Bild aus dem Buch "Der lange Schatten von Tschernobyl" von Gerd Ludwig (Edition Lammerhuber)

© Gerd Ludwig

Tschernobyl-Jahrestag
04/25/2014

Eine Liquidatorin hofft auf das Ende der Atomkraft

Die Ärztin und Liquidatorin Nataliya Tereshchenko berichtete in Wien über ihren Leidensweg, von der Katastrophe bis heute.

von Martin Burger

Der Besuch der Liquidatorin beginnt wie viele Besuche. Mit einem Händedruck. Für Nataliya Tereshchenko nur eine schmerzhafte Erfahrung mehr. "Ich habe mir vor vier Monaten die rechte Hand gebrochen. Die Verletzung verheilt nicht richtig, ich kann nicht einmal ein Glas Wasser heben." Dennoch hält die Laborärztin, die nach dem Atomunfall von Tschernobyl im verstrahlten Gebiet im Einsatz war, jedem, der sie begrüßt, tapfer die Hand hin.

Vielleicht liegt die Schmerzgrenze bei einem Menschen höher, der aufgrund der Verstrahlung zig Operationen hinter sich hat. Für die Lehrer und Schüler des Schulzentrums in der Ungargasse in Wien 3 beißt die 63-Jährige die Zähne zusammen. Sie erzählt hier, auf Vermittlung der Global-2000-Hilfsaktion "Tschernobyl-Kinder" ihre Geschichte, "damit die Jungen verstehen, wie gefährlich Atomenergie ist, auch wenn man die Strahlung nicht sieht."

Am 26. April jährt sich die Katastrophe im ukrainischen Atommeiler zum 28. Mal. Tereshchenko war 33 Tage lang der Strahlung ausgesetzt. Sie war nach der Explosion des Reaktors vom Kriegskommissariat einberufen worden, um die jungen Männer zu behandeln, die die Folgen der Katastrophe zu "liquidieren" hatten. "Dass ich selbst zwei Kinder hatte, war ihnen egal." Tereshchenko nahm den Arbeitern Blut ab und kontrollierte den Verlust an weißen Blutkörperchen. Eine Schülerin, sie wurde zehn Jahre nach dem Atomunfall geboren, fragt: "Gab es gesundheitliche Folgen?" Ja, es gab welche. Nach der Rückkehr aus der Todeszone bildete sich ein Nerventumor auf der rechten Hand, "der so groß war, dass ich die Hand nicht mehr benutzen konnte". Bis heute leidet sie unter Kopfschmerzen und Herzbeschwerden. Aber sie hat überlebt, als eine von nur drei Frauen ihrer Brigade. Auch die Dolmetscherin Lidiya Utkina lebt, "im Gegensatz zu vielen Freunden". Utkina war zum Zeitpunkt des Atomunglücks elf Monate alt und lebte 500 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Erst am 6. Mai erfuhr ihre Familie vom Unglück. Die Feiertage hatten die Utkinas im Freien verbracht, während die radioaktive Wolke über ihnen schwebte. Elf Jahre danach erkrankte sie an Leukämie. Mithilfe der Umweltschutzorganisation Global 2000 wurde der heute 28-Jährigen die nötige Therapie finanziert.

Der Abschied der Frauen verläuft wie viele Abschiede, doch die Floskeln klingen nicht hohl: "Alles Gute – und bleibt gesund", meint Nataliya. Lidiya sagt, sie wisse, dass die Österreicher Atomkraft ablehnen: "Ein Glück".

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