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Leben
07/24/2019

Frauen in den Bergen: Die ersten Rock-Stars

Ausstellung: Die Pionierinnen auf dem Glockner mussten mehr als nur die Schwerkraft überwinden.

von Uwe Mauch

„Unter der hiesigen Damenwelt scheint in Frau von Frey eine echte Bergkönigin erstanden zu sein“, notiert man in der Salzburger Zeitung vom 25. August 1869 ein wenig schwülstig. Tatsächlich dürfte Anna von Frey wenige Tage zuvor mit ihrem Gemahl den Großglockner bestiegen haben. Der Herr von Frey: ein vermögender, im Salzburger Vereinsleben gut verankerter Adeliger.

„Anna von Frey war nicht die Erste“, betont die Kunsthistorikerin Sibylle Kampl. Sie hat für die Ausstellung „Berg, die“ (siehe rechts) alte Quellen durchforstet – und Erstaunliches festgestellt.

Die englische Aristokratin Mary Whitehead war wenige Wochen zuvor von Kals aus aufgestiegen. Im Glocknerbuch im Kalser Wirtshaus hat sie festgehalten, dass sie „sehr zufrieden mit den beiden Bergführern“ war.

In Kooperation mit Veronika Raich, die im Museum des Österreichischen Alpenvereins in Innsbruck arbeitet, fand Kampl noch viel Besseres heraus: Die beiden Aristokratinnen dürften nicht die ersten Frauen auf dem Glockner gewesen sein. Laut Einträgen in die Gästebücher der Wirtshäuser in Kals und Heiligenblut sowie lokalen Berichten haben Jahre zuvor einheimische Frauen den Gipfel bezwungen. Sidonie Schmidl zum Beispiel. Sie soll am 21. September 1857 laut Zeitung Carinthia mit Burschen aus Heiligenblut den Glockner bestiegen haben, sie wird daher „Glocknerfrau“ genannt. Während ihr Erfolg angezweifelt wird, ist der Aufstieg von Elisabeth Hanser am 30. Juni 1868 in einem Buch so dokumentiert: „Die Gletscherspitze bestiegen über die Adlersruhe.“

Über die adelige Bergsteigerin Anna von Frey heißt es auch: „Es ist die Kühnheit und die Ausdauer zu bewundern, mit welcher Frau von Frey sich den Gefahren und Mühseligkeiten einer derartigen Bergbesteigung aussetzte.“

Die Pionierinnen am Berg hatten nicht nur die Schwerkraft, sondern auch gesellschaftliche Widerstände zu überwinden, auch von Ärzten: „Sie haben nicht die Kraft!“ – „Klettern verändert Ihr Aussehen!“ – „Sport vermännlicht, entfremdet vom Muttersein!“ – „Die Farbe in Ihrem Gesicht ist nicht salonfähig!“ – „Überanstrengung kann lebenslange irreversible Schäden nach sich ziehen!“

„Zottelhexe“

„Bergweib“, „Zottelhexe“: die Unkenrufe kamen auch von Frauen. Und die Mütter warnten ihre Töchter: „Du findest keinen Mann mehr.“ Den Frauen, die auch für ihre politischen Rechte eintraten, wurden Prügel vor die Beine geworfen, so Sibylle Kampl. „Sie fanden nur schwer kooperative Bergführer. Und wer mit einem fremden Mann loszog, wurde geschmäht. In der Wand störten zudem Stöckelschuh und langer Rock.“

Veronika Raich betont: „Frauen durften niemals als Seilerste klettern. Und hatten sie es endlich geschafft, wurde ihre Leistung öfters nachträglich aberkannt.“

Dabei brachten die Frauen neue Geschichten mit ins Tal: Während Männer nur ihren „Gipfelsieg“ im Auge hatten, reflektierten sie auch das Leben in den Bergen.

Alle Infos zur Ausstellung

Berg, die: Die Dauerausstellung über die ersten Glockner-Bezwingerinnen wird im Besucherzentrum an der Großglockner Hochalpenstraße auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2369 Meter über dem Meer) gezeigt. Sie trägt den Titel „Berg, die – Frauen im Aufstieg, 150 Jahre Frauen am Großglockner“.

Besucherzentrum, das: Das Besucherzentrum   hat im Sommer von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist in der Maut für die Staßenbenutzung inkludiert: für Pkw 36,50 €; Motorrad 26,50 €; Fahrrad gratis.

Beruf Bergführerin: „Dem Berg ist es  egal, wer auf ihn hinauf will“

Interview. Elisabeth Fürstaller sieht sich auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen

Für die gebürtige Salzburgerin Elisabeth Fürstaller, die heute in Kärnten wohnt, ist der Großglockner im Sommer ihr Arbeitsplatz. Woche für Woche führt sie Gruppen hinauf zum Gipfel. Zwischen zwei Bergtouren fand sie kurz Zeit für dieses Interview.

KURIER: Sie sind eine von 27 registrierten Bergführerinnen in Österreich – neben 1391 Bergführern. Sind unsere Berge weiterhin in Männerhand?

Elisabeth Fürstaller: Ich tu’ mir bei der Beantwortung dieser Frage echt schwer, weil sie sich mir nie gestellt hat.

Warum nicht?
Mein Vater war Bergführer. Ich ging mit ihm von klein auf in die Berge. Ich hatte dabei nie das Gefühl, dass ich nicht willkommen gewesen wäre. Später hatte ich wohl hauptsächlich männliche Alpin- und Seilpartner. Aber nur deswegen, weil es wenig oder keine Mädels in meiner Umgebung gab, die dieselbe Leidenschaft, denselben Ehrgeiz und die oftmals psychische sowie physische Motivation mitbrachten.

Ist der Berg weiblich, wie es in der neuen Ausstellung heißt?
Dem Berg ist es egal, wer auf ihn hinauf will. Er verbietet weder Frau noch Mann eine Besteigung, Mann oder Frau muss es einfach nur tun.

Das heißt: Sie sehen sich beim Bergsteigen gleichberechtigt?
Wichtig ist doch, dass man bei allem, was man tut, seinen Weg geht, seine Leidenschaft auslebt, vielleicht persönliche Grenzen abtastet, einander respektiert und niemanden gefährdet. Auch nicht sich selbst. In meinem Job bin ich sowieso sozusagen geschlechtslos. Schließlich darf der Gast bei mir ebenso viel Sicherheit erwarten wie bei meinen Kollegen.

Wer hat Sie als Bergführerin ausgebildet: auch Frauen?
Das waren schon Männer. Aber es gibt heute auch Frauen im Ausbildungsteam.

Frauen in den Bergen: Stimmt es, dass sie mehr werden?
Keine Ahnung. Ich freue mich über jedes Gesicht, das ich am Berg sehe. Es ist ein Geschenk von ganz oben, sich selbst dorthin zu bringen.

Macho-Sprüche über Frauen in den Bergen – gibt es die noch?
Klar gibt es die, aber ohne die wäre es doch langweilig.

Was ist schön an Ihrem Beruf?
Dass er für mich Leidenschaft bedeutet.  Und dann bin ich froh, wenn ich nach jeder Tour g’sund, zufrieden und hundemüde zu meiner Familie zurückkehren kann.

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