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Sex in der Freizeit
05/12/2022

20 Jahre "Sex in der Freizeit": von Anfängen und Kuriositäten

1.040 Kolumnen sind bis heute erschienen. Was erregte, wer sich empörte. Und warum es nie zu spät für richtig guten Sex ist.

von Gabriele Kuhn

"Um glücklich zu sein, müsst Ihr Sex haben wie Männer": Mit diesen Zeilen begann meine erste -Kolumne. Titel: „Was Frauen brauchen“. Das war im Mai 2002. Ja, Sex in der Freizeit ist tatsächlich schon zwanzig Jahre alt und ich staune sehr. Weil vieles scheint, als wär’s erst gestern geschrieben worden. Und manches, aus heutiger Sicht, nicht mehr so, wie damals geschrieben werden könnte. Wie wir Intimität und Sexualität verstehen, hat sich verändert. Vor allem durch #MeToo, als maßgeblicher Katalysator für Bewusstsein und einen sensibleren Umgang mit dem Thema. Zurück zum Start. „Frau Doktor“ wurde ich von Michael Horowitz, dem Chefredakteur und Erfinder des Freizeit-Magazins, seinerzeit genannt, weil ich vor allem über Medizin und Gesundheit schrieb (ohne echten akademischen Grad, allerdings). Eines Tages war er der Meinung, es müsse „mehr Sex ins Heft“ – allerdings nicht besserwisserisch, sondern augenzwinkernd. Keine Aufklärung, aber Anregung. Ein bisserl pikant, doch keineswegs allzu explizit. Frivol – aber bittebitte nicht ordinär. Eine glossierte Mischung aus Witz und Wissenschaft.

Sex sells?

Sex, ausgerechnet Sex? Na bums. Eine Gratwanderung und Herausforderung, die ich keinesfalls annehmen wollte. Zumal Sex damals eh überall war, mehr und anders als jetzt. Motto: „Sex sells“: Hintern und Brüste, Dokus, Bilder, Reportagen, Plakate, Shows und Seite-1-Damen. Es wäre allerdings nicht „der Horo“ gewesen (Danke, übrigens, lieber Ex-Chef!), hätte er es am Ende nicht doch geschafft, mich zu motivieren: „Sie machen das schon, Frau Doktor.“ Also machte ich. Und begann über sexuelle Fantasien, feuchte Träume, G-Punkt, U-Punkt, Orgasmen und Telefonsex zu schreiben. Woche für Woche. Was für ein Skandal! Welch Erregung! E-Mails waren damals noch nicht üblich, also kamen jede Menge Telefonanrufe und handgeschriebene Briefe. Ein Kaleidoskop und Spiegel dessen, wie in der Gesellschaft mit Sexualität umgegangen wurde: Irgendwo zwischen Aufgeilerei, Prüderie, persönlichem Interesse und „Empört Euch!“, mit flammendem Appell, „diese Schweinereien zu beenden.“ Vor allem von Männern und besonders dann, wenn ich mir erlaubt hatte, über sie zu sinnieren, wie in einer Kolumne mit dem Titel „Steh-Party“, die so endete: Der Schwanz ist auch nur ein Mensch – oder so. Hoch soll er leben.

Doch so sehr man in dieser Causa auch beim Chefredakteur intervenierte, so sehr war ihm das wurscht. Zumal mich der große Kolumnist Herbert Hufnagl (verstorben 2005, damals noch nicht mein Schwiegerpapa) ermutigte: „Wo Sex draufsteht, muss Vögeln drin sein.“ Stimmt, dachte ich mir, und ließ mir allerlei einfallen. Anfangs dominierte der Humor, Motto: „Zur Lust geht’s, wo das Lachen wohnt.“ Jahre später ist uns das Lachen dann doch ein bisserl vergangen (wie gesagt: #MeToo) und ich wollte nicht mehr nur mit Wortwitz durch die Welt der Sehnsüchte, Stellungen und Triebe surfen. Begleitet haben mich dabei viele liebe und treue Leserinnen und Leser, von denen ich – längst nicht mehr handgeschrieben – nach wie vor „Post“ bekomme. Oft sehr berührende, intime Gedanken, allerlei anregender Stoff zum Nachdenken. Danke! Mehr denn je stellen sich Fragen und ist einiges an Unsicherheiten zu spüren, Sexualität betreffend. Was darf ich, was nicht? Wer bin ich als sexuelles Wesen? Was mache ich mit Träumen und Sehnsüchten? Hier zu inspirieren, um etwas zu initiieren, betrachte ich nun als meine Aufgabe als Schreibende – frei nach der Psychologin Leonore Tiefer: Wir brauchen nicht mehr Sex, sondern mehr guten Sex.

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