© Sommertheater Mödling

Kritik
07/27/2021

Zwei Mal tolles Theater in Mödling: Sommernachtswanderung und Musketiere

Kritiken zum Stationentheater "Geschichten aus dem Wiener Wald“ und "Die drei Musketiere“.

Sommernachtswanderung an die Donau, in die Wachau, ins Maxim und in die Scheinheiligkeit

Am Ende Jubel und „Bravo“-Rufe. Das Publikum ging mit. – Fast einen Kilometer. Durch Mödlings Altstadt.

War das Sommertheater Mödling 2020 coronabedingt ein „Sommerkino“ mit Filmen vergangener Inszenierungen, so stellten Intendant Andreas Berger und sein Team heuer binnen kurzer Zeit ein Stationentheater auf die Beine, das stimmiger kaum sein könnte.

Die Neuaufnahme von Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“, die schon 2010/’11 in Mödling als Stationentheater über malerische Natur- und Freiluftbühnen gingen, ist noch überzeugender. Das liegt zum einen an den Schauplätzen, wie etwa der Villa Fichtenhof aus 1878 oder dem Managettahaus aus dem 16./17. Jahrhundert, die selbst Mödlinger nicht von innen kennen. Ihre verwunschenen, parkartigen Gartenanlagen lassen das Publikum – inmitten der Stadt – tatsächlich glauben, es sei „An der Donau“ und „In der Wachau“.

Das liegt aber ebenso am Ensemble. Peter Josch ringt als um sich selbst kreisender Zauberkönig mit den großen Dramen seiner kleinbürgerlichen Existenz („Elend steh’ ma da, nicht einmal Dienstboten kann man sich mehr leisten“). Viktoria Weiner wächst mit jedem Schicksalsschlag noch mehr in die Rolle der Marianne hinein, der die männerverwaltete, scheinheilige Wiener Gesellschaft der frühen 1930-er Jahre die Luft zum Atmen raubt (die Marianne ist doppelt besetzt, Weiner spielt an manchen Abenden, an anderen Leonie Reiss). Nici Neiss ist eine bezaubernd-abgründige Trafikantin Valerie. Ala Tobischek heizt dem Publikum „Im Maxim“ an der Seite von Conférencier Victor Kautsch herrlich ein. Ingeborg Bauböck und Gabi Berger sorgen als Großmutter und Mutter für ein berührend-beklemmendes Schlussbild, das nachwirkt.

Zusatzvorstellungen: 3.8. und 10.8.

Birgit Braunrath

Als wär’s ein Film: „Die drei Musketiere“ vor dem Hyrtl’schen Waisenhaus

Wollten Sie in frühen Kindertagen auch so wild reiten, so kühn fechten wie D’Artagnan im Film? Galt auch für Sie das Diktum „Einer für alle, alle für einen“?

Ich jedenfalls war fasziniert von den französischen Edlen, als ich „Die drei Musketiere“ einst im Fernsehen sah. Die Begeisterung von damals erwachte wieder beim Besuch von Bruno Max’ Produktion im pittoresken Ambiente vor dem Hyrtl’schen Waisenhaus in Mödling – ein idealer Schauplatz.

Der Theatermacher orientierte sich an Richard Lesters legendärer Roman-Verfilmung von Alexandre Dumas dem Älteren. Mit einfachen Mitteln erzählt er die Geschichte des aufstrebenden Jünglings aus der Gascogne, der nach Paris zieht, um Musketier zu werden. Und erzielt größte Wirkung.

Bezaubernd

Historisierende Kostüme wie aus dem Bilderbuch und liebevolle Details – ein Pferd aus Stoff, in das zwei Komparsen schlüpfen, und eine Plüschschafherde – wären schon genug, um zu verzaubern. Doch es gibt mehr, nämlich ausführliche, fulminante Fechtszenen. Wie im Film treten die Musketiere immer wieder gegen die Garde von Kardinal Richelieu an. Das ist Mantel und Degen live!

Nicht genug damit lässt Max durch seine Fassung einen Hauch von Monty-Python-Humor wehen. Etwa, wenn D’ Artagnan wie auf Kommando stramm steht, wenn er das Wort Paris hört oder sich die Königin seinen Namen nicht merken kann.

Gespielt wird hingebungsvoll. Stellvertretend für alle aus dem bejubelten Ensemble seien Regís Mainka (Athos), Angelo Konzett (D’Artagnan), Hermann J. Kogler (Richelieu), Randolf Destaller (Louis XIII.) und Eszter Hollósi (Lady de Winter) genannt. Susanne Zobl

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