YouTube: Schwere Probleme mit verstörenden Kindervideos

FILE PHOTO: A picture illustration shows a YouTube
Foto: REUTERS/Dado Ruvic Youtube

Die Videoplattform hat den Kindercontent nicht im Griff – und daher Ärger mit den Werbern.

Die Videoplattform YouTube hat, wonach die gesamte Medienwelt giert: Bewegte Bilder, und zwar mehr, als irgendjemand jemals anschauen könnte. Das bringt viele, viele Werbedollar: Die Tochterfirma von Google soll derzeit rund 75 Milliarden Dollar wert sein.

Die offene Videoplattform, auf die jeder (fast) alles laden kann, was er will, ist die allwissende Videomüllhalde der Menschheit geworden, wo sich fantastische Schätze direkt neben furchtbarem Schund finden, oft wunderlich, oft wunderbar anarchistisch.

Manchmal aber auch schrecklich anarchistisch. Denn YouTube hat auch ein Problem, und dieses wird immer sichtbarer: Im Windschatten des Erfolges mehren sich die dunklen Stellen, die zweifelhaften oder schlicht dreckigen Ecken in jenem Content, den private User, Medien und YouTube-Stars hochladen.

Es geht allen Sozialmedien-Plattformen da gleich.

Werbestopp

Bei YouTube sind nun namhafte Werbekunden aufgeschreckt: Wie die Londoner Times berichtet, haben Großunternehmen wie die Deutsche Bank, Adidas, HP oder Lidl ihre Werbeausgaben auf YouTube eingefroren. Denn ihre Spots wurden neben Videos gezeigt, mit denen sich kein Unternehmen in Verbindung wissen will; nämlich Videos junger Mädchen, die leicht bekleidet Turnübungen absolvieren.

Man sieht sie beim Spagat, beim Herumrollen auf ihren Kinderzimmerbetten, beim Zähneputzen.

Und die (nicht illegalen) Videos locken, das sieht man in den Kommentaren, auch jene Art von Publikum an, das sich sonst nur im Verborgenen bewegt.

Dass die Mädchen viele dieser Videos selbst hochluden, macht es nicht besser – im Gegenteil. Bei derartigem Content "sollte keine Werbung geschaltet werden", versicherte Google. "Wir arbeiten auf Hochtouren, um das zu beheben."

Kinderschrecken

Aber das ist nicht das einzige Inhalte-Problem, das YouTube hat. Seit Tagen kursiert im Netz die Aufregung um diverse Kinderkanäle. Die wollen schnelles Geld auf Kosten von bekannten Kinderlieblingen – wie Peppa Wutz oder Paw Patrol – machen. Und zwar mit dem regelmäßigen Hochladen von automatisch erstellten Videos, die die bekannten Figuren in neuen Situationen zeigen, oftmals auch keineswegs kindertauglichen. Es ist eine ganz eigene Art des Horrors, diese Cartoonfiguren zu sehen, wenn sie etwa vom Zahnarzt gequält werden. Oder Sex miteinander haben.

Kinder, die mit YouTube alleinegelassen werden, landen von offiziellen Kindervideos schnell bei diesen Abklatsch-Produktionen. Denn YouTube lebt davon, dass nach dem eben abgelaufenen Video ein neues startet.

Und die Nachmacher-Videos sind so schlau betitelt, dass weder der Benutzer noch Google selbst auf den ersten Blick erkennen, dass es sich um ein problematisches Video handelt. Hier stößt Google an seine Grenzen. Der Suchmaschinengigant ist insbesondere deshalb erfolgreich, weil seine Suchergebnisse so relevant wie möglich sind. Google "versteht" so, wie wertvoll Webseiten sind. Bei Videos aber ist Google noch chancenlos: So schlau zu erkennen, ob Peppa Wutz jetzt kindgerechtes tut oder nicht, ist der Algorithmus noch nicht.

Dass nun große Unternehmen ihre Werbedollar zurückhalten, stört den Höhenflug der großen Webplattformen, wenn auch auf hohem Niveau: Facebook und Google dominieren den weltweiten Digitalwerbemarkt so deutlich, dass Fortune von einem "Duopol" spricht. 60 Prozent der digitalen Werbeeinnahmen in den USA gehen zu den beiden; für herkömmliche Verlage und Medien bleiben nur Peanuts.

Aber die Beziehung der Werbetreibenden zu den Plattformen ist nicht ungetrübt: Im Frühjahr gab es Aufregung, dass Facebook u. a. die Möglichkeit bot, mit Werbung gezielt "Judenhasser" anzusprechen. Und renommierte Marken fanden ihre Spots plötzlich neben Videos von Extremisten wieder.

Kinder nicht alleine schauen lassen

Das Internet ist kein Fernsehprogramm: Während man bei Kinderprogrammen im regulären TV zumindest weitgehend davon ausgehen kann, dass die gebotenen Inhalte zumindest kinderadäquat sind, ist bei Plattformen wie YouTube mehr Vorsicht und Aufsicht geboten. Selbst harmlos klingende Videos (die Kinderlieder oder bekannte Figuren versprechen) können in die Irre führen oder die Kinder überfordern. Neben technischen Filtern ist die effizienteste Lösung: Kinder nicht alleine Onlinevideos schauen lassen.

(kurier) Erstellt am
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