Leben
17.12.2011

family-coach: Gemüsesticks statt Chips

Ernährung. Wie lässt sich gesunde Ernährung in den Alltag einbauen und müssen sich Eltern sorgen, wenn ihr Kind einmal nichts isst?

Familie Berger sitzt beim gemeinsamen Mahl: „Heute will ich nichts zu essen“, verkündet die 12-jährige Nora. „Du musst doch etwas essen, wenigstens eine kleine Portion“, entgegnet ihre Mutter besorgt.

Müssen sich Eltern Sorgen machen, wenn das Kind plötzlich das Essen verweigert? „Das Problem ist in den meisten Fällen nicht, dass Kinder zu wenig , sondern dass sie zu viel von den falschen Dingen essen“, sagt KURIER Familycoach Martina Leibovici-Mühlberger. Immerhin sind etwa 20 % aller Kinder und Jugendlichen in Österreich übergewichtig. Ungesunde Ernährung kann auch der Grundstein für spätere chronische Leiden wie Diabetes sein. „Es sollte nicht darauf geachtet werden, dass es möglichst viel zu essen gibt, sondern von welcher Qualität es ist“, betont Leibovici.

Aktiv werden

Oft gerät die regelmäßige und ausgewogene Ernährung von Kindern aus den Fugen, weil sich viele Eltern nicht als Maßstab oder Vorbild in Sachen Ernährung sehen und alles geschehen lassen. „Viele Kinder besuchen eine Ganztagsschule, bekommen Geld von zu Hause mit und holen sich in der Pause dann eine Schnitzelsemmel“, erklärt Leibovici. In den meisten Schulen bleibt dann das gesunde Buffet unangetastet, während die Automaten mit Schokolade und Chips fast immer leer sind. „Das Überangebot an ungesunden Dingen führt uns schon im Kinderalter in diesen Sog, aus dem wir dann später, als Erwachsene, nur mehr schwer herauskommen“, sagt Leibovici. Die Expertin ist sich sicher, dass das spätere Essverhalten auch davon abhängt, welche Esskultur Kinder zu Hause erleben. Sie orientieren sich an ihren Eltern und ahmen nach, was sie sehen. „Wenn Mama und Papa ohne Maß und Ziel fette und süße Sachen hineinstopfen, wird es für das Kind ganz normal“, meint der Familycoach.

Dabei ist es gar nicht so schwierig, gesunde Ernährung in den Alltag zu integrieren. Man muss sich nur Zeit dafür nehmen und sich seiner Vorbildwirkung bewusst sein. „Kinder sollten einbezogen werden, ich kann also fragen: „Wie viel willst du?“, bevor ich einfach einen Haufen auf den Teller schütte“, rät die Expertin.

„Essen sollte in der Kindererziehung weder als Druck- noch als Belohnungsmittel verwendet werden“, sagt Ernährungswissenschafterin Andrea Lehner von der Give-Servicestelle für Gesundheitsbildung. Wenn ein Kind immer wieder zum Essen gezwungen wird, wird es ihm irgendwann schwerfallen, seine eigenen Hungersignale selbst richtig zu deuten.

Ein guter Tipp ist auch, Kinder vor dem gemeinsamen Essen, bei den Vorbereitungen, mitmachen zu lassen. Wenn sie beim Kochen helfen dürfen und selbst Gemüse schneiden, bekommen sie automatisch einen ganz anderen Bezug zum Essen und haben durch ihre Tätigkeit nebenbei auch ein Erfolgserlebnis.

Appetitlosigkeit

„An und für sich ist es aber ganz normal, wenn Kinder einmal mehr und einmal weniger Appetit haben“, sagt Lehner. Wenn im Leben des Kindes irgendwelche Veränderungen oder besondere Dinge stattfinden, kann es sich auch auf das Essverhalten auswirken. Wenn Kinder generell zu wenig Bewegung machen, und dadurch zu wenig Energie verbraucht wird, kann es sein, dass am Abend kein Appetit da ist. „Zum Essen zwingen sollte man niemanden, denn sonst wird es auf Dauer auch für das Kind selber schwierig, das eigene Sättigungsgefühl zu deuten“, betont Lehner. Eine ernährungswissenschaftliche Regel besagt, dass ein Kind eine Speise mindestens sieben Mal kosten muss, bevor es sagen kann, ob sie ihm schmeckt oder nicht.

Wenn eine Familie das gemeinsame Essen in ihren täglichen Tagesablauf einbaut und daraus eine Art Ritual macht, wirkt das förderlich für die positive Einstellung der Kinder zur Ernährung. Neben dem gemeinsamen Abendessen und der damit verbundenen familiären Kommunikation brauchen Kinder am Morgen genügend Nährstoffe, damit sie fit für die Schule sind. Ein ausgewogenes Frühstück und eine nahrhafte Jause in der Schulpause füllen den Energiespeicher wieder auf und erleichtern es dem Kind, sich zu konzentrieren.

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