Leben 06.03.2013

Schillernde Exoten

Die Echsen sind heikle Pfleglinge. Sie brauchen das richtige Klima, eine UV-Lampe und Lebendnahrung eingestaubt mit Futterkalk

Chamäleons sind kuriose Wesen: Sie können ihre großen Augen, die bis zu einem Kilometer weit scharf sehen, rundherum und unabhängig voneinander bewegen. Keiner weiß, wie sie die Bilder im Gehirn zusammenfügen. Sie können ihre Zunge, die das Eineinhalbfache ihrer Körperlänge misst, hervorragend zur Jagd einsetzen. Ein Muskel spannt die Schleuderwaffe wie ein Gummiband und zieht das Beutetier blitzschnell ins Maul zurück. Aufrollen ist das nicht. Sie können ihren gedrungenen Rumpf und den hohen Rücken durch Aufblähen ändern. Die Verwandlung erschwert oft die Artbestimmung. Nicht zuletzt können sie die Farben ihrer Schuppen in beeindruckender Weise wechseln. Zum Kommunizieren, zum Flirten und zum Wärme tanken. Tarnung ist fast Nebensache.
Chamäleons sind außergewöhnliche Tiere“, sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn weiß, dass die Reptilien im Trend liegen – vor allem bei Tierfreunden, die das Verhalten der Exoten beobachten und ein Stück Wildnis ins eigene Heim holen wollen. Anton Weissenbacher, Leiter des Aquarien- und Terrarienhauses im Wiener Zoo, erklärt, wie die Wirbeltiere ohne Kuschelfaktor artgemäß gehalten werden.
Chamäleons sind heikle Pfleglinge“, sagt der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Für Terraristik-Einsteiger sind sie ungeeignet. Fortgeschrittene sollten die Art ihres Schützlings genau kennen, nur so lassen sich die unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigen. In der Heimtierhaltung dominieren vor allem Nachzuchten des Jemenchamäleons und des Pantherchamäleons. Beide sind absolute Einzelgänger. Artgenossen müssen außer Sichtweite untergebracht sein. Selbst das eigene Spiegelbild kann Männchen stressen.
Chamäleons sind nicht schnell, aber sie brauchen Höhe zum Klettern und Platz zum Zurückziehen“, sagt Weissenbacher. Das Tierschutzgesetz sieht für das Terrarium Mindestmaße von 1 m Mal 1 m Mal 1 m vor. Ein größerer Lebensraum trägt zu mehr Wohlbefinden bei.
Als Bodengrund eignen sich Gemische aus Sand mit Kokos-Chips oder mit Moos oder mit Erde. In einer 20 cm tiefen Schicht können vor allem Weibchen ihrem Bedürfnis zu graben nachkommen. Andernfalls besteht die Gefahr von Legenot. Die Inneneinrichtung des Glas-Hauses soll zudem reichlich Kletter- und Versteckmöglichkeiten bieten. Äste und Bäumchen sorgen für Struktur, ebenso Steine und Höhlen. „Chamäleons brauchen Wärme, sonst werden sie ganz schnell rachitisch“, sagt der Reptilien-Experte. Eine UV-Lampe unterstützt die für den Knochenaufbau notwendige Vitaminaufnahme. Für die wechselwarmen Tiere ist das Wechselspiel kalt – warm lebenswichtig.
Ebenso trägt eine ausgewogene Ernährung zur Gesundheit der Leguanartigen bei. Fliegenlarven, Grillen und Heimchen sollen – eingestaubt mit Futterkalk – alle zwei bis drei Tage mit Pinzette verfüttert werden. So lässt sich kontrollieren, ob die Nahrung tatsächlich verspeist wird, so kann verhindert werden, dass sich das Lebendfutter das Nahrungsergänzungsmittel von den Flügeln putzt. Das Kalziumvitamin ist ein Medikament, Überdosierung führt zu Nierenversagen, Unterversorgung zu Mangelerscheinung. Mäuse stehen bei diesen Echsen nicht auf dem Menüplan. Ihren Durst stillen die Vierbeiner, indem sie Wassertropfen von Blättern lecken oder aus einer Chamäleon-Tränke nippen.
Chamäleons brauchen gleichzeitig eine hohe Luftfeuchtigkeit und einen hohen Luftaustausch. Eine undankbare Aufgabe“, sagt der Experte. Nebelanlage und Ventilator schaffen das richtige Klima. Staunässe kann für die sensiblen Echsen lebensbedrohlich sein. Die Tiere haben generell eine kurze Lebenserwartung: In der Natur werden sie zwei bis vier Jahre alt, in Heimtierhaltung bis zu sechs Jahre. Beim ersten Anzeichen eines Leidens muss reagiert werden. Die Krankheit verläuft sonst tötlich.
Weissenbacher weiß, worauf es in der Pflege von Chamäleons besonders ankommt: „Man muss sie gut verstehen.“

Chamäleons gehören zu den Urzeitreptilien. Das derzeit älteste Chamäleon-Fossil ist zirka 26 Millionen Jahre alt.
Bisher sind rund 160 Chamäleon-Arten bestimmt. Sie teilen sich in zwei Unterfamilien auf: Die „Echten Chamäleons“ werden bis zu 70 cm groß. Die Riesen verbringen die meiste Zeit auf Bäumen und Sträuchern. Die „Stummelschwanzchamäleons“ gibt es in Miniaturausgaben von 2 bis 3 cm. Sie bewohnen Waldböden.
Nahezu alle Chamäleons sind in ihrem natürlichen Lebensraum gefährdet. 40 Prozent dieser Schuppenkriechtiere leben in Madagaskar. Sie bevölkern auch die Bergregionen Afrikas, die Wüsten in Südafrika sowie westliche Teile Indiens. In Europa (Griechenland und Spanien) kommt eine Art vor.
Vor allem werden zwei Arten als Haustiere gehalten. Die angebotenen Jemenchamäleons und Pantherchamäleons stammen meist aus Nachzuchten.
Das Jemenchamäleon ist ursprünglich auf der arabischen Halbinsel beheimatet. Charakteristisch für die Riesenechse ist ihr großer Helm. Das Tier ist Meister der Farbänderung: Die Schattierungen reichen von Weiß, Gelb, Beige, Grau, Grün, über Orange und Rot bis zu Schwarz. Das Eier legende Reptil sollte nur einzeln in einem Trockenaquarium gehalten werden.
Das Pantherchamäleon ist natürlich in Madagaskar und auf den vorgelagerten Inseln zu Hause. Es ist vor allem an seinen Nasenfortsätzen am Kopf, seinem Kamm entlang des Rückens und seiner fast unübertroffenen Farbenpracht erkennbar. Einzelhaltung im Tropenterrarium ist für die Eier legende Echse Pflicht.

( Kurier ) Erstellt am 06.03.2013