Leben 25.01.2015

Alltagsg'schichten und Heiratssachen

Auf der Hochzeitsmesse "Trau Dich" kann man Ideen und Inspiration sammeln oder alles inklusive buchen. Ein Biotop der angesagten Glücklichkeit.

Der nüchterne Saal, in dem die Show "Hochzeitsmode Live!" gleich über den Laufsteg geht, ist nicht voll, aber gut besetzt. Der motivierte Moderator heißt etwa 200 überwiegend weibliche Menschen "herrrrzlich willkommmmen bei der grrrrrößten Hochzeitsmesse Trrrrrau Dich!" Das Publikum schaut interessiert, aber nicht interessierrrrrrt. Der Mann holt tief Luft, neuer Anlauf: "elegant, harmonisch uuuund exquisit" sei es hier. Zum Auftakt der ersten Schau stimmen die Favorhythm Gospel Singers aus Favoriten ein Lied an, der Sänger intoniert "Oh Happy Dschaaay!!!". Die Models in Brautkleidern versuchen, im Rhythmus dazu zu klatschen. Das Publikum freut sich auf die große Überraschung, die es später geben soll.

Individuell: Der Trend geht zur neongrünen Torte
© Bild: KURIER/Gilbert Novy

Gerade findet in Wien Österreichs größte Hochzeitsmesse statt. Hinter dem Foyer mit Candyshop, Wellness- und Kinderhotel-Prospekten und Frauenmagazinen finden Interessierte alles, was für eine Hochzeit nützlich sein könnte: "Von Hochzeitschor Engelsgleich" über "Ring King" bis zu "Meisterfotograf Lötz" und "Tanja’s Backkreationen". Dazwischen Mode. An der Relation von Brautkleidern und Bräutigamanzügen erkennt man, worum es beim Heiraten meist wirklich geht.

Trennungslied zur Trauung

Der 26-jährige Rene wird in Navyblau ja sagen, seine Braut Jeanine in Weiß. Er erwartet eine "etwas pompöse" Feier, sie eine "romantische". Kapelle und Partylocation sind schon gebucht, das Schlimmste wäre für Jeanine, wenn "die Band schlecht singt". Aber Rene beruhigt: "Im Internet klingen sie gut."

Darüber muss ein Musiker wie "Alexander Bernard & R.D. Project" nicht nachdenken. Er sitzt mit der Routine von 300 Hochzeitseinsätzen hinter seinem Keyboard, die Finger im Anschlag, falls ein Paar eine Kostprobe über Kopfhörer verlangt. Schlimme Liedwünsche gibt es für ihn nicht. "Musik ist Musik. Schlimm ist nur, wenn man den Text nicht kennt. Zum Beispiel ‚I will always love you‘, wunderschön, aber ab der zweiten Zeile geht’s um Abschied. Ist merkwürdig, wenn ich das beim Ringwechsel spielen soll." Die Top Drei? "Ein super Brautwalzer ist ‚Che Sera‘, kennt jeder und jeder findet die Eins beim Tanzen. Dann ‚The Rose‘ und ‚Oh Happy Day‘." Unweit des Musikroutiniers hat Debütant "Poltergemeinde" den Stand aufgeschlagen. Zwei junge Damen bewerben hier den stilvollen Polterabend, wollen dem Biotop für Geschmacklosigkeiten das Grauen nehmen. "Da macht man die Hochzeit so schön und muss am 0815-Polterabend Kondome verkaufen. Wir haben bessere Ideen, ob man nun auf Elefanten reiten oder Bikinis häkeln will. Das ist natürlich eine Geschmacksfrage." Durchaus.

Normalität kann Daniela, 23, bei ihrer Hochzeit mit Christoph, 25, nicht passieren. "Wir fahren von der Trauung zum Fest mit einem Partybus, ich glaube nicht, dass das 0815 ist. Langeweile auf der Hochzeit, das geht gar nicht." "Oder dass es früh endet", findet er. "Bei uns ist open Ende, sechs oder sieben in der Früh." Ein einiges Lächeln, dann suchen die Beiden weiter nach einem Fotografen.

Den Stand von Bio-Konditor Klaus Hanauer übersehen sie, obwohl sich dort die Torten sogar drehen. Er erklärt: "Heute hat jeder Wünsche bei der Torte, andere Farbe, anderes Dekor, ausgefallener." Das Meisterstück im Vorjahr war eine "Prinz William-Torte", aber XL. "Noch schöner, mit Nebelschale und zweieinhalb Meter hoch." Die Brautpaare suchen Individualität in allen Farben, zunehmend vegan und allergenfrei, der neue Hit.

Ja-Wort nach 24 Jahren

Andere sind Evergreen. Wolfgang und Trixi, beide 52, sind seit 18 Jahren und drei Kindern verlobt. "Es muss nicht immer schnell gehen", sagt Wolfgang, nimmt Trixis Hand, und weiter: "Es ist ständig aufgeschoben worden, die Liebe wird immer mehr, heuer ziehen wir’s durch." Die Hochzeit würde klein und bodenständig, nur Kinder, Enkerln und Geschwister als Gäste. Nach einem Foto für die Zeitung gefragt, dreht sich Wolfgang zu seiner Trixi: "Willst du das?" Trixi sagt Ja.

Große Überraschung: Der Live-Antrag von Peter, Monika sagt Ja
© Bild: KURIER/Gilbert Novy

Im Show-Saal schlägt der Moderator zurück: Eine grrrroooße Überraschung. Peeeter, bitte! Peter geht erst auf die Bühne, dann vor Monika auf die Knie, und sagt schnörkellos: "Liebe Monika, willst du mich heiraten?" Einer im Publikum kann sich das gelachte "Naaaa!" nicht verkneifen, Monika hört es gar nicht und sagt Ja. Nun erwacht der Saal, Standing Ovations, der extrasanfte Spontaneinstieg der Favorhythm Singers wird vom kräftigen Applaus ruiniert, der Moderator wartet geduldig, sagt : "Sie heiraten!" mit viel E und R und T. Und kündigt die nun folgende Braut-Unterwäsche-Schau an. www.kurier.at/lebensart/hochzeitsmesseDas Video von der Hochzeitsmesse und weitere Infos

( Kurier ) Erstellt am 25.01.2015