Wo Frauen oder Männer besser gebildet sind

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Ein neues Online-Tool bildet die Lebensrealitäten von Frauen und Männern in Österreich ab.

Wollte man polemisch sein, könnte man sagen: Der Stellenwert, den Frauen in diesem Land haben, spiegelt sich auf Wiens Straßen – ganze fünf Prozent tragen den Namen mehr oder weniger berühmter ÖsterreicherINNEN. Was die Zahl der BürgermeisterINNEN betrifft, schaut es mit knapp sechs Prozent ähnlich aus.

Wer jetzt sagt: "Selber schuld, hättens’ was G’scheites gelernt", liegt so was von falsch. Längst sind es die Frauen, die zwischen Feldkirch und Rust, zwischen Zwettl und Hermagor im Schnitt besser gebildet sind als die Männer.

Woher die Autorin dieser Zeilen das weiß? Sie hat sich ein Bild über die Ungleichheit in diesem Land gemacht – und zwar im genderATlas, der gestern an der Universität Wien im Rahmen der Fachtagung "Warum Gleichstellungspolitik einen genderATlas braucht" präsentiert wurde.

Visualisierung

Vor zwei Jahren hat Manuela Schmidt von der Forschungsgruppe Kartografie der TU Wien nach "Genderatlas" gegoogelt, "weil ich das aus der Schweiz kannte".

In Österreich Fehlanzeige! Also beschloss sie, gemeinsam mit Kollegen, darunter das Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien, eine zentrale Stelle für genderrelevante Daten zu schaffen. Schmidt ist dabei für die Visualisierung der Lebensrealitäten von Frauen und Männern zuständig.

Wer sich durch die Karten des Prototyps des Onlineatlas klickt, erfährt, in wie vielen Gemeinden es Bürgermeister und in wie wenigen Bürgermeisterinnen gibt; wie viele Prozent der Wiener Straßen nach Männern benannt sind und wie wenige nach Frauen; und in welchen Regionen Österreichs junge Frauen und Männer besonders gut gebildet sind (siehe Grafik unten).

Stand der Gleichberechtigung per Mouseklick

Sechs Beiträge aus den Themenbereichen Bildung, Mobilität und Politik sind bisher verfügbar – darunter Karten zu Studienwahl und Teilzeitquote. Schmidt: "Die große Stärke des modernen Online-Tools ist es, dass jeder gleich in seine Heimatgemeinde hinein klicken und sich über den Stand der Gleichberechtigung schlau machen kann."

Gerade am Land seien die Rollenbilder oft noch festgefahren, weiß Theresia Oedl-Wieser von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen. "Die Gender-Kompetenz im regionalen Raum ist mitunter gering." Mit der Visualisierung bleibe das Thema besser im Blick – im wahrsten Sinn des Wortes. "Gender-Statistiken machen die drängendsten, gesellschaftlichen Herausforderungen sichtbar und es wird leichter, Entscheidungen zu treffen".

"love map" will dem "ersten Mal" auf den Grund gehen

Das Projekt genderATlas solle auch ständig erweitert und weiterentwickelt werden. Input willkommen, wie sich im dazugehörigen Blog zeigt. Dort findet sich eine mit Herzerl aufgeladene "love map", die dem "ersten Mal" auf den Grund gehen will. Das sei, steht dort zu lesen, "zweifelsohne ein besonderes Erlebnis, an das sich viele Personen ihr Leben lang erinnern", heißt es zur Erklärung auf der Site. "Es ist aber auch ein Thema, über das man nach wie vor kaum spricht und von dem wenig bekannt ist – das muss aber nicht sein! Mit dieser Umfrage wollen wir diese Informationslücke schließen. Bitte setze dafür den Marker an den Ort, wo du dein erstes Mal hattest, und beantworte den kurzen Fragebogen. Der Punkt erscheint dann auf der Karte, deine Antworten sind jedoch nicht sichtbar. Der Fragebogen ist anonym und alle Informationen werden absolut vertraulich behandelt."

Man sieht: Gender wendet sich an beide Geschlechter. Trotzdem: In der Fachtagung saßen gut 80 Prozent Frauen.

Grafik

(kurier) Erstellt am
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