© Kurier/Gilbert Novy

Reportage
07/27/2022

Schwimmkurs beim Weltmeister: "Nach drei Stunden kraulst du fantastisch"

Die EU fördert „Slow Swimming“, ein KURIER-Redakteur diente als Versuchskaninchen. KURIER-Leser bekommen Gelegenheit, ihre Haltungsnote im Wasser zu verbessern.

von Uwe Mauch

„Du hast den Kopf zu weit nach oben gehoben, die Arme in der Gleitphase nicht bewegt, kaum Körperspannung aufgebaut, die Beine waren zu tief, du bist alles in allem nicht gerade im Wasser gelegen.“ Der Beppi ist präzise sowie höflich in seiner Analyse. Er hätte auch sagen können: „Du bist nicht untergegangen, aber mit Kraulen hat das so viel zu tun wie mit Dressurreiten.“

Fünffacher Weltmeister

Einem wie Josef Kocsi nimmt man beim Schwimmen sowieso alles ab. Der 75-jährige Purkersdorfer ist fünffacher Weltmeister bei den Masters und außerdem vierfacher Europa-Rekordhalter in seiner Altersklasse. Der OSV (Oesterreichischer Schwimmverband) wird ihn Ende August zu den Masters 2022 nach Rom entsenden. Zuvor möchte er noch dem relativ unbedarften KURIER-Redakteur im Freibad der Stadtgemeinde Purkersdorf zeigen, wie man richtig krault.

Menschen wie ihn möchte das von der EU geförderte und vom hiesigen Schwimmverband unterstützte Projekt slow swimming ansprechen. Es geht dabei nicht um Höchstleistungen, es geht vielmehr um eine aktive Gesundheitsförderung.

Swim fit, Slim fit

Warum Schwimmen gesund ist, liegt schon länger auf der Hand. Der Beppi fasst es noch einmal zusammen: „Wer öfters schwimmt, senkt den Blutdruck und das Gewicht, schont seine Gelenke und erhöht zeitgleich Ausdauer, Körperspannung und Kraft.“ Und wäre dann wohl mit 75 beinahe so Slim fit wie er.

„Entscheidend ist“, erläutert der Instruktor, „dass du nicht gegen das Wasser kämpfst, du sollst durch das Wasser gleiten.“ Leuchtet zwar dem Hirn sofort ein, braucht aber seine Zeit, bis sich auch die Extremitäten auf den Modus Gleiten umstellen.

Deshalb bittet Josef Kocsi zu Beginn der Übungsserie, nur die Beine strampeln zu lassen. „Die Füße bewegen sich dabei so, als würdest du kurz einen Fußball kicken, und die Hände halten sich am Plastikbrett fest.“

Die zweite und dritte Übung sind dazu da, das zeitgerechte Eintauchen und richtige Ziehen der Arme zu automatisieren und mit dem kurzen Luftholen zu synchronisieren. Zwischendurch streut Josef Kocsi dem Schüler im Wasser Rosen: „Ich kann dir garantieren, nach drei, vier Stunden kraulst du fantastisch.“

Am Ende lädt er gemeinsam mit dem Schwimmverband 15 KURIER-Leser bzw. -Leserinnen in das Wiener Stadionbad (Anmeldung siehe unten), um ihnen bessere Haltungsnoten beim Schwimmen zu ermöglichen. Die Generalsekretärin vom OSV, Julia Powischer, nennt diese Veranstaltung vorbildlich: „Für die Gesundheitsvorsorge aller Menschen, die in Österreich leben, könnte Schwimmen viel bewirken. Doch diesbezüglich sind wir international wirklich hinten nach. Es wäre höchste Zeit, dass sich hier sowohl bildungspolitisch als auch in der Infrastruktur etwas bewegt.“

Im Wiener Stadionbad
Die ersten 15 Leser, die sich anmelden, können an einem Slow-Swimming-Kurs von Josef Kocsi in Kooperation mit KURIER und dem Österreichischen Schwimmverband teilnehmen. Der Kurs findet am Dienstag, 23. August, ab 18 Uhr im Wiener Stadionbad statt. Nach einer individuellen Analyse gibt der Weltmeister viele praktische Tipps für schöneres Schwimmen

Anmeldung hier
kurier-events.at/slow-swimming

Einmalige Veranstaltung
Slow Swimming mit Josef Kocsi ist insofern einmalig, als man in Österreich weit davon entfernt ist, solche Kurse landesweit anbieten zu können. Es fehlt dafür weniger an Know-how, mehr am politischen Willen

Eine Stilfrage

Die meisten Schwimmschüler, weiß Josef Kocsi, wollen richtig kraulen lernen. Doch auch bei der vermeintlich einfacheren Disziplin Brustschwimmen tun sich für ihn Abgründe auf: „Du musst da aufpassen, dass sich deine durch Bildschirmarbeit verursachten Verspannungen im Nacken beim Schwimmen nicht weiter verstärken“, erklärt er dem Redakteur. Der schreibt sich das auch hinter die Ohren.

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