Bartender des Jahres Yannik Seeber: Mehr als nur Cocktails mixen
Vor fünf Jahren wusste Yannik Seeber kaum etwas über Cocktails. Heute zählt der 27-Jährige als Austria Bartender of the Year 2026 zur Spitze der heimischen Barszene.
Von Anna Rosner
Es war ein Zufall, der alles veränderte. 2021 betrat Yannik Seeber zum ersten Mal die Liquid Diary Bar in Innsbruck – eigentlich, um Gläser zu spülen. Doch was als Nebenjob gedacht war, wurde zur Berufung. Fünf Jahre später steht er in Rotterdam als „Austria Bartender of the Year 2026“ auf der Bühne. Ein Titel, den er sich durch harte Arbeit, Disziplin und unzählige Stunden hinter der Bar erarbeitet hat.
Als Seeber seinen ersten Arbeitstag im Service antrat, wusste er, wie er heute lachend erzählt, nicht einmal, was ein „Prosecco on the Rocks“ ist. Doch er war neugierig. Der Aushilfsjob entwickelte sich schneller als erwartet zu einer Leidenschaft.
Seeber bei der Siegerehrung in Rotterdam Ende Juni.
©ALBERT VAN BEECK CALKOENHinter der Bar fand er das, was ihm bis dahin gefehlt hatte. Er lernte von Kolleginnen und Kollegen, probierte aus, stellte Fragen und tauchte immer tiefer in die Welt der Cocktails ein. Bereits eineinhalb Jahre später kreierte er seine eigenen Drinks. Anfang 2024 übernahm er die Barleitung im Adlers Hotel.
Verantwortung
Gleichzeitig schrieb der gebürtige Bayer an seiner Bachelorarbeit in Erziehungswissenschaften. Den Abschluss wollte er nicht offenlassen, obwohl längst klar war, wohin es ihn ziehen würde. Zu Hause fühlte er sich hinter der Bar. Dort fand er Menschen, die ihn förderten und inspirierten, und Freunde, die ihn bis heute begleiten.
Was Seeber heute auszeichnet, ist nicht nur sein technisches Können. Für ihn ist Barkeeping mehr als das Mixen von Drinks. Für ihn geht es nicht darum, Gäste zum Trinken zu animieren, sondern darum, Momente zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben. „Als Barkeeper hat man auch Verantwortung“, sagt der 27-Jährige. Wer erfolgreich sein will, müsse Gastgeber sein, die Balance zwischen Nähe und Professionalität finden und vor allem eines: authentisch bleiben. „Die Gäste spüren sofort, ob man nur eine Show abzieht oder wirklich hinter dem steht, was man tut.“
Unzählige Gespräche hinter der Bar und der ständige Austausch in der Barcommunity haben ihn gelehrt, dass ein guter Cocktail nur so gut ist wie die Geschichte, die dahintersteht – und die Person, die sie erzählt. Seebers Zugang zur Cocktailkunst ist bewusst puristisch. „Classics sind Classics, weil sie auf das Wesentliche reduziert sind. Genau deshalb funktionieren sie.“ Für ihn liegt die Qualität eines Drinks nicht in der Anzahl der Zutaten oder spektakulären Effekten, sondern in der Präzision. Jeder Handgriff, jede Zutat, jede Sekunde des Rührens oder Schüttelns muss sitzen.
Perfektion
Sein persönlicher Favorit? Ein Dry Martini, der wie kein anderer die Kunst der Reduktion verkörpert. Doch seine Leidenschaft geht weit darüber hinaus. Er hat sich eine fast wissenschaftliche Herangehensweise angeeignet, um Rezepturen, Techniken und Spirituosen zu analysieren und zu perfektionieren. „Der Teufel liegt im Detail“ – ein Satz, der Seebers Arbeitsweise perfekt beschreibt.
Vanilla Sky - Rezept
So sieht der Cocktail Vanilla Sky aus, wenn er richtig gemacht wurde.
©Diageo Bar AcademyZutaten:
- 30 ml Johnnie Walker Black Ruby
- 10 ml Vanille-Sherry (Mischung aus Pedro Ximénez Sherry und Oloroso Sherry, mit einer ganzen Vanilleschote angereichert)
- 10 ml Beeren-Destilat (am Rotationsverdampfer aus Wodka und frischen Beeren destilliert)
- 20 ml Beeren-Oleo Saccharum
- 20 ml Limettensäure
- Topping: Vanille-angereicherter Champagner-Cocktail-Schaum
Zubereitung:
- Glas mit frischen Eiswürfeln füllen.
- Alle Zutaten in einen Cocktailshaker geben.
- Den Shaker mit Eis füllen und etwa 10–12 Sekunden kräftig shaken.
- Doppelt (Fine Strain) über frische Eiswürfel in den Tumbler abseihen.
- Für den Schaum 200 ml Flüssigkeit (50 ml mit Vanille aromatisierter Sirup mit 150 ml Wasser verdünnt) und 1–2 g Sojalecithin vermischen.
- 5–10 Minuten ruhen lassen, damit sich das Lecithin vollständig hydratisiert.
- Mit einem Stabmixer knapp unter der Oberfläche mixen. Dabei wird Luft eingezogen und es entstehen feine Blasen.
- Etwa 30–60 Sekunden warten, bis sich eine stabile Air-Schicht gebildet hat.
- Mit einem Löffel vorsichtig auf den Cocktail setzen.
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