Die letzten ihrer Art: Gefährdete Tiere

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed…
Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag Buchbesprechung:

Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bedrohte Tiere im Porträt | Neuerscheinung im Oktober 2017

Tiere, wie wir sie sonst nie zu sehen bekommen. Und die schon bald überhaupt niemand mehr zu sehen bekommen wird – weil sie demnächst vom Antlitz der Erde verschwinden. Ausgestorben. Fotograf Tim Flach versteht seine Bilder als Plädoyer für die Rettung unserer gefährdeten Mitgeschöpfe.

KLEINER SOLDATENARA: Bunt, klug, sozial – und ein echtes Sprachgenie. Seine Talente bringen diesen Vogel in Gefahr. Er ist als „treues“ und anhängliches Haustier beliebt, und wird deshalb massiv bejagt. Bisher halfen auch strenge Gesetze nichts – die Population schrumpft beständig.

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag

Tim Flach hat die Welt bereist. Gründlich. Sämtliche Enden, alle noch so entlegenen Winkel, die verborgensten Wälder, Schluchten und Seen. Das Ziel des preisgekrönten Fotografen: die akut höchst gefährdeten Tierarten zu fotografieren, bevor es zu spät ist. Sein bislang ambitioniertestes und wohl auch wichtigstes Projekt.

NASENAFFE: Ganz ähnlich wie ihren Vettern geht es auch Borneos Nasenaffen: Ihr Lebensraum fällt Palmölplantagen und Shrimpsfarmen zum Opfer. Bis 2020 könnten auch die letzten, nicht als Schutzgebiet deklarierten Wälder verschwunden sein ...

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag 80 Tierarten hat Flach mit seiner Kamera "eingefangen", einige davon vielleicht als letzter Mensch gesehen. "Aber es ging nicht darum, einen bloßen Katalog zu erstellen", sagt er, "im Gegenteil: Meine Hoffnung ist es, die Menschen zum Handeln zu bewegen, dazu, etwas gegen die drohende Gefahr zu tun." Wie er das schaffen will? Mit einem mehr als beeindruckenden ästhetischen Kniff: Flach versetzt die Tiere in eine Studiosituation wie wir sie eigentlich nur von menschlichen Porträtfotos kennen. Und führt uns damit vor Augen, wie nah wir einander noch immer sind. Gesten, Mimik, Körperhaltung – diese Augen. Praktisch jedes Bild drückt Gefühle aus, die wir auf der Stelle nachvollziehen können. Wunderschön, atemberaubend – und ja, erschreckend zugleich.

GOLDSTUMPFNASE: Ihr dichtes Fell schützt diese Primaten in den Bergen Zentralasiens auch vor den kältesten Wintern. Und wird ihnen zum Verhängnis. Zwar konnte die Wilderei ein wenig eingedämmt werden, die Population sinkt aber trotzdem stetig ...

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag Anthropomorphismus, also das lange Zeit verpönte "Vermenschlichen" tierischer Eigenschaften? Ja natürlich, aber die Zeiten, in denen moralinsaure Biologen die Sonderstellung des Homo sapiens damit untermauerten, Tiere als bloße Stoffwechselmaschinen darzustellen, die zu keiner Art komplexen Gefühlen fähig wären, sind zum Glück endlich vorbei ...

PHILIPPINENADLER: Einer der kräftigsten und gefährlichsten Raubvögel der Welt ist selbst extrem gefährdet. Er wird gejagt, sein Lebensraum wird zerstört und landwirtschaftliche Pestizide lassen Tiere massenweise verenden. Es gibt kaum noch 350 Pärchen. Er ist das Wappentier der Philippinen. Und lebt vielleicht bald nur noch als offizielles Regierungssymbol weiter ... 

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag Vor 65 Millionen Jahren kam es auf der Erde zum letzten großen Massenaussterben. Jetzt steht uns ein neues bevor. Zum ersten Mal vom Menschen verursacht. "Wir entfernen uns immer weiter von der Natur, die unsere Vorfahren für Millionen von Jahren ernährt hat – der wir entstammen", sagt der renommierte Naturwissenschaftler Jonathan Baillie, der die Texte für Tim Flachs Buch verfasst hat. Es ist also allerhöchste Zeit, wieder näher zusammenzurücken und etwas zurückzugeben. Und Tiere als das zu sehen, was sie sind: unsere Verwandten und Mitgeschöpfe.

GELBAUGENFROSCH: Seine Eier sind nur 3 mm groß – aber ein Wunder an Präzision. Und sensibel. Temperaturschwankungen verändern ihr Wachstum und setzen auch den Fressfeinden zu. Die gesamte Nahrungskette kommt aus dem Gleichgewicht. Und die erwachsenen Frösche werden anfällig für tödliche Pilzerkrankungen. Die kleinen Tiere sind massiv bedroht.

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag

WEISSBAUCHSCHUPPENTIER: Sein Fleisch gilt als „Bush-Meat“-Delikatesse, seine Schuppen und etliche Körperteile werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet. In Asien gibt es praktisch keine Tiere mehr, in Afrika nicht mehr viele.

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag

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Tim Flach: "In Gefahr" zeigt bed… Foto: Tim Flach/Knesebeck Verlag Buch-Tipp: „In Gefahr“,  Tim Flach (336 Seiten mit 200 farbigen Abbildungen, 68 Euro, Knesebeck)

(kurier "freizeit" am samstag) Erstellt am
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