Leben
30.11.2018

Diese Wunschzettel von Altersheimbewohnern gehen zu Herzen

Mit ganz besonderen Weihnachtswünschen rühren Bewohner eines deutschen Altersheims die Community.

Weihnachtswünsche aufschreiben – für Kinder ist das um diese Jahreszeit etwas ganz Selbstverständliches. Neues Smartphone, neuer Tretroller, neues Spielzeug: Nicht immer, aber oft, steht Materielles ganz oben auf der Liste der Kleinen. Nicht nur Kinder, auch viele Erwachsene scheinen dem Konsumzwang gerade um Weihnachten herum zu erliegen. Dann steht oft das Kaufen über der Geste des Schenkens, Dinge stehen im Vordergrund – nicht das Beisammensein mit der Familie.

Dass man dabei mitunter den Blick fürs Wesentliche verliert, zeigen ganz besondere Wünsche aus einem deutschen Altersheim.

Bewegende Wunschbriefe

Aber alles von Anfang an: Die Postings einer 49-jährigen Deutschen werden derzeit auf Social Media rauf und runter gereicht. Zu Wochenbeginn teilte sie eine Handvoll handgeschriebener Wunschbriefe auf Twitter. Bei den Briefen handelt es sich um Wunschkarten von Menschen aus dem Altersheim.

Petra Lehmann, so der Name der Münchnerin, wurde durch den sogenannten "Wunschbaum" auf die Nachrichten aufmerksam. Das berichtet unter anderem das Magazin Stern. Lehmann arbeitet ehrenamtlich als Vorsitzende für den gemeinnützigen Verein "Heimatstern", der sich für Bedürftige, Obdachlose und Geflüchtete einsetzt. In der Weihnachtszeit beteiligt sich die Organisation jedes Jahr traditionell an einer gemeinnützigen Weihnachtsbaum-Aktion im nahegelegenen Dachau.

In einem Geschäft in der Stadt können Menschen Wunschzettel an einen Baum hängen. Kunden steht es frei, sich einen der Zettel vom Baum zu nehmen und den notierten Wunsch zu erfüllen.

Kürzlich fuhr Lehmann zusammen mit ihrer Tochter nach Dachau, um Wunschbotschaften von Menschen, die sie in ihrem Verein betreut, auszuhängen. Dabei entdeckte sie einige Zettel, die bereits dort hingen und allesamt von Menschen aus dem Altersheim stammten.

"Das hat mich unfassbar mitgenommen", erinnert sich Lehmann im Interview mit dem Stern. Viele der Wünsche seien "so bescheiden" gewesen: etwa eine Nagelfeile, selbstgebackene Kekse oder etwas vorgelesen zu bekommen. "Wenn sich jemand so etwas wünscht, dann bedeutet das wohl, dass es niemanden gibt, der so etwas für diese einsamen Menschen tut", sagt die Münchnerin.

"Das geht echt nah"

Noch vor Ort entschließt sich Lehmann, 13 der Senioren-Wünsche mit nach Hause zu nehmen. Beim nochmaligen Durchlesen habe sie geweint – "das geht echt nah".

Auf Twitter veröffentlicht sie schließlich eine kleine Auswahl der Wunschzettel. Dazu schreibt sie: "Das Christkind heult gerade vielleicht ein bisschen." Die Resonanz darauf kommt rasch – und ist groß. Hunderte User reagieren auf den Tweet, viele wollen ebenfalls helfen.

Welle der Solidarität

Angeregt durch die Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft beschließt Lehmann nochmals nach Dachau zu fahren und alle verbliebenen Wunschbotschaften vom Baum zu holen. Via Twitter verteilt die Deutsche die Wünsche danach an Freiwillige.

Dank der Bereitschaft der Community, Gutes zu tun, konnten über 30 Weihnachtswünsche zugeteilt werden. Wie Lehmann auf Twitter schreibt, sind die Wunschpaten nun dabei, die Pakete für die Senioren vorzubereiten.

Die Reaktionen auf ihr Engagement hätten sie jedenfalls total überwältigt, wie sie im Interview mit jetzt.de schildert: "Mich haben die Reaktionen auf diesen kleinen Tweet komplett umgehauen und überwältigt. Es haben sich so viele Menschen gemeldet, dass ich noch nicht hinterhergekommen bin, allen zu antworten. Ich wusste nicht, dass so viele Menschen das Schicksal alter Leute berührt. Ich bin also sehr froh, dankbar und gerührt."