Die Futtermischung aus dem Zoofachhandel kann mit grüner Kost ergänzt werden.

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Tiercoach
06/22/2014

Ein Strauß für den Vogel

Papagei & Co freuen sich über Futter aus der Natur. Worauf beim Pflücken zu achten ist.

von Hedwig Derka

Vögel sind Feinschmecker: In freier Wildbahn finden sie Beeren aller Art, naschen Samen und Früchte je nach Saison, zupfen an verschiedenen Blättern und halten sich an Zweigen schadlos. Die Natur stellt ihnen meist ein üppiges Speisesortiment bereit.

"Es gibt ein sehr reiches Angebot an Futterpflanzen, das auch für heimische und exotische Arten daheim gesammelt oder angebaut werden kann", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Vogelhalter: "Jeder sollte sich die Mühe machen, zumindest einige Pflanzen kennenzulernen." Schließlich gilt es nicht nur, die Tiere mit Futtermischungen aus dem Zoofachhandel satt zu bekommen. Gepflückte Nahrung bietet den Vögeln auch Abwechslung und Beschäftigung.

Die Expertin erklärt, welche grüne Kost goutiert und wie sie am besten beschafft und verarbeitet wird. Wer einen Ausflug ins Futterparadies unternimmt, hat einen Kunststoffbehälter mit Deckel dabei. Darin können schnell welkende Pflanzen schonend verpackt und bis in die Küche relativ frisch gehalten werden. Mit einem Faden lassen sich Kräutersträuße binden. Und in Folge zum Trocknen aufhängen. Die dünne Schnur sollte also bei der Grünzeug-Jagd nicht fehlen.

Bevorratung

Pflücken auf Vorrat ist sinnvoll. "Manches wächst nur zu bestimmten Jahreszeiten", sagt Schratter. Manches gedeiht nur an bestimmten Standorten. Pflanzen neben stark befahrenen Straßen und überdüngten Wiesen sind als Vogelfutter jedenfalls ungeeignet. "Natürlich darf man nur dort sammeln und graben, wo es erlaubt ist", schränkt der KURIER-Tiercoach das Gebiet weiter ein.

Hat das Grünfutter den Transport nach Hause überstanden, kann es in feuchtes Zeitungspapier gewickelt und für ein paar Tage im Kühlschrank gelagert werden. Samen und Beeren lassen sich durch Trocknen haltbar machen. Einfrieren, vor allem aber das Auftauen tut den wenigsten Früchten gut, sie werden gatschig und verlieren Saft. Insgesamt lautet das Motto: "Je frischer, desto besser."

Futtervorlieben müssen ausgetestet werden. "Nicht alle Vogelarten bevorzugen dieselben Pflanzen, nicht alle Individuen einer Art wollen dasselbe", sagt Schratter. Skeptische Papageien z. B. verweigern prinzipiell jedes neue Angebot. Wiederholte Versuche können ihnen das vorerst Ungewohnte doch schmackhaft machen.

Äste

"Es gibt eine Unmenge an Futterpflanzen", sagt Schratter. Und hebt zunächst Äste hervor: Vögel schätzen es, an Hasel- oder Weidenzweigen zu knabbern und an der Rinde von ungespritzten Obstbäumen.

Beeren

Beeren wie Sanddorn und Schneebeere und süßen Leckereien wie Erd- und Himbeeren können die wenigsten widerstehen. Auch Schwarzer Holunder kommt gut an. Hagebutten liegen bei großen Papageien im Stück im Napf, für kleine Vogelarten werden die vitaminreichen Früchte zerhackt.

Blumen

Bei den Blumen kann mit den Blüten und Blättern von Rotem und Weißem Klee nichts schiefgehen. Ausgewachsener gelber Löwenzahn blüht ebenfalls ohne Verwechslungsgefahr. Vorsicht besteht bei jungen Löwenzahn-Trieben: Zu viel von dem milchigen Saft kann bei Vögeln Durchfall verursachen.

"Vogelmiere ist die Futterpflanze schlechthin", sagt die Expertin. Das grüne Nelkengewächs kommt auf Äckern genauso vor wie auf Dachterrassen. Da Vogelmiere sehr schnell welkt, kann sie auch im Blumentopf angeboten und dann wieder auf das Fensterbrett gestellt werden. "Blüten, Samen, Blätter – da ist die ganze Pflanze nutzbar. Das mögen alle", sagt Schratter.

Im Gegensatz dazu sind bei der Schafgarbe nur die Samen beliebt. Der weiße Korbblütler kann als Strauß im Käfig hängen. Das Flur-"Unkraut" Beifuß sorgt bei Sittichen und Papageien für einen ausgewogenen Menüplan – von August bis November. "Menschen mit der Neigung zu Allergien sollten die Finger von Beifuß lassen", warnt die Biologin.

Gesundheit

Um die Gesundheit der Vögel nicht zu gefährden, sind Ernährungs-Experimente streng verboten. "Halter, die sich mit Pflanzen nicht so gut auskennen, müssen nachfragen oder nachlesen", sagt der KURIER-Tiercoach: "Im Zweifelsfall nehmen sie nur Löwenzahn, Klee und Holunder. Das kennt jeder."

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