Leben
07.03.2012

Falsche Fährte bei Anonymous-Jagd

Wiener Polizei-Ermittlungen, die zu Razzia bei Unschuldigem führten, weisen grobe Mängel auf.

Am 26. Januar stürmte die Wiener Polizei auf der Suche nach einem AnonAustria-Mitglied die Wohnung eines Unschuldigen. Zunächst herrschte Rätselraten, wie der Betroffene, Michael R., überhaupt zum Verdächtigen werden konnte. Aus dem Ermittlungsakt, der der futurezone vorliegt, geht hervor, dass bei den polizeilichen Recherchen schlampig und mit Unkenntnis banaler Internet-Gepflogenheiten vorgegangen wurde. Die Grünen bringen indes eine Parlamentarische Anfrage zu dem Fall ein.

"Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" identifizierte die Wiener Polizei Michael R. als "The_Dude", eines der führenden AnonAustria-Mitglieder. Als Indiz wurde etwa ein Tweet herangezogen, der Michael R. in die Nähe einiger rechtsradikal anmutender Botschaften von The_Dude rückte: "OH: Ich habe alle meine Geräte nach altgermanischen Göttern benannt". Was die Beamten offenbar nicht wussten, ist, dass "OH" für "overheard" steht. Michael R. drückte damit aus, eine Äußerung mitgehört zu haben.

Außerdem schien die Polizei von der Hacker-Aktivität Michael R.s überzeugt, da dieser Kenntnis über die Methode "SQL injection" besaß, eine beliebte Angriffs-Technik von Anonymous, die allerdings Grundwissen für jeden IT-Spezialisten darstellt. Die beschriebenen Ermittlungs-Mängel sind nur zwei Auszüge aus dem Akt.

Parlamentarische Anfrage

Auch seitens der Politik gibt es Kritik an der Ermittlungsarbeit der Polizei in der Causa Anonymous. So werden die Grünen am heutigen Mittwoch eine Parlamentarische Anfrage zu dem Fall einbringen. "Wir haben das Thema aufgegriffen, weil es zeigt, wie schnell unschuldige BürgerInnen ins Visier der Überwachungsmaschinerie kommen können. In einem gefährlichen Cocktail aus Unkenntnis und bewusster Ungenauigkeit durch die Polizei wird ein Verdacht zusammen gezimmert", sagt Albert Steinhauser, Justizsprecher der Grünen, zur futurezone.

Einen ausführlicheren Bericht über den Fall lesen Sie auf futurezone.at.