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Literaturbewerbe
12/25/2021

Wo Nachwuchs-Schriftsteller sich erste Preise holen

Wer jetzt in den Ferien schreibt, kann im Jänner seine Texte einsenden.

von Laila Docekal

Literatur klingt oft groß und nach berühmten, alten Schriftstellern, doch auch Kinder- und Jugendliche dürfen sich schon in diese Welt trauen. Immerhin kann sich jeder, der einen Text verfasst, als Autor bezeichnen. Warum sollten also nicht auch junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre Texte bei einem Literaturwettbewerb einreichen?

Zum Beispiel beim Junior Bachmann Literaturwettbewerb. Ein großer Name, aber auch Ingeborg Bachmann (1926–1973) hat einmal klein angefangen. Das Motto wird stets bewusst sehr offen gewählt – dieses Jahr lautet es „Tohuwabohu“. „Schreiben darf jeder alles, was ihm dazu einfällt“, erklärt Ingrid Huber vom Organisationsteam des Bewerbs. Die eingereichten Texte werden anonymisiert von einer Reihe prominenter Jury-Mitglieder gelesen und bewertet – darunter Literaten, Universitätsprofessoren und Regisseure.

Nicht nur Schreibaffine sind vorne dabei

Im Vorjahr lautete das Motto etwa „Verwurzelt“ und die damals zehnjährige Valentina Mirtič aus Kärnten erlangte mit ihrem Text über eine Eiche den ersten Platz in ihrer Kategorie (siehe unten). Viele der jungen Autoren und Autorinnen, die ihre Texte einsenden, sind schon vorher schreibaffin. „Aber es gibt auch Zufallstexte“, erzählt Huber. „Manche Schulen oder Lehrer machen Schreibworkshops und animieren dazu, einzureichen.“

Auf die Preisträger wartet neben Gutscheinen und Sachpreisen ein besonderes Zuckerl: Die Preisverleihung findet auf derselben Bühne statt, wo tagsüber der Ingeborg Bachmann Preis für Erwachsene verliehen wird. Ebendort wird zu jedem Text eine Laudatio verlesen, es gibt eine Video-Vorstellung der Preisträger und dann dürfen auch die Nachwuchs-Literaten ihre Texte vortragen. Ganz groß.

Bis 24. Jänner: Beim 30. Junior Bachmann  Literaturwettbewerb können 10- bis 19-Jährige zwei Seiten jeder Textsorte einreichen. Diesjähriges Motto:
 „Tohuwabohu“. juniorbachmann.ibg.ac.at

Bis 15. Jänner: Beim THEO Berlin-Brandenburgischen Preis für Junge Literatur kann jeder bis  20 Jahre Texte (max. drei Seiten) oder Gedichte einreichen. Mehrsprachige Kinder können auch Texte in nichtdeutscher Sprache einsenden. Diesjähriges Motto: „Gespenster“. theo-schreibwettbewerb.de 
 

1. Platz im Vorjahr in der Kategorie der 10- bis 12-Jährigen von Valentina Mirtič, BG/BRG St. Veit an der Glan

Ich sah aus dem Fenster. Draußen schüttete es und ein Blitz nach dem anderen zuckte, gefolgt vom Donner, über den Himmel. Es war das schlimmste Gewitter, das ich in den vergangenen zehn Jahren meines bisherigen Lebens erlebt hatte. Wieder fuhr ein Blitz über den Himmel und in dem spärlich erleuchteten Wohnzimmer wurde es gleißend hell. Plötzlich begann die Deckenlampe zu flackern, kurz darauf erlosch sie.

Etwas Weiches streifte meinen Arm. Es war Abraxas, Opas Kater. Ich fuhr mit meinen Fingern durch sein warmes Fell, woraufhin er zu schnurren begann. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Da zerriss ein ohrenbetäubender Knall die Luft. Ich fuhr herum und starrte aus dem Fenster. Ich sah gerade noch, wie ein Blitz in die alte Eiche im Garten einschlug. Entgeistert starrte ich auf das Naturschauspiel, das sich mir gerade geboten hatte.

