Frühlingsküche mit Kichererbsen: Vom Markt auf den Teller
Jahrtausendealtes Soulfood: Ob als cremiger Hummus oder herzhafter Eintopf – diese runde Hülsenfrucht macht einfach alles mit.
Ein laues Mailüfterl weht, als ich an diesem Samstag über den geschäftigen Markt eile. Ich bewundere die Fliederzweige, die die Bäuerinnen in ihren Gärten gepflückt haben. Bei jedem Gemüsestand gibt es Spargel, der frische grasgrüne hat es mir zu dieser Zeit besonders angetan. Heute allerdings zieht es mich weiter – mir steht der Sinn nach einem Eintopf mit Kichererbsen.
Ich spaziere zu unserem Hofladen gegenüber, dem Bauern, und kann es nicht lassen, fünf verschiedene Sorten Äpfel in mein Körbchen zu legen. Wo sonst bekomme ich eine solche Apfelvielfalt? Drinnen lasse ich die Äpfel wiegen und bitte noch um ein Packerl Kichererbsen aus Österreich. "Gute Wahl", meint Frau Bauer. "Die kommen aus der Steiermark", sagt sie stolz. Ich muss schmunzeln – die Kichererbse, jahrtausendealte Weltreisende, ist also auch bei uns heimisch geworden.
Die kichernde Erbse
Im Café habe ich Glück, meine Mitarbeiterinnen in einem ruhigen Moment zu erwischen. Ich bekomme einen perfekt geschäumten Cappuccino serviert, dafür gibt es als Dank ein wenig Etymologie zur kichernden Erbse. "Hast du gewusst", frage ich Luisa hinter der Bar, "dass der Name vom lateinischen 'Cicer' kommt – Cicero soll seinen Beinamen von einer Warze an seiner Nase gehabt haben, die an eine Kichererbse erinnerte".
Tipp
Kichererbsen mindestens acht Stunden in kaltem Wasser einweichen und ohne Salz kochen.
Da rattert die Bonmaschine mit den unterschiedlichsten Kaffeebestellungen los und gibt mir zu verstehen, dass es Zeit ist, in die Küche zu gehen. Dort brät Adnan aus Syrien drei Portionen Spiegeleier. Wer, wenn nicht er, könnte mir Tipps geben? "Meine Mama hat Kichererbsen immer frisch gekocht, bei uns zuhause gibt es keine Dosenware", erzählt er mir. Dann beginnt er, mir von den verschiedensten Speisen mit Kichererbsen vorzuschwärmen, zum Beispiel Hummus mit Joghurt verrührt oder eine Schichtspeise mit Kichererbsen, Joghurt-Tahinsauce und gebratenem Fladenbrot. "Immer ein wenig vom Kochwasser verwenden", gibt er mir augenzwinkernd als Tipp mit, "das gibt eine schöne Bindung".
Zuhause weiche ich die Kichererbsen gleich ein, damit wir sie am Abend kochen können. So haben wir genug Zeit für einen gemütlichen Spaziergang mit Freundinnen auf den Nussberg in Grinzing. Wie schön, wenn die Heurigensaison im Freien wieder beginnt, es lebe der Frühling! Gut gestärkt, schnappe ich mir den marktfrischen, frühlingsbunten Mangold und schnippsle drauflos. Die frisch gekochten Kichererbsen sind herrlich nussig, ein wenig Kochwasser gibt schöne Sämigkeit, Zimt macht das Gericht heimelig. Die Joghurt-Tahinsauce ist von Adnan inspiriert, die gebackenen Paradeiser geben Säure und Fruchtigkeit – der Ottolenghi-Moment, den ich insgeheim erhofft habe. Dazu ein frischer Weißwein vom Nussberg, ich kann nur sagen: Auf die Kichererbse!
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