Anita Ammersfeld als Schwester Lukas (im Bild links mit Johanna Withalm)  in einer katholischen Schule

© /Sepp Gallauer

Walfischgasse
01/08/2015

Wird das Theater Kinderoper?

Anita Ammersfeld über Bilanz, letzte Premieren und Zukunft ihres Theaters.

von Werner Rosenberger

Letzte Saison im Stadttheater Walfischgasse. In der vorletzten EigenproduktionJohn Patrick Shanleys mit dem Tony Award und 2005 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Stück "Zweifel" (Premiere: 14. Jänner) – wird die Seele des Hauses seit fast zehn Jahren – Anita Ammersfeld – zum letzten Mal auf der eigenen Bühne stehen.

Wer kennt die Wahrheit?

Es geht um Missbrauch. Und heikle Fragen wie: Ist er überhaupt passiert? Wie umgehen mit Verdacht, Schuld und Verurteilung? Was tun, wenn man sich nicht sicher ist?

Denn Verdächtigungen oder pauschale Mutmaßungen können verheerende Folgen haben. "Zweifel", mit Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman verfilmt, ist eine Parabel über Religionsprobleme und die Bildungsmisere, über Gleichberechtigung und den Kampf der Geschlechter. Über Homosexualität und Homophobie, über Kindesmissbrauch und den Missbrauch Schutzbefohlener. Über Misstrauen und blindes Vertrauen.

Brandgefährlich

"Dieser feste Glaube, im Besitz der einzig gültigen Wahrheit zu sein, hat oft zerstörerische Folgen", sagt Anita Ammersfeld im KURIER-Gespräch. "Das gilt nicht nur für die katholische Kirche, sondern das zieht sich durch sämtliche Institutionen, Ideologien, Religionen und Parteien – und sogar durch Konzerne. Das ist leider ein immer gültiges Thema."

"Und diese Suche nach der Wahrheit in einer Geschichte über die Mächte des Wandels und die verheerenden Folgen von Gerechtigkeitswahn in einer von moralischen Überzeugungen bestimmten Zeit ist unglaublich spannend", sagt die Theaterdirektorin.

Das Stück funktioniert wie ein Krimi. Bis zum Schluss kann sich der Zuschauer nicht sicher sein, wie die Dinge wirklich liegen. Die Schuldfrage bleibt offen, und es gibt keine einfache Lösung. Jeder ist aufgefordert, seine Schlüsse selbst zu ziehen. Ammersfeld: "Ich liebe solche Stücke, weil sie wirklich für Nachhaltigkeit sorgen, indem man darüber sprechen und diskutieren kann, wenn man das Theater verlässt. Aber die Figuren sind durchaus auch komisch. Und das Stück hat amüsante Momente, über die man sogar lachen kann. Was bei so einem Thema nicht selbstverständlich ist."

Zukunft Kinderoper?

Die allerletzte Eigenproduktion in der Walfischgasse – "Freunde, das Leben ist lebenswert" (ab 4. 3.) von Charles Lewinsky – erzählt von den tragischen Schicksalen des Textdichters Fritz Löhner-Beda, des Conférenciers und Kabarettisten Fritz Grünbaum und des Komponisten Hermann Leopoldi.

Dann ist Schluss. "Am 8. Mai die letzte Vorstellung", so Ammersfeld. Warum? "Weil man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Wir hatten 43.000 Besucher in der letzten Saison. Und bei jeder Intendanz, die etwas verändert, aufgebaut hat und etwas etablieren konnte, was vom Publikum auch angenommen wurde, kommt der Zeitpunkt, wo man sich fragt: Wie soll ich das jetzt noch toppen?"

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hatte keinen Spielraum zum Disponieren, das Theater im Wahljahr 2015 als Theater der Stadt Wien weiter zu betreiben – mit Kosten von bis zu einer Million Euro jährlich.

Also baut Dominique Meyer das Zelt auf der Dachterrasse der Staatsoper ab und zieht mit der Kinderoper im September für mindestens drei Jahre in die Walfischgasse – um 300.000 Euro Miete pro Jahr. Obwohl Ensemble- und Orchester-Mitglieder off records erklären, die Lokalität sei für Musikproduktionen absolut ungeeignet.

Akustik geeignet?

"Es wird sicher noch Adaptierungen geben", sagt indes Staatsopern-Sprecher André Comploi. "Aber im Theater wird künftig das stattfinden, was im Zelt bisher auch stattgefunden hat."

Bei der ersten Produktion, die aus Kostengründen im Herbst quasi vom Zelt ins Haus übernommen werden müsse, gebe es "wegen der relativ großen Orchesterbesetzung ein Problem mit der Akustik", merkt auch Ammersfeld an. Da müsse man sich wohl noch etwas einfallen lassen ...

Dass es einem leid tut ums Theater, kontert Ammersfeld elegant: "Je trauriger Sie sind, umso lieber ist es mir."

Zwischen Überzeugung und Ungewissheit

Stück
"Zweifel" von John Patrick Shanley mit Anita Ammersfeld, Rachelle Nkou, Johanna Withalm, Alexander Rossi. Regie: Christine Wipplinger.

Wann & Wo
Ab 14. 1. (20 Uhr) StadtTheater Walfischgasse, 1, Walfischg. 4; weitere Termine: 21., 24., 27. und 31. 1.; 5., 13., 18., 21. und 26. 2. (jeweils 20 Uhr) sowie18. 1. und 8., 15. und 22. 2. (18 Uhr); Karten: 28 bis 45 €, 01/512 42 00.

www.stadttheater.org

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