Objekt: Fronleichnamsumzug in St. Martin bei LoferBild: Walter Schweinöster

© KURIER/Walter Schweinöster

Brauchtum
05/26/2016

Was Fronleichnam bedeutet

Der katholische Feiertag mag antiquiert wirken. Für Theologen ist das Thema sehr zeitgemäß.

Eine glänzende Mondscheibe und ein dunkler Fleck darin – aus solchen Träumen können die höchsten kirchlichen Feiertage entstehen. Im Jahr 1209 deuteten die Kirchenweisen diese Vision der frommen Nonne Juliana von Lüttich als Zeichen. Denn damals fehlte im Kirchenjahr ein Fest zu Ehren der Eucharistiefeier , wo in der Messe an Jesu Leben, Tod und Auferstehung erinnert wird. Das zentrale Thema dieses kirchlichen Fests erklärt der Wiener Dompfarrer Toni Faber so: "Indem wir ein Stück Brot durch die Gegend tragen, bekennen wir gläubig, dass in diesem Stück Brot Jesus weiterlebt."

Das Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen „vron“, „Herr“, und „lichnam“, ursprünglich „lebendiger Leib“, ab und bedeutet „Lebendiger Leib des Herrn“. In den Prozessionen wird die geweihte Hostie in einem Schaugefäß, der Monstranz, mitgetragen. An diesem „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ – so die offizielle liturgische Bezeichnung – wird die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert.

60 Tage nach Ostern

Fronleichnam, das heute wie jedes Jahr am zweiten Donnerstag nach Pfingsten oder 60 Tage nach Ostern gefeiert wird, ist vielleicht das katholischste Kirchenfest: Weder die evangelischen noch die orthodoxen christlichen Kirchen kennen eine ähnliche Feier. "Die bleibende Gegenwart Jesu ist eine Besonderheit der katholischen Kirche", sagt Faber. Zur Zeit der Gegenreformation nutzte die katholische Kirche das Fronleichnamsfest aber durchaus auch zur prunkvollen Machtdemonstration. Denn Martin Luther verstand die Gegenwart von Jesus in Form von Brot und Wein im Gegensatz zur katholischen Kirche nicht als allgegenwärtig, sondern nur während der Abendmahlfeier. Das halten evangelische Christen bis heute so.

Mit der Monstranz zur Prozession

Daran denkt beim alljährlichen traditionellen Brauchtum kaum jemand mehr. Festliche Prozessionen ziehen durch die Ortschaften. Zu Fuß, zu Pferd oder wie im Salzkammergut auch in Booten als Seeprozessionen wird dabei eine Monstranz als Zeichen einer frohen Glaubensbotschaft herumgetragen. Monstranzen sind übrigens nichts anderes als großteils kostbare Schaugeräte mit einer in einem Sichtfenster eingefügten Hostie. Sie kamen im Mittelalter auf. Damals war die Ehrfurcht der einfachen Gläubigen vor Hostien – dem verwandelten "Leib Christi" – so groß, dass sie sie diese kaum zu verspeisen wagten. Sie begnügten sich lieber damit, sie ehrfurchtsvoll zu betrachten.

Deutungsschwerpunkte

Das Hinaustragen der Monstranz unter dem "Himmel" genannten Baldachin aus der Kirche in Form einer Prozession mit Blumen streuenden Kindern mag antiquiert wirken. Im Lauf der Zeit hat es einige Wandlungen durchgemacht. Heute liegt der Deutungsschwerpunkt auf der Freude über die Auferstehung Christi. Für Faber hat die Prozession aber durchaus auch eine zeitgemäße Ausrichtung. Glaube vollziehe sich nicht nur in geschlossenen Kirchenräumen. "Mit der Fronleichnamsprozession wird sichtbar, dass Glauben und Leben zusammengehören. Es ist eine frohe Zusammenführung." Christen sind also miteinander und mit Gott unterwegs.

Das Fronleichnamsthema reiche aber auch weit über religiöse Motive hinaus – bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Ereignissen. "Im gebrochenen Brot können wir erkennen, dass der Herr unseren Hunger stillt. Dazu gehört auch der Hunger nach Liebe oder nach Heimat. Wenn wir teilnehmen, bekennen wir auch Nächstenliebe."

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