Die Eiche war mein Lieblingsort. Unzählige Male hatte ich an ihrem Stamm gelehnt und gelesen oder das Eichhörnchen beobachtet, das in einem Astloch in der Baumkrone hauste. So hatte ich zum Beispiel gesehen, wie es einst eine Eichel vergraben hatte. Im Sommer lag ich manchmal auch einfach nur im knöchelhohen Gras und sah den Wolken zu. Auch meine kleine Schwester Liv spielte gerne im Schatten des Baumes.

Ich stand auf und rannte zur Tür. Abraxas, der eben noch auf meinem Schoß gesessen hatte, landete unsanft auf dem Boden. Aber das war mir in diesem Moment egal. Ich riss die Tür auf. Ein Schwall eiskaltes Regenwasser fegte mir ins Gesicht.

Doch auch das interessierte mich nicht. Ich rannte weiter und blieb einige Meter von der Tür entfernt wie angewurzelt stehen. Der Blitzeinschlag hatte mich schockiert, aber das, was ich jetzt sah, übertraf bei weitem alles, was ich bisher erlebt hatte. Ich musste mit ansehen, wie die Eiche in Flammen aufging.

In diesem Augenblick gaben meine Knie nach. Ich fühlte mich wie nach einem kilometerlangen Staffellauf mit Ziegelsteinen auf den Schultern. Zum Aufstehen hatte ich keine Kraft mehr, also blieb ich sitzen. Ich vergrub meinen Kopf in den Händen und begann zu weinen. Das Weinen tat gut und nahm mir Stück für Stück die Ziegelsteine von den Schultern. Das Gefühl, einen Staffellauf gelaufen zu sein, aber blieb.

Es dauerte eine geschätzte Ewigkeit, bis endlich ein Auto in die Garage fuhr und ich die Stimmen meiner Eltern und die meines Großvaters hörte. „Alea?“, rief meine Mutter und kam in den Garten gestürzt. „Was um alles in der Welt...“, weiter kam sie nicht. Denn sie blieb, wie ich nur eine Weile zuvor, wie angewurzelt stehen. „Alea!“, rief sie abermals und hockte sich neben mich. „Was ist passiert?“ 

Tja, das war eine gute Frage. Ich hätte sie gerne beantwortet, aber aus meiner Kehle war nur ein jämmerliches Schluchzen zu hören. Endlich kam auch Opa in den Garten. Dicht hinter ihm ging Papa, der meine kleine Schwester Liv auf dem Arm trug. „Ea!“, rief diese und strampelte sich frei. Lachend lief sie auf mich zu. „Ea traurig“, stellte sie dann fest und streichelte mir mit ihrer kleinen Hand über meine Haare, die dasselbe Rotbraun hatten wie ihre eigenen.

Ich musste kurz lächeln, wurde aber dennoch wieder von einem Schluchzen geschüttelt. Mama und Opa sahen sich an. Wenn nicht einmal meine kleine Schwester mich trösten konnte, war die Lage aussichtslos, das wussten sie.

Papa hatte währenddessen begonnen, sich die heruntergebrannte Eiche näher anzusehen. „Das sieht nach einem Blitzeinschlag aus. Der Baum ist ganz abgebrannt. Ich dachte, so etwas kommt nur einmal in zehn Jahren vor“, sagte er kopfschüttelnd, als er wieder zurückkam. Ich konnte nur stumm nicken, denn ich musste erneut schluchzen. „Weißt du“, sagte Opa, „die Eiche hat ihre Aufgabe getan. Sie war ein Zuhause für viele Tiere und sie hat Eicheln getragen, sehr viele sogar. Ihre Wurzeln stecken noch in der Erde. Komm mit.“

Er stand auf und hockte sich neben die Überreste des einst so mächtigen Baumes. Und tatsächlich. In der Erde waren noch Wurzeln. Ich streckte meine Hand aus und strich über das raue Wurzelholz. „Solange die Wurzeln heil bleiben, lebt der Baum“, sagte Opa und gab mir eine Eichel, „Und bald ist er nicht mehr allein. Wir pflanzen eine zweite Eiche.“ Und in diesem Moment zuckte der letzte Blitz über den Himmel, bevor sich der Himmel teilte und die Sonne durch die dunklen Wolken brach.

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