf giftige Pflanzen und sperren Putzmittel weg, sie sichern ihre Fenster und lassen weder Medikamente frei liegen noch die heiße Herdplatte aus den Augen. Zudem versuchen sie, ihren Liebling gesund zu halten. Der Tierarzt hilft.

"Es gibt einige Infektionskrankheiten, gegen die man Katzen impfen kann. Manche Impfungen sind dringend für alle empfohlen, manche sind nur bei Risikopatienten sinnvoll", sagt Zoodoc Katharina Reitl. Die Expertin aus dem KURIER-Tiercoach-Team erklärt die Symptome der gefährlichen Leiden und wann welches Serum verabreicht werden soll. Individuelle Lösungen sind gefragt.

Grundimmunisierung

Katzen kommen mit einer gewissen Grundimmunisierung zur Welt. Abwehrstoffe, die sie von der Mutter mitbekommen, schützen sie für die erste Zeit. Ab der achten Lebenswoche kann mit dem Spritzen begonnen werden.

"Junge Katzen erkranken sehr häufig an Katzenschnupfen", weiß Reitl. Die Infektion wird hauptsächlich durch zwei Viren hervor gerufen, die meist von Tier zu Tier und selten von Gegenständen übertragen werden. Appetitlosigkeit und Niesen sind erste Anzeichen. Es folgen Nasen- und Augenausfluss. Im schlimmsten Fall wächst ein Geschwür im Maul. "Katzenschnupfen ist behandelbar, aber nicht heilbar", sagt die Veterinärmedizinerin aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn. Nicht rechtzeitig erkannt, führt der Katzenschnupfen sehr wohl zum Tod. Ein Kombinationsimpfstoff um etwa 40 Euro bewahrt davor.

Das Serum verhindert gleichzeitig, dass Tiere an der Katzenseuche erkranken. Das extrem widerstandsfähige Virus, das Jahre überleben kann, wird im direkten Kontakt mit einem kranken Tier bzw. über Schuhe oder Kleidung, Hände oder Gegenstände verbreitet. Damit sind auch reine Wohnungskatzen gefährdet. Ist das Heimtier matt, fiebrig und appetitlos, muss es massiv erbrechen und hat blutigen Durchfall, können das Symptome der Katzenseuche sein. Das Virus zerstört die Darmzellen und das Knochenmark. Die Immunschwäche führt in 90 Prozent der Fälle zum Tod.

Todesfälle

Die häufigste Todesursache durch Infektion ist aber die Katzenleukose. Das Virus wird vor allem durch kranke Tiere übertragen – über Speichel und Muttermilch, über den Fressnapf und das Katzenklo. Dabei löst es verschiedene Leiden aus, die Schwächung des Knochenmarks und damit die Schwächung des Immunsystems sowie Blutarmut. Für Wohnungskatzen, die tatsächlich nie hinaus dürfen, ist Leukose kein Thema. Für Freigänger und Urlauber hält Reitl fest: "Eine Grundimmunisierung schützt vor dem Virus. Die Impfung muss jährlich wiederholt werden."

Vor der infektiösen Bauchfellentzündung – Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) genannt – wappnet ein Serum, das in die Nase der Katze getropft wird. Die Schleimhaut soll den Erreger bekämpfen, der sonst zuerst zu Durchfall, später zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle, in der Brusthöhle oder im Herz führt. "Der Impfschutz besteht nicht zu 100 Prozent. FIP wird prinzipiell auf Wunsch des Besitzers geimpft bzw. wenn erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht", erklärt die Tierärztin.

Im Gegensatz dazu ist die Tollwut-Impfung für alle Katzen, die sich im Freien aufhalten und ins Ausland reisen, Pflicht. Das Virus wird fast immer durch den Biss eines infizierten Fuchses übertragen. Es greift das zentrale Nervensystem an und ruft Aggressivität und Lähmungen hervor und bringt das Tier schließlich um.

Impfmoral

"Bei Tollwut ist die Impfmoral trotz Vorschrift sehr gering, weil Österreich als tollwutfrei gilt", bedauert die Expertin aus dem KURIER-Tiercoach-Team: "Auch bei den anderen Krankheiten nimmt die Impfmoral ab." Dabei kann ein gesundes Katzenleben, gar das Überleben von einem Nadelstich abhängen. Und das bei Kosten, die sich in Grenzen halten, und bei "Impfreaktionen, über die man sich keine Sorgen machen muss".

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