Leben
23.09.2017

Das Geheimnis der Schönheit

500 Frauen aus 50 Ländern – eine Fotografin reiste um die ganze Welt, um weibliche Schönheit in all ihren Facetten einzufangen. Gemeinsam mit einem Psychologen ging die "freizeit" ihrem Geheimnis auf den Grund.

Stupsnäschen und Seidenhaar, volle Lippen, schlanke Taille und endlos lange Beine. Natürlich zellulitefrei. Dazu saisonale Must-haves wie Thigh Gap, Bikini Bridge, Ab Crack, Hip Dip, Vacation Boobs, Underboobs und Weißderkuckuckwas. Wie frau auszusehen hat, ist definiert und reglementiert. Nur ist das mit gängigen Schönheitsidealen halt so eine Sache: 99 Prozent der Menschheit entsprechen ihnen einfach nicht. Außer Barbie natürlich.

Aber was ist Schönheit tatsächlich? Wer ist schön? In ihrem Buch „The Atlas Of Beauty“ hat die rumänische Fotografin Mihaela Noroc 500 Frauen aus 50 Ländern der Erde fotografiert. Zufallsbegegnungen auf der Straße, in Cafés, auf Märkten und Bahnhöfen. Mit manchen kam sie ins Gespräch, viele blieben anonym. Ihre Reise führte Noroc von Island nach Südafrika, von Asien nach Südamerika.

Große und kleine, mollige, schlanke und athletische Frauen blickten ruhig und gelassen in ihre Kamera – und ja, sie sind alle schön. Sie strahlen, jede auf ihre Art. Die wichtigste Botschaft, die Schönheit uns vermitteln kann, sei Toleranz, sagt die Fotografin in ihrem Vorwort. Weil sie keine Grenzen kennt, nicht am Reißbrett entsteht und sich an kein exklusives Schema hält.
Und tatsächlich, größere Kontraste als etwa zwischen der isländischen Sängerin und der äthiopischen Bäuerin oder der kubanischen Krankenschwester und der nordkoreanischen Polizistin, die Noroc fotografiert hat, sind kaum möglich. Gibt es dennoch einen Code für Schönheit? Etwas Universelles, Verbindendes, im Sinn von Goethes ewig Weiblichen?

Universelle Standards für Schönheit

„Einige Studien zeigen, dass es universelle Standards für unser Empfinden von Schönheit gibt“, sagt Helmut Leder, Professor für Kognitive Psychologie an der Uni Wien. Auffallend dabei: Wir mögen „gemittelte“ Gesichter. Dabei werden durch „Morphing“ verschiedene Porträts übereinandergelegt, der daraus entstehende Durchschnitt ist es, der die meisten Probanden anspricht.

„Das heißt natürlich nicht, dass es in verschiedenen Kulturen in bestimmten Phasen nicht zu ganz speziellen Ausprägungen kommen kann, wie zu künstlich gestreckten Hälsen, kleinen Füßen – oder extrem aufgespritzten Lippen“, erklärt Leder, der auch Präsident der International Association of Empirical Aesthetics ist, die sich wissenschaftlich mit unserer Erfahrung von Schönheit befasst. Das Erstaunliche: Ein gewisser Sinn für Schönheit scheint uns in die Wiege gelegt worden zu sein. In Tests betrachten schon Säuglinge lieber Bilder von Menschen, die auch wir Erwachsene als attraktiv bezeichnen würden.

In einer neuen Studie ging Schönheitsforscher Helmut Leder der Frage nach, ob wir nun überhaupt Schönheit als solche erkennen oder für unser Urteil nach Abweichungen von der Norm suchen. Dafür ließ er Versuchspersonen normale, und auf den Kopf gestellte Porträts betrachten. Sie fanden die auf den Kopf gestellten Bilder attraktiver. "Die sind allerdings viel schwerer zu erkennen, weshalb Abweichungen nicht so gut zu entdecken sind“, erklärt Helmut Leder. Das heißt, uns gefällt tatsächlich die Norm, der Durchschnitt. Abweichungen finden wir nur in Einzelfällen attraktiv – dann aber richtig, wie gerade manch Supermodel beweist.
Und was ist es nun genau, das Frauen in unseren Augen schön macht? "Leicht hervorstehende Wangenknochen erhöhen die Attraktivität", sagt der Experte, "große Augen, klar markierte Konturen. Gesichter werden zwar holistisch, also ganzheitlich wahrgenommen, aber unsere Blicke fixieren besonders die Augen und die Mundregion."
Und Leder weiter: „Und weil es auch bei den Bildern der Fotografin augenfällig ist: Die meisten Frauen zeigen zumindest ein leichtes Lächeln. Das ist ein ganz starker Faktor, eines DER positiven Merkmale, wenn’s um Attraktivität geht.“ Ein simples Lächeln also? So einfach kann das sein ...