Bayern/ ARCHIV: Der italienische Saenger Zucchero singt in der Olympiahalle in Muenchen beim Auftakt-Konzert seiner Chocabeck World Tour 2011 (Foto vom 21.05.11). Zucchero erfuellt sich mit seinem neuen Album einen langjaehrigen Traum: "La Sesion Cubana" wurde, wie der Titel bereits andeutet, in der kubanischen Hauptstadt Havanna aufgenommen und beinhaltet Kollaborationen mit einigen der wichtigsten Musikern der Karibik und Suedamerikas. (zu dapd-Text) Foto: Lukas Barth/dapd

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Interview
02/19/2013

Zucchero: Ein grandioser Albtraum

Zucchero kommt mit seiner „La Sesión Cubana“-Show für sieben Auftritte nach Österreich

von Brigitte Schokarth

Schon als er 1990 im Kreml auftrat, kündigte Zucchero an, dass er einmal ein großes Konzert in Havanna spielen werde. Ende vorigen Jahres hat er es endlich wahrgemacht, im Parque del Instituto Superior De Arte ein Gratis-Konzert für fast 20.000 Kubaner gespielt und mit den einheimischen Musikern die CD „La Sesión Cubana“ aufgenommen. Ab 10. Mai ist der Italo-Barde mit der Havanna-Show auch in Österreich auf Tournee. Im Interview mit dem KURIER erzählt der Italiener, warum die Organisation seines Kuba-Abenteuers „ein Albtraum“ war.

KURIER: Wieso kamen Sie gerade in Moskau auf die Idee, in Havanna zu spielen?

Zucchero: Damals wehte der „Wind of Change“ durch das Land, und unser Kreml-Konzert war ein ganz spezieller, aufregender Auftritt. Ich war so begeistert, dass ich sagte: „Mein nächstes Großereignis wird eine Show in Havanna.“ Aber natürlich ist das von der Logistik her extrem schwierig, weil das Land so arm ist – eine Insel, auf der sie nichts haben und es keine Rock-Shows gibt. 2012 dachte ich, jetzt muss ich’s trotzdem machen, denn nach Fidel wird sich Kuba verändern. Nicht wegen der politischen Veränderungen, sondern denen in der Kultur und der Atmosphäre, die ich so liebe.

Warum wollten Sie mehr als 15 Jahre nach Ry Cooders „Buena Vista Social Club“ auch ein ähnliches Album machen?

Ich wollte dokumentieren, was ich mit den kubanischen Musikern erarbeitet habe. Unser Ansatz ist ein anderer: Wir spielen keine traditionelle kubanische Musik, sondern meine Musik mit kubanischen Musikern. Das ist eher Blues und Rock mit kubanischem Flair. Wir spielen Bearbeitungen von einigen meiner bekanntesten Songs, aber auch Covers.

Wie lief die Organisation? Hatten Sie Auflagen von der Regierung, wollten die zum Beispiel vorher die Texte lesen?

Sie haben bei mir nicht viel kontrolliert. Aber das lag daran, dass sie mich kennen und wissen, dass ich das Land liebe. Ich war ja auch schon vor 2012 drei Mal dort, habe dort Videos gedreht. Und ich kenne den Kulturminister, die Tochter von Raul Castro und Alejandro Castro, den Sohn von Fidel. Wir waren zusammen essen, und sie waren alle sehr hilfsbereit. Die Organisation war trotzdem ein Albtraum.

Warum? Was ging schief?

Sie sind halt sehr arm und haben keine Ausrüstung. Ich musste Ton-Anlage, Licht und sogar die Bühnen-Gerüste in zehn Containern per Schiff von Genua aus hinbringen lassen. Das hat vier Wochen gedauert. Ich wollte dort aber keine billige Show abliefern, sondern all das bieten, womit ich jetzt auch in Europa auf Tour gehe.

Was hat das gekostet?

Ein Vermögen. Und immense Anstrengungen. Denn selbst wenn die Regierung hilfsbereit war, war es ein Albtraum. Sie sagten zum Beispiel, dass sie uns die Stromgeneratoren zur Verfügung stellen würden. Drei Tage vor der Show hieß es: „Wir haben sie nicht!“ Dann haben wir überlegt, sie aus Mexiko kommen zu lassen, was irrsinnig teuer gewesen wäre. Und dann haben sie doch noch irgendwelche alten Generatoren gefunden, die wir verwenden konnten. Aber es war grandios – jeden Albtraum wert!

Sie waren immer ein engagierter Kämpfer für die Menschenrechte. Sprachen Sie auch darüber, als Sie mit den Mitgliedern der Castro-Familie essen waren?

Gewisse Themen haben wir natürlich vermieden. Wir haben nicht über Fidel oder Politik gesprochen. Aber wir haben über die Kultur des Landes gesprochen, die Philosophie hinter der Revolution und vor allem die Musik. Denn das ist die Leidenschaft der Kubaner – möglicherweise nur, weil sie sonst nichts haben. Aber wenn du ihnen ein Instrument in die Hand drückst, lachen sie und sind fröhlich. Einer meiner Musiker kam einmal ins Studio und sagte: „Mein Haus ist abgebrannt, ich habe heute Nacht alles verloren, aber ich wollte dich nicht hängen lassen.“ Und nach der Session sagte er: „Danke, Zucchero. Durch deine Musik habe ich jetzt vergessen, was passiert ist.“ Diese Mentalität ist es, die ich an Kuba so liebe.

Zucchero auf Tour


9. 5. Bregenz/Festspielhaus, 10. 5. Innsbruck/Olympiahalle, 12. 5. Wien/Stadthalle,13. 5. Graz/Stadthalle, 14. 5. Salzburg/ Domplatz, 4. 7. Klam/ Burg Clam5. 7. Lienz/Hauptplatz. Karten (für Lienz ab 25. 2.) unter: 01/96 0 96 oder www.oeticket.com

KURIER-Leser können heute, Dienstag, von 12 bis 13 Uhr unter ☎ 01/522 3903 drei Mal zwei Karten für das Zucchero-Konzert am 12. Mai in der Wiener Stadthalle gewinnen. Rechtsweg ausgeschlossen, eine Bar­ablöse ist nicht möglich. Gilt nur für Verbraucher im Sinne des KSchG.

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