Kultur
21.11.2018

Zeitgeschichte im Museum: Über Fehler und Pannen im März 1933

Wie kam es, dass Dollfuß Diktator werden konnte? Die Antwort liefert nicht das Haus der Geschichte. Man muss nach Graz fahren.

Das Haus der Geschichte der Republik bietet, keine Frage, eine Fülle an Anekdoten und Objekten. Da geht so manches unter, darunter der kleine Schwerpunkt mit Brettspielen. Man stößt z. B. auf „Spekulation“ aus den 1930er-Jahren, das erst unter dem Titel „DKT – Das kaufmännische Talent“ zum Renner wurde. Oder auf „Juden raus!“ aus der NS-Zeit mit dem Brechreiz-Reim „Gelingt es Dir 6 Juden rauszujagen, so bist Du Sieger ohne zu fragen!“ Oder auf das emanzipatorische „Liebesdienste“ aus den 70er-Jahren. Und als Give-away erhält man „Marathon“ über die lange Geschichte des Hauses der Geschichte. Wer das Pech hat, auf dem einen oder anderen roten Feld zu landen, muss leider „zurück an den Start“.

Doch so manches demokratiepolitisch zentrale Ereignis geht unter. Darunter die Frage, wie es zur „Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur“, bisher „Austrofaschismus“, kommen konnte. Wer die Saaltexte liest, erfährt: „Im Jahr 1933 nutzte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß eine Abstimmungspanne im Parlament, um die Demokratie zu zerstören und eine Diktatur nach faschistischem Vorbild zu errichten.“ An anderer Stelle heißt es: „Ziel war die Errichtung eines ,Ständestaats‘ nach faschistischen Vorbildern.“

Man liest: „Der Ausschaltung des Parlaments im März 1933 folgte die Einschränkung demokratischer Rechte.“ Und anderswo: „Am 4. März 1933 hatte ein Formalfehler bei einer Abstimmung zum Rücktritt der drei Nationalratspräsidenten geführt. Das Parlament war damit beschlussunfähig. Dollfuß nutzte diese Krise. In Aussendungen ließ er autoritäre Maßnahmen und ein Demonstrationsverbot ankündigen.“ Und: „Die Ausschaltung des Parlaments durch den christlich-sozialen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im Jahr 1933 öffnete den Weg in die Diktatur.“

 

 

Was also stimmt? Und was genau passierte im Parlament? Selbst wenn man alle Fakten wie Bauklötze zusammensucht, wird man nicht schlau.

Doch man kann nach Graz fahren – und sich die exzellente Ausstellung im dortigen GrazMuseum anschauen, die sich unter dem Titel „Im Kartenhaus der Republik“ genau mit den Themen des Hauses der Geschichte beschäftigt. Weit profunder (am Beispiel Graz) aufbereitet – und um einen Bruchteil des Budgets realisiert.

Gut erklärt werden u. a. der „Kirschenrummel“ 1920, die Ereignisse in Schattendorf 1927 samt den fatalen Folgen und der gescheiterte „Pfrimer-Putsch“ 1931 – im Haus der Geschichte unter der Wahrnehmungsgrenze abgehandelt.

Über den 4. März 1933 erfährt man, dass sich im Nationalrat an einem Abstimmungsfehler eine Debatte entzündete: „Der sozialdemokratische Nationalratspräsident Karl Renner sah sich nicht mehr imstande, die Abgeordneten zur Ruhe zu bringen und legte sein Amt nieder. In weiterer Folge traten auch sein christlichsozialer und sein großdeutscher Stellvertreter zurück. Die Sitzung konnte nicht beendet werden.“ Dollfuß „hinderte die Opposition mit Hilfe der Polizei und unter Androhung von Waffengewalt daran, wieder zur ordnungsgemäßen Beschließung der Sitzung zusammenzukommen. Mittels des Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes aus dem Jahr 1917 installierte er eine autoritäre Regierung. Bundespräsident Wilhelm Miklas ließ ihn gewähren.“

Wer noch mehr erfahren will, muss zum Beispiel den Wikipedia-Beitrag lesen.