Detektei Pöchhacker

© Deutsch Gerhard

Abhörskandal
07/12/2013

Auch im Privatbereich wird viel beschattet

Abseits von Mr. Snowden: Kaum zu glauben, wie leicht man abgehört werden kann.

von Uwe Mauch

Warnung: Die nun folgenden Zeilen sind nichts für schwache Nerven! Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie hämmern nichts ahnend eine eMail in Ihren Computer und Ihr Mann oder Ihre Frau oder auch Ihr Chef sitzt zwei Zimmer weiter und kann jedes Wort mitlesen.

„Weil man heute sogar die Abstrahlung des Tastaturkabels entschlüsseln kann“, verrät ein gestandener Wiener Privatdetektiv mit 35 Jahren Berufserfahrung.

Für Hobby-Schnüffler

Gruselig: Selbst wenn nur ein Bruchteil von dem, was Walter Pöchhacker erzählt, stimmen sollte, müsste eigentlich auch dir letzten Gutgläubigen unter uns ein zumindest leicht mulmiges Gefühl beschleichen.

Erstens: Die Enthüllungen des US-Agenten Edward Snowden sind wohl doch keine harmlosen Gschichterln. Pöchhacker erzählt, wie die Handwerker in einem vornehmen Wiener Hotel bei Renovierungsarbeiten hinter den Tapeten zig Wanzen von der Wand kletzeln mussten. „Man ging damals davon aus, dass es die CIA war.“ Inzwischen sind die Methoden der Geheimdienste weitaus raffinierter. „Jedes Mobiltelefon kann mit einer mobilen Antenne geortet werden“, weiß Pöchhacker.

Der Roman 1984, 1948 von George Orwell verfasst, ist eine Meisterleistung der Literatur, aber durch die modernen Überwachungsmöglichkeiten längst überholt.

Zweitens und vielleicht noch schlimmer: Die Technik öffnet heute auch Hobby-Schnüfflern und privaten Scharfmachern Tür und Tor. „Das macht mir fast mehr Angst“, sagt Daniel Pöchhacker, der Sohn des Altmeisters unter Wiens Detektiven. Der Junior berichtet, dass man als Privatperson entweder über das Internet oder in jedem besser sortiertem Elektronikgeschäft an leistbare und praxistaugliche Produkte (siehe Bericht rechts) problemlos herankommen kann.

Als Abhörgeräte oder gar als Wanzen, nur so viel sei an dieser Stelle verraten, werden sie nicht verkauft.

Die Pöchhackers versichern, dass sie selbst keine versteckten Kameras und Abhörgeräte verwenden. Der Senior, der nach eigenen Angaben in seiner Laufbahn 20.000 Ladendiebe und 700 Mitarbeiter-Diebstähle in Betrieben aufgedeckt hat, sagt: „Das Risiko, dass ich dadurch meine Konzession verliere, kann mir kein Kunde bezahlen.“ Der Junior fügt hinzu: „Durch die neuen Datenschutzbestimmungen ist die Arbeit für uns Detektive unvergleichlich schwieriger geworden. Sein Problem: Observieren könnte dank der digitalen Technik auch für ihn so leicht sein, wenn er nur annähernd so wie die Geheimdienste arbeiten dürfte.

Der Wiener Rechtsanwalt Thomas Höhne, er gilt als Experte für Persönlichkeitsrecht in Österreich, macht darauf aufmerksam, dass laut dem gültigen Datenschutzgesetz Videoüberwachung zur Kontrolle von Mitarbeitern ebenso „absolut unzulässig“ ist wie im höchstpersönlichen Bereich.

Heißt de facto: Wer seine Mitarbeiter bei der Arbeit abhört oder dem Partner bei einem vermeintlichen Seitensprung nachspioniert, macht sich strafbar. Detektiv Daniel Pöchhacker weiß allerdings: „Die meisten Leute kennen die aktuelle Gesetzeslage nicht.“

Mit spezieller Software, die man im Ausland problemlos bekommt, lässt sich etwa jedes Mobiltelefon-Gespräch mithören. Anwalt Höhne zitiert für den KURIER entsprechende Paragrafen aus dem Straf- und Telekommunikationsgesetz. Lange Rede, kurzer Sinn: Besser die Finger von dieser Software lassen.

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