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Sex in der Freizeit
11/17/2021

Liberal City Index: Das sind sexuell offene Städte

Der „Liberal City Index“ bildet die sexuelle Offenheit von Großstädten ab. Welche Orte liegen vorne? Und wo rangiert Wien?

von Gabriele Kuhn

"Wir sind in die Welt gevögelt und können nicht fliegen“: Ein bekannter Satz des Enfant-terrible-Poeten Werner Schwab, der unterschiedliche innere Bilder erzeugt. Melancholische, und vielleicht auch philosophisch-existenziell angehauchte. Nun, nahezu jeder Mensch ist das Ergebnis eines sexuellen Akts (außer wir sprechen von künstlicher Befruchtung) – und trotzdem existieren immer noch so viele Denkgefängnisse, die Sexualität betreffend. Von freiem „Fliegen“ im Sinne von Großzügigkeit und Toleranz wenig Rede – stattdessen jede Menge alte Glaubenssätze, Überholtes, Gedanken-Enge.

Das alles fiel mir ein, als ich dieser Tage etwas über den „Liberal City Index“ las – der (als Ergebnis einer Studie) Aufschluss über die „sexuelle Offenheit“ internationaler Großstädte geben soll. Doch was bedeutet genau „offen“? Im Rahmen der Erhebung spielen insgesamt 14 Kriterien eine Rolle, wie zum Beispiel die Häufigkeit queerer Events oder Bars, ebenso wie die Anzahl der Sexshops oder der Umgang mit sexueller Diskriminierung, um nur einige Beispiele zu nennen. Wer sich, wie ich, durch das Ranking klickt, erlebt viele „Eh klar“-Momente: Dass New York auf Platz 1 der Liste liegt, ist ebenso wenig verwunderlich wie Berlins Rang 3. Köln auf Platz 2, hm, interessant – gut, ich kenne die Stadt zu wenig. Weit vorne liegen naturgemäß Städte wie Los Angeles, San Francisco, Madrid, London, Paris. Und Wien? Keine Sorge, wir sind auch dabei – allerdings auf Platz 19 (von insgesamt 25 Plätzen). Aber immerhin: Wien, Wien, nur du allein, sollst die Stadt unserer sexuellen Träume sein.

Buntes Kaleidoskop

Signifikant ist jedenfalls die Dominanz europäischer und amerikanischer Städte, abgesehen von Sydney, Melbourne und Santiago de Chile. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass das Ranking in diesem Index auch mit so genannten „queeren Großveranstaltungen“ in Verbindung steht. Davon braucht es mindestens drei offizielle und legale Events – und davon hat Wien ja doch einige. Etwa die „Vienna Pride und Regenbogenparade“, den „Diversity Ball“, den „Regenbogenball“ oder aber die Vienna Fetish Week. Das steht dieser Stadt sehr gut, zumal es unendlich wichtig ist, anzuerkennen, dass in puncto sexueller Orientierung kein Schwarz-Weiß-Bild existiert, sondern ein buntes Kaleidoskop an Möglichkeiten.

Denn was beim Sex als bereichernd erlebt wird oder individuell gefällt, ist bei jedem Menschen anders. Und so ist „Normalität“ dann auch ein sehr weit gefasster, dehnbarer Begriff, den wir eben nicht nur auf das übliche Narrativ herunterbrechen können. Sex ist einfach zu schön, um ihn in einen Käfig zu sperren und zu domestizieren. Umso wichtiger ist es daher auch, das eigene innere sexuelle Skript zu kennen, abseits der üblichen Vorstellungen, wie „Sex geht“ – im Sinne von sich verknallen, dann schmusen, irgendwann ziehen sich zwei aus, küssen und streicheln einander, Penis rein in die Vagina, Orgasmus (oder auch nicht) – fertig. Immer weiter, immer fort, weil’s halt so ist und immer so war. Sexuelle Skripte entwickeln sich, als Ergebnis vieler Erfahrungen, auch in frühester Kindheit. Sie sind das Ergebnis dessen, wie Körperlichkeit erlebt wurde, wie wir in Beziehung waren, wie wir als „Berührungswesen“ angenommen wurden. Später dann gesellen sich Erfahrungen mit anderen Menschen, neue Erlebnisse, unterschiedliche Reize dazu – irgendwann wird klar: Das mag ich. Das mag ich nicht. Das brauche ich zusätzlich. Danach sehne ich mich. Das ist bei jedem anders und wunderbar facettenreich, folglich gibt’s kein richtig oder falsch, so lange dabei niemand anderer Schaden nimmt.

 

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