Archäologen legen behutsam die Skulpturen in einer Grabanlage im antiken Amphipolis frei

© REUTERS/HANDOUT

Grab von Alexander dem Großen
10/03/2014

Das größte Rätsel der Archäologie

Die spektakuläre Ausgrabung im antiken Amphipolis befeuert die Suche nach dem Alexandergrab neu.

von Martin Burger

Alexander starb jung, aber angesichts seiner Taten überraschend spät. Er soll den Wunsch geäußert haben, in der libyschen Oase Siwa bestattet zu werden. Seine letzte Ruhestätte fand der makedonische Krieger aber nicht dort, wo er einst als "Sohn Gottes" begrüßt worden war. Dazu war der Leichnam des Königs im Streit um seine Nachfolge zu wertvoll. Alexanders Gefährte Ptolemaios brachte den "Schatz" schließlich nach Ägypten.

In den folgenden Jahrhunderten pilgerten etliche römische Herrscher nach Alexandria, Julius Caesar (48 v. Chr.), Augustus (30 v. Chr.), Septimius Severus (200 n. Chr.) und Caracalla (215 n. Chr.) sind belegt. In der Spätantike geriet die Lage des Grabs in Vergessenheit, sagt Christa Schauer vom österreichischen Archäologie-Institut (ÖAI) in Athen. Und nun das.

Im Spätsommer löste die Entdeckung einer großen Grabanlage in der antiken makedonischen Hafenstadt Amphipolis Spekulationen aus. Unter Archäologen und Sachbuchautoren werden Wetten abgeschlossen, ob Alexanders Mutter Olympias oder seine ostiranische Frau Roxane, die Mutter von Alexander IV., hier beigesetzt wurden. Gegen Roxane spricht, dass sie in Amphipolis ermordet worden war und ihr Mörder Kassandros kaum ein prächtiges Grabmonument mit zwei Sphingen und weiteren Skulpturen (Karyatiden), die die einzelnen Kammern bewachen, erbauen hätte lassen. Schauer vermutet, dass ein für seinen Mut bewunderter makedonischer General in Amphipolis bestattet wurde. Der Historiker und Alexander-Spezialist Steffen Unger tippt auf eine hochgestellte Person aus dem Umfeld der Diadochen (der Feldherren Alexanders): Kassandros, Lysimachos oder vielleicht des Antigonos.

Völlig auszuschließen ist es laut Unger nicht, dass Alexanders Sarkophag, der in der Spätantike vor allem noch in Makedonien verehrt wurde, umgebettet wurde. In Frage käme die Königsstadt Vergina (das antike Aigai), die Grablege seiner Dynastie. "Immerhin wurden etliche Kunst-Schätze im Laufe der Jahrhunderte verschleppt, oft nach Konstantinopel (das alte Byzantion) oder später nach Venedig", sagt Unger. Als Auftraggeber für so einen Transport käme unter Umständen ein makedonischer Magnat oder ein römischer Kaiser in Frage, in den Quellen gebe es aber keine Hinweise. Amphipolis scheidet aus: Das Grabmonument stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., damals wurde der Leichnam des jungen Pharaos (ein Ehrentitel Alexanders) noch in Ägypten aufbewahrt und verehrt. Bleibt also nur Alexandria selbst.

Die "Original"-Gruft könnte als Schutz vor radikalen Christen von Verehrern versiegelt oder unkenntlich gemacht worden sein, oder als Folge des Seebebens von 365 n. Chr verschüttet. Alexandria wurde in der Folge oft überbaut, eine zielgerichtete Grabung scheint unmöglich. Unger: "Das Grab zu finden wäre ein Traum – wenngleich auf Kosten des jahrtausendealten Alexandermythos, denn diesen würde man mit einer erfolgreichen Exhumierung zu Grabe tragen."

Der Persienfeldzug Alexanders

Alexander, der Sproß der kriegerischen Dynastie der Argeaden, stieß den persischen Großkönig in vier großen Schlachten vom Thron, Dareios III., einen Mann, der über einen relativ toleranten Vielvölkerstaat herrschte. Alexanders überhöhte sich danach selbst zum „König von Asien“ . Historiker Steffen Unger spürt in seinem neuen Buch (links) dem „pothos“ (lat. cupido), der Kraft-Quelle, Alexanders nach, eines makedonischen Kriegers, den der athenische Redner Demosthenes als „Margites“ (Trottel) verspottete. Der tief-religiöse Alexander beschwor zwar die Eintracht von Makedoniern und Persern, metztelte für seinen Traum aber ganze Völker hin – Unger geht von 100.000 bis 200.000 Toten aus, die der elfjährige Zug durch Gebiete 20 heutiger Staaten gefordert hat –,und meuchelte im Vollrausch (bis zu 4 Liter Wein pro Tag werden kolportiert) seinen unbewaffneten Kampfgefährten Kleitos. Unfähig einen Nachfolger zu bestimmen, zerfiel das Riesenreich bald. Alexander der Große, wie ihn erst die Römer nannten, wirkt bis heute nach. Seine Bewunderer ahmten seine schräge Kopfhaltung nach, die römischen Kaiser übernahmen seine Mode: den Purpurumhang. Alexander ist vielleicht der ältestes bis heute gängige Name, der häufig vergeben wird.

Die Krönung

336 v. Chr. wird Philipp II. ermordet. Sein verstoßener Sohn Alexander III. greift nach der Macht.


Der Kriegsherr

Mit Geschick, Brutalität und Glück festigt Alexander die Vorherrschaft in Griechenland und beginnt 334 v. Chr. seinen Persienfeldzug.


Krankheit und Tod
323 v. Chr. stirbt der „König von Asien“ in Babylon. Angesichts der Erkundung der sumpfigen Euphrat-Mündung vermutlich an Malaria oder am Westnilvirus

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