© Rabenhof/ Pertramer

Kritik
10/05/2019

"Wir Staatskünstler"-Premiere im Rabenhof: Die Richtung stimmt

Die Chefsatiriker der Nation zeigen nach der Nationalratswahl ihr Programm "Jetzt erst recht" im Rabenhof. Die Kritik zur Premiere.

von Werner Rosenberger

In einer Welt, in der sich die unfreiwillige Komik einer steigenden Zahl populistischer Deppen und Witzfiguren in der Realpolitik zur flächendeckenden Lachnummer entwickelt hat, haben es Berufskomiker schwer.

„Die Staatskünstler“ – bekannt durch ihre wöchentliche Satireshow 2011 bis 2013 im ORF – reagieren auf die Ibiza-Affäre, die Nationalratswahl und die aktuelle Innenpolitik in der Diktion jener Partei, die sich gern als Opfer darstellt: „Jetzt erst recht!“

Freitag war Premiere der neuen Bühnenshow mit Florian Scheuba, Thomas Maurer, Robert Palfrader und Illustrationen von Gerhard Haderer (bis 22. 12. im Rabenhoftheater).

Freitag war auch Welttierschutztag. „Und immer noch das bange Warten: Wird Philippa Strache ins Parlament einziehen können?“

Dem Ton im letzten Wahlkampf ist die Härte vieler Pointen der Satiriker angepasst. So erinnern sie an Kickls Ankündigung, er werde „dem politischen Gegner aufs Hosentürl hauen“.

„Egal, mit wem es Kickl zu tun hat, bei ihm ist das Hosentürl des Gegners immer auf Augenhöhe. Der Befund ,Unter der Gürtellinie' ist bei Kickl nicht nur eine Stilfrage, sondern eine Beschreibung der Gesamtpersönlichkeit.“

Wiederbetätigung

Auf die Frage: „Ursula Stenzel und die Identitären – wie geht das zusammen?“ hat das Trio eine Antwort: „Auch regelmäßiger Alkoholmissbrauch ist eine Form der Wiederbetätigung.“ Aber: „Was wird Stenzel sagen, wenn sie draufkommt, dass Jörg Haider nicht mehr Chef ist?“

Basti Kurz ist Superheld X-Man für den Parodisten, und „Kurzology eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft“. Während sich die SPÖ die hohen Wähler-Verluste damit erklärt, „dass wir unsere Inhalte nicht ausreichend kommunizieren.“ Und sich nicht nur Palfrader fragt: „Welche Inhalte?“

Darauf kommt’s bei der von den Humoristen vorgeführten Jungwähler-Internet-Kampagne der ÖVP nicht an. Österreich mutiert zu „Autochtonia, der ersten durchpatriotisierten Österreich-zuerst-Matrix“. Aber in den Chor von Türkis und Blau mischen sich Misstöne.

Gauleiter Seyß-Inquart und Hitler erscheinen im Schwarz-Weiß-Film, „ein Zufallsfund in Hugo Portischs Biotonne“, wie sie sich in einer Villa am Starnberger See mit einer angeblichen deutschen Rüstungsindustriellennichte treffen. Der Führer redet sich mit Ungeheuerlichkeiten in Rage – Ibiza lässt grüßen – und sagt am Schluss lakonisch: „Das muss natürlich alles rechtskonform und legal vor sich gehen.“

Im Sprechchor, durchsetzt in der Art unsäglicher brauner Rülpser, von der FPÖ gern als „Einzelfall“ deklariert, heißt’s im Refrain: „Wird man wohl noch sagen dürfen!“ Und wann zeigt der ORF die gelungene Show und gibt den Staatskünstlern wieder ein Satire-Format? Denn: Die Richtung stimmt.

Die nächsten Vorstellungen: 12., 13., 21., 23., 24. 10., www.rabenhof.at. „Wir Staatskünstler. Das Buch zum Staat“, Ueberreuter Verlag, 24,95 €