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Tiertrainer
06/15/2014

Auftritt mit Schwein

Wie Karl Lang Paarhufer zum Tanzen bringt.

von Hedwig Derka

Tauben mag er seit seiner Kindheit. Als kleiner Bub schleppte Karl Lang jeden verletzten Vogel nach Hause. Wegen der angeborenen Tierliebe flog ihm alles zu: Vögel, Viecher und Erfolg. Mittlerweile dressiert der 44-Jährige Haus- und Wildtiere nahezu jeder Größe – für Film, Bühne und Events, 400 Schauspieler zählen zu seiner fixen Truppe. Die Liebe zu Tauben ist ihm geblieben.

Mehr als hundert Tauben leben derzeit in seinem Privatzoo im idyllischen Wienerwald. Die Weißen braucht der Tiertrainer für romantische Hochzeitsszenen; ein paar Exemplare hat er speziell für "Die Zauberflöte" eingeflogen; Straßentauben sind Dauerbrenner im Showbusiness. Und die eine, die er für ein Greifvogelabwehr-Experiment mit Spezialspray rosa-lila markiert hat, bereitet ihm einfach unheimlich viel Freude.

Ameise bis Wolf

Karl Lang ist Spaßvogel und Vollprofi. Ausgestattet mit einem höchst sensiblen Gespür für Tiere aller Art zeigte er bereits im Volksschulalter Omis Dackel vor, wie er den Teppich ausrollen und sich tierisch tot stellen kann. Heute trainiert Lang Schmetterlinge genau so wie eigene Störche und geliehene Wölfe. Sein Ameisenvolk hat er im verwilderten Teil des Gartens untergebracht, dort, wo auch die Ziegen weiden. Der Affe sitzt im großen Käfig, gegenüber wuseln Meerschweinchen im Außengehege. Küken dürfen frei laufen. Papageien schlagen ihre Flügel über dem akribisch gepflegten Grünbereich.

Heute dient der Golfrasen rund ums Biotop als Übungsplatz. Ein liebestoller Pfau und Hunde, die auch Unsitten im Repertoire haben müssen, sorgen für die Geräuschkulisse. Auftritt von Nutschi. Derzeit stehen bei Lang, der seine Schulkarriere ehestmöglich beendete, um mit seiner Tier-Pfleger-Trainer-Karriere durchzustarten, zwei Ferkel im Mittelpunkt. Nutschi eins und Nutschi zwei – Namensverwechslung und Beleidigungen ausgeschlossen – werden am 27. Juni bei der Fete Imperiale, dem Sommerball in der Spanischen Hofreitschule, zu einer Arie aus dem Zigeunerbaron tanzen. Nach einer Choreografie von Karl Lang.

Schweine sind klug. Doch weil Intelligenz in der Ausbildung zum Bühnenstar nicht immer hilfreich ist, reißt die schlauere Debütantin bei erster Gelegenheit aus. "Schweine haben von Natur aus kein Sitzfleisch", erklärt Lang, der seine Schüler mit internationalen Kommandos wie sitz und down, einem Clicker und über den Magen erzieht. Dem Hundefutter können die rosa Zwillinge nicht widerstehen. Schon ist Nutschi wieder bei der Sache. Nach neun Woche Bauernhof dürfen die zwei Zuchtschweine nun bei Lang neben der Futterküche wohnen. Hier gewöhnen sie sich an Menschen, hier lernen sie das glatte Parkett kennen, hier werden sie üben, Kreise zu drehen, und eine Verbeugung einstudieren. Das Halsband macht ihnen schon lange nicht mehr zu schaffen.

Erfahrung

Ob Lang Hufe in der Hofreitschule schwingen oder Raben durchs Bild fliegen lässt, spielt für den international gefragten Tiertrainer keine Rolle. Von jedem Schüler kennt er die artspezifischen Eigenheiten, die individuellen durchschaut er bald. Jahrelange Erfahrung und Neugierde machen sich bezahlt. Lang weiß aus dem Zoo Schönbrunn, was es mit dem Elefantengedächtnis auf sich hat, und aus dem Safaripark Gänserndorf, dass auch Stachelschweine Werkzeug benutzen. Philosophische Fragen drehen sich da nicht nur ums Fressen und Gefressenwerden.

"Es ist ein Glück mit den Schweinen. Die sind nie satt", sagt Lang und lockt die grunzenden Eleven über die Wiese. Am 27. Juni wird das Jungdamenkomitee so weit gesellschaftsfähig sein, dass sich Kammersänger Wolfgang Bankl als reicher Schweinezüchter voll und ganz auf "Ja, das Schreiben und das Lesen" konzentrieren kann. Bis dahin wird auf Langs Wiese noch viel gefuttert, geraucht und gelacht. Und den Tauben im Vorbeigehen die Voliere für einen Freiflug geöffnet.

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