Leben 01.03.2015

Die Katze geht fremd, der Hund verbellt den Postler

Leserfragen. Katzen lassen sich durch Futter locken, Hunde lassen sich erziehen.

Die kranke Katze lässt sich von der Nachbarin verführen und bekommt damit ihre Medizin nicht mehr regelmäßig. Der brave Hund verteidigt Haus und Garten über Gebühr und feindet den Briefträger extrem an. Das KURIER-Tiercoach-Team steht besorgten Leserinnen und Lesern mit Rat zur Seite:

Meine 13-jährige Katze hat einen Herzfehler und braucht täglich Medikamente. Seit mehr als einem Jahr hat meine Nachbarin meine Katze in Besitz genommen. Mündliche und schriftliche Bitten, die Katze nicht zu füttern, blieben erfolglos. Die Katze kommt nur mehr sporadisch nach Hause. Ich habe keine Chance, ihr die Medikamente regelmäßig zu geben. Mit welchen Mitteln könnte ich die Katze wieder an ihr Zuhause gewöhnen? Würden eine paar Tage Hausarrest nützen?

Das ist eine sehr verzwickte Situation. Hausarrest wird keinen Erfolg bringen. Katzen sind im Vergleich zu Hunden nicht so extrem auf Menschen fixiert, sondern gehen dorthin, wo es ihnen gerade passt. Wenn Ihre Nachbarin sie mit Futter lockt, ist es schwer, die Katze an sich zu binden. Viele Katzen ziehen um, wenn es ihnen woanders – aus welchen Gründen auch immer – mehr zusagt. Vielleicht besteht die Möglichkeit, noch einmal mit der Nachbarin zu sprechen, dass sie ihr die Medikamente verabreicht.

Unsere Tochter hat einen drei Jahre alten PON. Der Polski Owaczarek Nizumny ist auch oft bei uns. Der Rüde folgt brav. Ganz außer sich gerät er aber, wenn sich irgendwer dem Haus nähert. Beim Briefträger ist es am ärgsten. Haben Sie einen Tipp, wie wir dieses Verhalten in Griff bekommen können?

Der PON gehört zu den Hüte- und Herdenwachhunden. Sein Verhalten ist ein Produkt jahrelanger Zuchtselektion und deshalb sehr schwer abzutrainieren. Die besten Erfolge werden Sie mit viel Training, Konsequenz und dem Eintrainieren von Ersatzhandlungen erreichen: Zunächst muss das Klingeln für Ihren Rüden zu einem Signal werden, auf einen bestimmten Platz zu gehen. Das können Sie ohne Helfer trainieren. Dann steigern Sie den Schwierigkeitsgrad, indem andere Personen klingeln. Ziel dieser kleinen Teilschritte ist, dass Ihr Rüde nicht überfordert wird, und sich das neue Verhalten festigen kann. Das lässt sich auch auf den Garten übertragen. Manchmal ist es für einen Hund sehr schwer, auf einen Platz zu gehen und dort abzuliegen – dann können sie als Ersatzhandlung das Aufnehmen eines beim Klingeln geschmissenen Futterbeutels trainieren. Dieser soll dann auf einen bestimmten Platz gebracht werden, und dort wird Ihr Rüde dann aus diesem Beutel belohnt. Die Zeit bis zur Belohnung können Sie schrittweise steigern.

( Kurier ) Erstellt am 01.03.2015