© Metro Kino/Severin Dostal

Kultur
06/05/2021

Zurück in die Zukunft: Wie kann Kino nach Corona ausschauen?

Film ab! Ein Rundumblick nach Konzepten in Österreich, Deutschland, Griechenland und den USA gibt Antworten.

von Bernhard Praschl

Was ist denn das, ein Kino? Ja, was soll denn das? Schon lange nicht gesehen, geschweige denn betreten. Nach gefühlten zehn Blockbustern und x weiteren Filmen, die verschoben beziehungsweise gestreamt wurden, stellt sich tatsächlich die Frage: Geht es uns überhaupt ab? Oder anders formuliert: Ist Kino heute überhaupt notwendig?

Filme werden immerhin auch im Fernsehen ausgestrahlt, kann man sich per Computer oder Smart-TV reinziehen. Und diese Flachbildschirme werden immer größer, wohnzimmerwandgroß.

Popcorn sowie Snacks können ebenso aus dem Küchenregal kommen statt vom Kinobüffet, oder? Also, liebes Kino, tut mir leid, das war’s wohl, ab auf die Müllhalde der Geschichte!

Kann sein, muss aber nicht. Denn Kino war schon immer mehr als nur der Blick auf eine große Leinwand. Kino wurde geboren als Jahrmarkt-Sensation, entwickelte sich zum Erlebnis und später zur Unterhaltung, die es eben nur dort und nirgendwo anders gibt. Ein freudiges „Darling, ich bin im Kino“ klingt nicht zufällig verheißungsvoller als ein mattes „Darling, ich bin zu Hause“.

Kino kann Feuer entfachen

„Ich war Feuer und Flamme, als ich auf diese Anzeige stieß“, sagt Christian Rieder und spricht von dem Moment, als er auf der Internet-Plattform willhaben.at gebrauchte Kinostühle angeboten sah. „Kinosessel wollte ich für die beiden Schnitträume in unserem Studio sowieso immer haben“, ergänzt der Geschäftsführer der Kärntner TV- und Filmproduktionsfirma Five Elements Films. Es handelte sich um die Bestuhlung aus dem ehemaligen Diesel Kino in Graz.

Aus alt machte der findige Filmfan kurzerhand neu. Und schon wurde er mit der Kinofabrik in Spittal an der Drau als Betreiber des „kleinsten Kinos Österreichs“ zum Mutmacher für eine brach liegende Branche. Denn als sich herausstellte, dass der Verkäufer jede Menge davon in seinem Lager hat „und ich zum Telefonieren grad in dem leer stehenden Raum war, hatte ich die Idee, daraus ein kleines Kino zu machen“.

Die zwanzig roten Plüschsessel in einer Ecke einer ehemaligen Schuhfabrik zeigen, worum es geht. Kino wieder gemeinsam zu erleben, sich im Kollektiv freuen, wundern, vielleicht ängstigen, jedenfalls aber begeistern. Und das in einem Raum, der zumindest mehr Flair verspricht, als das Heimkino üblicherweise bereithält. Nach dem Ende des Lockdowns ist das Comeback des Kinos wieder zum Greifen nah. Viele Programmkinos haben bereits geöffnet, wenngleich nach Covid-19-Regeln nur mit einer Saalauslastung von höchstens 50 Prozent. Am 18. Juni sperren die insgesamt 18 Lichtspieltheater der heimischen Cineplexx-Kinokette wieder auf. Mit allen auch dann erforderlichen Abstandsregeln.

Kino wird also ein paar Monate lang nicht so aussehen, wie es Filmfreunde kennen, die sich an Premieren vor vollem Haus oder an die vorletzte Viennale-Eröffnung erinnern.

Kino im Wohnzimmer

Eine Nummer kleiner geht immer, würden auch Wiebke und Johannes Thomsen unterschreiben. Sie betreiben ihr Lodderbast-Kino im Wohnzimmer ihrer Wohnung in Hannover. Corona hat natürlich auch ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber bis dahin lief das ebenfalls nur 20 Sitze fassende Genrekino ganz gut. Allerdings unter zwei Prämissen: „Wer mit uns zuvor kochen und danach plaudern mag, ist im Vorteil“, so Johannes Thomsen.

Kino und Kulinarik

Filme schauen und dabei schnabulieren ist auch das Konzept einer vor 24 Jahren in Texas gegründeten Kinokette, Alamo Drafthouse Cinema. Mittlerweile servieren insgesamt 39 Lichtspieltheater in mehreren US-Bundesstaaten den Mix aus Blockbustern, Indie-Filmen sowie Spezial-Programme und dazu passende Kulinarik.

Schmatzen ist okay, aber das geht gar nicht: Tratschen. Zur Hauspolitik gehört nämlich, dass man aus dem Saal verwiesen wird, sobald man sich beim Tratschen mit den Sitznachbarn oder beim SMS-Texten als Wiederholungstäter entpuppt.

Mit dem Beislkino fährt das Cinema Paradiso in St. Pölten eine ähnliche Schiene. Hier ist für den Saal 2 vorgesehen, dass man auf den 60 Sitzplätzen während einer Vorführung mehr als Sportgummi naschen darf.

Natürlich hofft man da wie dort, dass sich die Lage bis Herbst stabilisiert und weiter bessert. Immerhin soll im September endlich wieder ein Film anlaufen, der für volle Kinosäle sorgen wird – der neue, bereits mehrmals verschobene James Bond.

Was bei uns ein saisonales Erlebnis, ist auf der griechischen Insel Santorin ganz normal: ein Open-Air-Kino. Das im Stil eines Amphitheaters angelegte Cine Kamari wusste sich früh gegen Corona zu wehren. Und sieht auch nicht rot wegen der Übernahme des MGM-Studios durch Amazon. Im Logo des Kinos prangt ironischerweise statt eines Löwen ein griechisches Nationalsymbol – ein Esel. Merke: Ohne Humor geht nix.

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