© Verlag Brüder Hollinek/Marco Annau

Leben Gesellschaft
03/02/2022

Made in Austria: Blechspielzeug mit Sammlerwert

Der Komponist Marco Annau widmet seiner ersten großen Liebe ein Buch. Da leuchten auch die Augen der Erwachsenen.

von Uwe Mauch

Begonnen hat alles mit seiner Modelleisenbahnsammlung. Erzählt Marco Annau. Es war im Oktober 1979. Eigentlich wollte ihm sein Vater für den bestehenden Fuhrpark noch ein Schienenfahrzeug kaufen.

Doch da erblickte der Achtjährige gleich hinter dem Verkaufstisch im Spielzeugfachgeschäft eine Vitrine mit alten Blechspielzeugautos: „Ich war perplex. Ihr Anblick hat mich in eine andere Welt entführt. Farben und Formen haben zu mir gesprochen.“

Die Modelleisenbahn war im Nu vergessen. „Und mein aufwallender Enthusiasmus für diese damals schon zu teuren Antiquitäten hat väterliches Stirnrunzeln verursacht.“ Heute noch rechnet er es seinem Vater hoch an, dass er ihm den Herzenswunsch nicht auszureden versuchte: „Ich durfte mir einen für ihn noch leistbaren VW Käfer mit Uhrwerk für meinen achten Geburtstag aussuchen.“

IGRI für Ignaz Richter

Inzwischen ist Marco Annau ein in der Wiener Musikszene sehr respektierter Komponist. Doch sein Feuer für die alten Spielzeugautos brennt immer noch. Das zeigt ein liebevoll gestalteter Bildband, der im kleinen, feinen Verlag Brüder Hollinek erschienen ist.

Das Außergewöhnliche an der privaten Sammlung Annau ist, dass der gleichnamige Sammler auf historisches Spielzeug, das in Österreich produziert wurde, fokussiert ist. Das hat auch mit seiner ersten großen Liebe zu tun: „Auf der Bodenplatte des Autos stand IGRI und Made in Austria.“

IGRI ist das Akronym für Ignaz Richter, einem Wiener, der bald nach dem Krieg und wohl auch nicht allzu lange Spielzeugautos erzeugt hat.

Auf Flohmärkten fragte der junge Sammler bald nach weiteren Erzeugnissen aus Österreich. Doch die meisten Tandler schüttelten nur den Kopf. Damit wiederum wollte sich Marco Annau keineswegs zufrieden geben: „Das hat mich nur weiter angespornt.“ Er wusste, dass es bis zum Jahr 1939 eine eigenständige österreichische Automobilproduktion gegeben hat, und nach 1945 Nutzfahrzeugbau. „Die letzten Puch 500 habe ich selbst noch gesehen.“

Viele Austro-Klassiker

Peu á peu fand der emsige Sammler all jene historischen Spielzeugminiaturen, die nur in seiner jugendlichen Vorstellung existiert hatten: „Puch 500, Steyr Baby, Puch Haflinger und viele andere Austro-Klassiker.“

Während in den großen europäischen Autohersteller-Ländern Deutschland, Italien oder Frankreich das parallel hergestellte Spielzeug präzise dokumentiert ist, darf sich Marco Annau freuen, dass er mit seinem zweisprachigen Buch (der englischsprachige Titel lautet „Toy Cars Made in Austria“) einen weißen Fleck nun mit Leben befüllt.

Und er hat das mit derart viel Liebe und historischem Fachwissen getan, dass sich sogar Menschen, die sonst wenig mit der Historie des Autos am Hut haben, darin sehr schnell verlieren können. Wobei zu diesem Gesamtkunstwerk auch passt, dass der Autor all die Objekte selbst fotografiert hat.

Stolz ist Marco Annau auch auf seinen Mecki auf der 8,4 Zentimeter großen Puch MV 50, weil bei diesem Erzeugnis aus Tirol zwei Idole der Nachkriegszeit zusammentreffen: der Igel, den einst jedes Kind kannte, und das legendäre österreichische Zweirad, im Volksmund aufgrund seines Verwendungszwecks auch liebevoll „das Postlermoped“ genannt.

Über den Autor: Marco Annau, 1971 geboren, lernte erst mit 16 Jahren Klavier spielen.Sein Kleingeld für die Sammlung verdient er als Komponist.

Über das Buch: Historische Spielzeugautos aus Österreich. Verlag Brüder Hollinek, 204 Seiten, 38 €. Vorbestellung direkt beim Verlag.

 

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