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Leben
08/09/2019

Achtung, Gefahr: Kleine Kinder gehen lautlos unter

Nicht nur kleine Kinder ertrinken, auch Jugendliche können das Risiko oft nicht einschätzen. Was ist im Ernstfall zu tun?

von Ulrike Botzenhart

Kein Strampeln, kein Schrei, nichts. Lautlos und starr wie ein Stein gehen kleine Kinder im Wasser unter.

Wer das schon einmal in einem See oder Schwimmbad gesehen hat, der lässt kein Kleinkind mehr im und am Wasser aus den Augen. Es reicht allerdings schon ein Moment der Unaufmerksamkeit – ein kurzes Gespräch, eine Nachricht auf dem Handy – und die Tragödie kann ihren Lauf nehmen: 20 Sekunden reichen, damit ein Kind vom Wasser verschluckt wird.

Und dann?

Sofort Hilfe rufen, die Wasseroberfläche absuchen, und das Kind natürlich so rasch wie möglich bergen. Bei Atemstillstand sofort mit Mund-zu-Nase-Beatmung beginnen, bei Herzstillstand auch mit Herzmassage. Um den Ernstfall zu meistern, empfiehlt sich vor dem Urlaub ein Erste-Hilfe-Auffrischungskurs etwa beim Roten Kreuz.

15 Zentimeter reichen zum Ertrinken

Sogar nur 15 Zentimeter hohes Wasser in einer Badewanne oder einem Planschbecken können zur tödlichen Gefahr werden. Kleinkinder verlieren sehr leicht die Orientierung im Wasser und schaffen es durch den Auftrieb nur sehr schwer, sich wieder aufzustellen – so sie überhaupt schon stehen können. Ertrinken ist daher die häufigste unfallbedingte Todesursache bei unter fünfjährigen Kindern in Österreich.

Achtung vor nicht abgedeckten Privatpools oder nicht abgesperrten Schwimmteichen in der Umgebung. Selbst eine Regentonne kann für kleine Klettermaxerln zur tödlichen Falle werden.

Schwimmflügerl werden überschätzt

Achtung auch vor aufblasbaren Schwimmreifen, Wasserbällen oder Schwimmtieren: Sie schützen allesamt nicht vor dem Ertrinken. Schwimmflügel müssen dem Alter und der Größe des Kindes entsprechen. Bei kleinen Zwergen ist auch hier Vorsicht geboten: Die Flügel helfen nichts, wenn die Kleinen den Kopf nicht über dem Wasser halten können.

Aber auch größere Kinder können nicht abschätzen, wie tief das Wasser ist und ob sie dort noch stehen können; oder, wie lang ihr Können und ihre Kraft reichen, um schwimmend von A nach B zu kommen.

Selbstüberschätzung bei Kids

Selbstüberschätzung ist vor allem bei Jugendlichen eine Riesengefahr: Wer durchquert den See? Wer traut sich, in stockfinsterer Nacht, ins kalte Wasser zu springen? Wenn Alkohol im Spiel ist, verschiebt sich die Altersgrenze für derartigen gefährlichen Unfug weit nach oben. Jedes Jahr ertrinken auf diese Weise Menschen, vor allem Burschen. Und nicht wenige sitzen im Rollstuhl, weil sie einen Köpfler in ein ihnen fremdes Gewässer gemacht haben.

Mit zunehmenden Alter ist auch die Gefahr eines Herzinfarkts nicht zu unterschätzen. Von der Sonne erhitzt ins kalte Wasser springen, das ist nie gesund, für ältere Semester mitunter fatal.

1. Aus dem Wasser bergen: Ruhe bewahren, Notruf 144 wählen, Bademeister alarmieren bzw. andere Personen auf die Lage aufmerksam machen. Was immer da ist (Luftmatratze, Schwimmbrett, Schwimmreifen, Schwimmschlange etc.) als Hilfe bei Bergung benützen. Tempo nach Kondition einteilen, sonst sind Sie kraftlos, bevor Sie beim Kind ankommen. Während Sie das Kind ans Ufer ziehen, dessen Kopf möglichst über Wasser halten.

2.Maßnahmen an Land: Nicht versuchen, Wasser aus dem Magen oder der Lunge zu entfernen – dabei geht nur kostbare Zeit verloren. Ist das Kind bei Bewusstsein? Sprechen Sie es laut an (Wach auf!) und berühren Sie es leicht.

3. Atmung kontrollieren: Vorsichtig den Kopf des Kindes überstrecken, danach gilt hören, sehen, fühlen (maximal 10 Sekunden), ob das Kind atmet.  Bei einem Säugling den Kopf nicht überstrecken, sondern nur wenig nach hinten strecken; die Nase soll nach oben zeigen.

4. Das Kind atmet normal: Das Kind in stabile Seitenlage bringen, zudecken, vor direkter Sonne schützen und bei ihm bleiben. Ärztliche Kontrolle und Überwachung ist immer notwendig. Auch Stunden später ist ein Lungenversagen möglich.

5. Reanimation ist nötig: Wenn keine normale Atmung vorhanden ist: Sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Bei Kindern ab 1 Jahr Mund-zu-Mund-Beatmung, bei Babys und Säuglingen wenden Sie die Mund-zu-Nase-Beatmung an. Beatmen Sie das Kind 5 x. Danach Herzdruckmassage: Drücken Sie 30 x mit einer Frequenz von 100 bis 120 x pro Minute. Bei allen Kindern liegt der Druckpunkt in der unteren Hälfte des Brustbeines,  Bei Kindern ab 1 Jahr drücken Sie mit einer Hand oder beiden Händen, bei jüngeren Kindern mit nur einem oder zwei Fingern. Anschließend 2 x beatmen und dann wieder 30 x Herzdruckmassage durchführen. Das wiederholen Sie so lange, bis professionelle Hilfe eintrifft oder das Kind ein Lebenszeichen gibt – sich bewegt, zu weinen beginnt oder die Augen öffnet.

 

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