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Neujahrsgeschenke
12/18/2018

Glücksbringer: Warum muss man zu Silvester Schwein haben?

Das Volkskundemuseum hat erforscht, woher der Brauch kommt und welche Hintergründe er hat.

von Hedwig Derka

Rauchfangkehrer, Hufeisen, Fliegenpilz? Schwein muss man haben! Zu Silvester geht der Wunsch am ehesten in Erfüllung. Traditionell werden die rosa Paarhufer in Ausformungen aller Art zum Jahreswechsel verschenkt.

Das Volkskundemuseum Wien hat nachgeforscht, woher die Schweinerei kommt, und widmet den Glücksbringern eine kleine Schau: „Ein gutes neues Jahr!“ ist bis 17. Februar 2019 in der Passage in 1080, Laudongasse 15–19, frei zugänglich (Di–So 10–17 Uhr; Do 10–20 Uhr).

Vorchristlich

„Der Brauch des Neujahrsgeschenks lässt sich lückenlos bis in die römische Zeit zurückverfolgen. Es ist ,das‘ heidnische Fest“, sagt Kathrin Pallestrang, eine der Ausstellungskuratorinnen. Süßigkeiten, Lampen und Münzen sollten damals das Schicksal positiv beeinflussen. Im frühen Mittelalter erklärte die Kirche den 1. Jänner dann zwar zum Fasttag. Doch die Sitte der Neujahrsgaben hatte sich in vielen Regionen bereits etabliert. Bestätigung folgte im 17. Jahrhundert, als der Papst den Jahresbeginn schließlich mit 31. Dezember fixierte. „Die Geschenke, die an diesem Tag gemacht wurden, waren für verschiedene Berufsgruppen ganz wichtig“, sagt Pallestrang. Vor allem für Dienstboten, niedrige Staatsbeamte und manche Handwerker waren sie unentbehrliches Zubrot.

„Warum das Schwein zum Glücksbringer wurde, ist noch nicht geklärt, die Forschung fehlt“, sagt Nora Witzmann, ebenfalls Kuratorin im Volkskundemuseum Wien. Vermutungen gibt es mehrere: Hausschweine garantierten fette Jahre. Wer eine Sau besaß, hatte genug zu essen – ein Nutztier trägt etwa zwölf Ferkel pro Wurf aus; was für ein Glück. Zudem galt der Allesfresser, der im Boden wühlt oder nach Trüffeln schnüffelt, als Auffinder von Schätzen. Etlichen Zahlungsmitteln gab das Tier seine Prägung. Nicht zuletzt trumpfte das Schwein um 1500 in deutschen Kartendecks auf, es wurde auf dem As ausgespielt. „Im 19. Jahrhundert entstanden die Glücksbringer, wie wir sie heute kennen“, wissen die Expertinnen.

Das Schwein war von Anfang an mit dabei. Das belegen auch die Ausstellungsstücke. „Ein Höhepunkt ist die Kontainerfigur (Bild unten), die üblicherweise aus Pappmaschee gefertigt und mit Konfekt oder Bonbons gefüllt wurde“, sagt Witzmann. Vor allem das städtische Bürgertum pflegte die Tradition. Aus dem vorigen Jahrhundert stammen kleine, bemalte Figuren, die aus einer Zinn-Blei-Legierung gegossen sind (großes Bild); der Firma Perzy – bekannt für die Schneekugeln – sei Dank.

„Wir zeigen ein Bettelarmband mit diversen Talismanen und lustige Holzsachen“, zählt die Volkskundlerin weiter auf. Pinke Kunststoff-Varianten kamen ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dazu. In der Sammlung, die aus Einzelstücken und Konvoluten aus ehemaligem Privatbesitz besteht, findet sich auch Handarbeit: Ein Rüsseltier aus einer Mohnkapsel gebastelt, aus Salzteig geformt, auf Kork geklebt. „Postkarten wurden ganz häufig verschickt. Sie wurden aber stiefmütterlich archiviert“, sagt Pallestrang.

Essbare Glücksbringer wurden selbstredend nie aufgenommen. „Unser ältestes Stück datiert aus den 1940er-Jahren, der Großteil ab den 1980er-Jahren“, verrät Witzmann. Heute steckt weniger Aberglaube hinter den Glücksbringern, als vielmehr der Wunsch nach guten Sozialkontakten. „Wer einen Glücksbringer verschenkt, will damit sagen: Mir liegt etwas an dir; wer einen erhält, weiß einen Platz in der Gesellschaft zu haben.“ Übrigens: Glücksbringer behalten ihre Gültigkeit für ein Jahr. Nach Ablaufdatum können sie ohne Bedenken weitergegeben oder entsorgt werden.

Die Symbolkraft weiterer Glücksbringer

Vierblättriges Kleeblatt Um die seltene Mutation zu finden, braucht es Glück. Ein Zeichen. Es bewahrt v.a. Reisende vor Bösem.

Hufeisen  Seit  Römerzeit steht das Pferd für Stärke, so gilt auch das Hufe schützende Eisen als Glücksbringer.

Rauchfangkehrer Ein verstopfter Kamin bedeutete einst Kälte im Haus, keine warmes Essen, Feuergefahr. Der Rauchfangkehrer war Retter in der Not.

Münze Der Glückspfennig symbolisiert Reichtum – man wünscht, dass das Geld niemals ausgehen möge.