Leben
25.03.2018

Die Ostergeschichte, zum Vorlesen für Kinder

Was sich vor knapp 2000 Jahren im heutigen Israel abgespielt hat, wurde zu Recht zum Stoff für Filme und Bühnen.

Ostern ist das höchste Fest des Christentums – durch Jesu Tod am Kreuz wurde aus seinem Wirken eine Religion. Seinen Anhängern vermittelte er damit, dass Menschsein nicht wissen bedeutet, sondern glauben – an seine und an die eigene Auferstehung. Sein Verhalten in den Tagen davor – der Karwoche – ist eine spannende Geschichte um Massenhysterie und Populismus, voll Intrigen und Macht, Erwartungen und Demut. Alles diente dem Zweck, die Religion zu begründen. So könnte man sie Kindern erzählen:

(PALM)SONNTAG

Jesus war schon seit 40 Tagen in der Wüste. Er hatte dort nichts zu essen und dachte viel über sein Leben nach. Wenn wir heute fasten, machen wir ihm das nach. Aber nun spürt er, dass er zurück zu sei nen vielen Fans muss und zu seinen zwölf Anhängern, die man Apostel nennt. Sie warten auf ihn, denn sie denken, er wird sie befreien. Die Menschen waren nicht wirklich gefangen, aber unglücklich mit den Herrschern.

Jesus kommt an einem besonderen Tag in die Stadt Jerusalem: Die Menschen denken an diesem Tag daran, dass sie früher schon einmal befreit worden sind. Wer an diesem Tag kommt, muss der Befreier sein – der Messias. Sie haben auch gehört, dass Jesus Kranke geheilt und andere Wunder vollbracht hat. Aber Jesus überrascht sie: Sie erwarten ihn als Kämpfer, vielleicht auf einem Streitwagen. Aber er reitet auf einer weißen Eselin, ein einfaches, aber edles Tier. Er will ihnen damit zeigen, dass er bereit ist, eine Last zu tragen. Doch Jesus weiß, dass die jubelnde Masse ein Spektakel von ihm erwartet. Denn die Menschen wollen von den Herrschern befreit werden. Jesus wird seinen Fans aber immer wieder sagen: Erwartet nicht, dass ich euch befreie, sondern versucht euch selbst zu befreien!

Viele Religionen und kluge Menschen haben diesen Gedanken seit Jesus immer wieder wiederholt: Wenn dich etwas stört, dann versuche es selbst zu verändern.

MONTAG

Am Montag wird Jesus zornig, als er in den Tempel kommt. Der ist wie eine Kirche, aber die Menschen machen dort schlimme Dinge: Sie spielen und treiben sich herum. Jesus ist Gottes Sohn und sagt, dieser Ort ist das heilige Haus seines Vaters. Also wirft er alle hinaus, die es nicht ehren.

MITTWOCH

Die Herrscher haben Angst vor Jesus, weil er so viele Anhänger hat. Sie befürchten, dass diese Anhänger wütend werden, wenn sie Jesus einfach verhaften.

Aber dann haben sie Glück: Judas, der ein Freund von Jesus ist, will den Herrschern verraten, wo sie Jesus verhaften können, wenn er ganz alleine ist. Judas meint das nicht böse, im Gegenteil: Er hat verstanden, dass Jesus nicht kämpfen wird, sondern sterben muss, damit die Menschen sich selbst ändern.

(GRÜN)DONNERSTAG

Jesus lädt seine Apostel zum Abendessen. Zuerst wäscht er ihnen die Füße, was ihnen peinlich ist. Er zeigt ihnen damit, dass man immer anderen helfen und ihnen dienen soll – noch heute waschen deswegen Priester und Bischöfe an diesem Tag in der Messe Kranken oder Armen die Füße.

Beim Essen sagt er noch einmal, dass er nicht kämpfen wird. Und dass er sogar sterben muss und alle Menschen daran glauben sollen, dass er wieder auferstehen wird. Nur so können alle befreit werden. Er gibt den Aposteln Brot und Wein und sagt: Das bin ich, mein Fleisch und mein Blut, esst davon, damit ich in euch bin.

Die Apostel sind unglücklich über seine Worte. Sie streiten mit ihm, schlafen dann aber ein. Da spricht Jesus in einem Gebet mit seinem Vater – dem lieben Gott. Er fragt ihn selbst nochmal, ob er wirklich sterben muss. Und sieht ein, dass es notwendig ist.

Als dann die Soldaten der Herrscher kommen, könnte Jesus fliehen – tut es aber nicht, weil er ja sterben muss, damit er später auferstehen kann. Judas hatte den Soldaten den Ort wirklich verraten und Jesus wird verhaftet. Seine Apostel wollen gegen die Soldaten kämpfen, aber Jesus sagt: Legt eure Schwerter hin!

(KAR)FREITAG

Keiner der Herrscher will Jesus verurteilen. Sie haben alle Angst vor seinen vielen Fans. Irgendwann sagt der römische Herrscher Pontius Pilatus: Eigentlich hat Jesus niemandem etwas getan, aber er nennt sich „König“ und „Sohn Gottes“. Er verurteilt ihn. Auch die Fans sind schon sauer auf Jesus, weil er nicht kämpft – obwohl er so mächtig ist. Das ist oft so: Ein paar sind zu einem Menschen böse, plötzlich machen viele andere mit.

Um drei Uhr am Nachmittag wird Jesus an ein riesiges Kreuz genagelt und stirbt. Heute wird das in jeder Kirche genau nacherzählt. Ab drei Uhr läuten auch keine Glocken mehr, bis Sonntag. Man sagt: Sie reisen nach Rom.

(KAR)SAMSTAG

Alle sind traurig und still nach der Aufregung. Die Fans glauben nicht mehr, dass sie befreit werden, die Apostel haben Angst, dass sie auch gefangen genommen werden. Gerade durch diese Stille kommt es zur Veränderung, die Jesus bei den Menschen erreichen wollte.

Statt Kirchenglocken hört man heute oft die Ratschen – das ist ein Brauch seit 1700 Jahren.

(OSTER)SONNTAG

In der Nacht zum Sonntag verschwindet Jesu Körper aus dem Grab – die Auferstehung.Wir feiern das heute in einer Messe, bei der es zuerst dunkel ist und dann die Osterkerze angezündet wird.

Erst wollen die Apostel es nicht glauben, aber in den kommenden Tagen und Wochen erscheint ihnen Jesus. Erst da verstehen sie, dass sein Tod wichtig für den Neuanfang war. Er wusste, dass nur alle Menschen gemeinsam die Welt besser machen können. Dafür ist es wichtiger, an etwas zu glauben und darauf zu vertrauen, als immer alles ganz genau zu wissen. So wie Kinder ihren Eltern vertrauen und umgekehrt.

Denn auch wenn niemand genau weiß, ob der Osterhase kommt – du glaubst daran, oder?