Drei Österreich Chef Jan Trionow

© jürg christandl

Interview
03/27/2013

Drei: Für schnelles Internet mehr zahlen

Drei-Chef Jan Trionow will mit neuen Produkten 30 Prozent Marktanteil erobern.

Im Interview mit dem KURIER verspricht Drei-Chef Trionow ein besseres Netz für alle Kunden und warnt vor Quersubventionierung von Konkurrent A1 im Rahmen der Frequenzversteigerung.

KURIER: Drei ist durch den Orange-Kauf der drittgrößte Mobilfunker Österreichs. Gibt es eine Vorgabe des Mutterkonzerns in Hongkong, welchen Platz Sie erreichen müssen?
Jan Trionow: Der Platz als solcher ist für ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen nicht entscheidend. Aber mit der Schlagkraft, die wir nun haben, können wir weiterwachsen. In den kommenden drei Jahren wollen wir bis zu 30 Prozent Marktanteil.

Was wird sich für Drei- und Orange-Kunden ändern?
Es wird ein deutlich besseres Netz geben, indem die besten Dienste der Orange- und Drei-Welt kombiniert werden. Die Effizienz durch die Zusammenlegung werden wir ausnutzen, um neue Tarife anbieten zu können.

Noch attraktivere Preise? Die Branche jammert ja längst, dass sie kein Geld verdient.
Wir sind in der glücklichen Situation, dass die Nachfrage nach unserem Produkt, nämlich mobile Datenübertragung, stark steigt. Attraktive Preise muss ja nicht heißen, dass wir weniger für Pakete verlangen, sondern dass man in ein Paket, das gleich viel kostet, mehr Leistungen einpackt.

Wie wollen Sie mehr Geld verdienen? Sind Zusatzgebühren – etwa für die Nutzung von YouTube am Handy – denkbar? Ich denke, dass künftig unterschiedliche Qualität unterschiedlich viel kosten sollte. Diese Produktdifferenzierung ist wichtig für den Fortbestand und die Entwicklung der mobilen Infrastruktur.

Das heißt, den neuen schnellen Mobilfunk-Standard LTE gibt es nur für Premium-Kunden?
Ob die Mobilfunktechnologie jetzt LTE oder HSPA+ ist, ist dem Kunden egal. Hochwertige Videoübertragung wird in manchen Tarifen gut, in anderen Tarifen weniger gut funktionieren. Unser aktueller Einsteigertarif mit 30 MB Surfen pro Tag ist auch heute schon für das Videoschauen nur begrenzt geeignet.

Was halten Sie davon, Google & Co. zur Kasse zu bitten – Stichwort Netzneutralität?
Wenn ein Serviceanbieter einen Beitrag leisten will, damit sein Dienst besser funktioniert, sollte das erlaubt sein. Der Bedarf besteht, davon bin ich überzeugt.

Bedarf besteht doch vor allem für die Betreiber, weil sie ihre Kassen füllen müssen.
Am Ende wird jedes Produkt vom Kunde bezahlt. Welches Modell sich durchsetzt, ob der Kunde viel für seinen Netzzugang und wenig für Service oder umgekehrt bezahlt, wird sich weisen. Das Internet hat oftmals bewiesen, dass innovative Geschäftsmodelle möglich sind. Für den Ausbau leistungsfähiger Netze braucht es jedenfalls auch Umsätze.

Ministerin Bures will die Einnahmen aus der geplanten Frequenz-Versteigerung zur Hälfte in den Breitbandausbau investieren. Ein guter Plan?
Beim Breitband existiert ein starker Wettbewerb zwischen Mobilfunk und Festnetz. Wenn der Plan ist, den Mobilfunk durch eine teure Auktion zu schröpfen, um das Geld für die Subventionierung des Festnetzes zu verwenden, generiere ich eine massive Marktverzerrung.

Inwiefern?
Wenn wir uns das letzte Förderprogramm Breitband 2013 näher anschauen, also die 30 Millionen Euro, die vom BMVIT und dem Lebensministerium ausgegeben wurden, erkennt man, dass zwei Drittel der Förderung an A1 gegangen sind.

Das befürchten Sie bei der Auktion nun ebenfalls?
Es entsteht die Situation, dass hier jemand, der mitsteigert, die Chance hat, 50 Cent von jedem Euro, den er bietet, wieder in Form von Festnetzförderung zurückzubekommen. Das verzerrt den Wettbewerb und gefährdet den so wichtigen Breitband-Ausbau im ländlichen Raum.

LTE ist günstiger als Glasfaser?
Der landesweite Ausbau von Glasfaser wird – vorsichtig geschätzt – fünf Milliarden Euro kosten. Diese fünf Milliarden sind nicht zu finanzieren, auch nicht durch die vorgesehenen 250 Millionen Euro durch den Frequenzverkauf. Der LTE-Ausbau, um schnelles Internet am Land zu gewährleisten, kostet hingegen einen Bruchteil davon.

Europa war ein Mobilfunkkontinent. Wie kann man an die Glanzzeiten anknüpfen?
Aufgrund der starken Regulierung haben wir deutliche Wettbewerbsnachteile gegenüber globalen Mitstreitern. Wir müssen Notrufe sicherstellen, Abhörung ermöglichen, werden gezwungen, Kunden eine kostenlose Papierrechnung bereitzustellen. Wenn man auf Augenhöhe global mitspielen wollte, müsste man als Mobilfunk-Konzern Europa eigentlich verlassen.

Das Interview in voller Länge lesen Sie auf futurezone.at

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