Weltbestes Restaurant: Noma-Chef tritt nach Gewalt-Eklat zurück
René Redzepi, Chef des Sternerestaurants Noma, zieht nach Gewaltvorwürfen und öffentlichen Protesten Konsequenzen und tritt ab.
Er soll jahrelang Mitarbeiter geschlagen, angebrüllt und gemobbt haben: René Redzepi, Chefkoch und Mitgründer des Kopenhagener Sternerestaurants Noma, tritt nach Berichten über Gewalt in seiner Küche und Protesten zurück.
"Es tut mir leid, dass ihr alle in dieser Situation seid", hört man Redzepi in einem Video vor Mitarbeitern sagen. Der Clip wurde am Donnerstag auf Instagram veröffentlicht (siehe unten).
"Ich weiß, wie ich gewesen bin"
"Ich habe daran gearbeitet, ein besserer Chef zu sein", fährt er fort. Eine Entschuldigung allein reiche jedoch nicht. "Ich weiß, wie ich gewesen bin."
Seitdem die New York Times vor einigen Tagen über die Gewalt- und Mobbingvorwürfe berichtet hat, schlugen die Vorfälle hohe Wellen. Redzepi sagte im Video, er wolle wegen der Aufmerksamkeit um seine Person Verantwortung übernehmen und zurücktreten. Die Führung überlasse er seinem Führungsteam. Außerdem sei er aus dem Vorstand von MAD, der von ihm 2011 gegründeten gemeinnützigen Organisation ausgeschieden.
Frühere Mitarbeiter werfen dem Dänen physische und psychische Gewalt vor.
Aktuell plante der Chefkoch ein Pop-up-Lokal in Los Angeles mit Preisen von 1.500 Dollar pro Person. Vor der Location protestierten Aktivisten, ehemalige Mitarbeiter und Redzepis ehemaliger Chef des Fermentationslabors.
Der frühere Chef von Nomas Fermentationslabor Jason Ignacio White (Mitte) protestierte mit Aktivisten und Restaurantangestellten vor Rene Redzepis Pop-up in Los Angeles.
©APA/AFP/APU GOMESGewalt und Drohungen gegen Angehörige
Zwischen 2009 und 2017 soll Redzepi Mitarbeitern ins Gesicht geschlagen, sie mit Küchenutensilien gestochen und gegen Wände geschleudert haben. Er soll Mitarbeitern gedroht haben, seinen Einfluss zu nutzen, um sie in Restaurants auf der ganzen Welt auf die Blacklist zu setzen, ihre Familien auszuweisen oder ihre Partner aus anderen Jobs feuern zu lassen.
Organisierte Demütigungen waren Alltag
Ein ehemaliger Koch schildert der Zeitung einen Fall, in dem Redzepi wütend gewesen sei, weil jemand Techno-Musik in der Küche gespielt habe. Daraufhin hätten etwa 40 Mitarbeiter draußen einen Kreis um zwei Köche bilden müssen. Redzepi habe einen der beiden in die Rippen geschlagen und gesagt, niemand dürfe zurück ins Haus gehen, bis einer von beiden laut gesagt habe, er gebe DJs gern Oralsex.
Es ist nicht das erste Mal, dass Kritik an Redzepi öffentlich wird. Bereits 2015 hatte der Chefkoch zugegeben, ein "Ungeheuer" in der Küche gewesen zu sein und seine Angestellten gemobbt zu haben.
Redzepis Noma zählt zu den besten Restaurants der Welt und hat Kopenhagen als Food-Destination für nordische Küche auf die Landkarte gesetzt. Es wurde 2003 gegründet und erhielt drei Michelin-Sterne.
Auf dem Höhepunkt seines Ruhms 2023 verkündete Redzepi die Schließung von Noma. Er wolle sich seiner Testküche, den Kooperationen im Bereich Biotechnologie und den globalen Pop-up-Restaurants widmen.
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